Mis­sionsfest EmK Flor­idsdorf: sehen & gesehen werden

Faith Impulse

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Dorothee Büürma

Pastorin, Erwachsenenbildung


Eine Kurz-Predigt zu Johannes 20,29

Der Evangeliumstext für den heutigen Sonntag (Anm.: 24.4.22; Text: Joh 20,19-31) bietet eine Möglichkeit, das Thema "Mission" genauer zu beleuchten. Es geht in diesem Text nämlich um das Sehen/ Erkennen bzw. um die eigene Sicht und darum, etwas sichtbar werden zu lassen.

Die Bibelstelle im Kontext

Der Text folgt den Versen über die Begegnungen am leeren Grab. Maria hatte sowohl die Leere des Grabes gesehen, als auch den Auferstandenen. Die Jünger hatten es eiliger gehabt. Nachdem sie am leeren Grab waren, haben sie sich wieder in ihrem verschlossenen Raum versperrt. Nur Maria, die am Grab wartete, suchte ernsthaft nach Jesus und begegnete ihrem auferstandenen Herrn noch dort im Garten. 

Ich möchte hier auf die Situation der Jünger genauer eingehen. Der Vers, der in dieser Predigt besonders betrachtet wird, ist Vers 29. Jesus sagte zu Thomas: "Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Glückselig sind die, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!" (BasisBibel)

Was bedeutet "sehen"?

Im griechischen Urtext heißt das Wort für "sehen" an dieser Stelle "horao" (ὁράω). Es bedeutet mehr als einfach etwas zu erblicken, etwas anzuschauen. Sehen ist hier verbunden mit dem Erkennen. Thomas und die anderen Jünger haben Jesus gesehen – und gleichzeitig haben sie verstanden, dass Jesus auferstanden ist.
Sie glauben nicht nur, weil sie mit eigenen Augen Jesu Auferstehung bezeugt haben. Sie glauben auch, weil sie erkennen und verstehen, was mit Jesus passiert ist. 

Nun sagt Jesus an dieser Stelle zu den Jüngern (und zu uns, die wir den Text lesen): "Glücklich/ selig sind die, die mich nicht sehen und trotzdem glauben". Hier kommt das Wort "sehen" im Griechischen in einer verstärkten Form vor: Diejenigen, die nicht verstehen und trotzdem glauben, sind selig! Diejenigen, die sich nicht an Jesus erinnern, sind glücklich, wenn sie glauben können!

Was bedeutet "nicht glauben"?

Thomas, der zweifelte und nicht glauben wollte ohne Jesus selbst zu sehen, ist oft eher negativ angesehen: Der Zweifler, der Ungläubige – "Doubting Thomas" auf Englisch. In der Geschichte des christlichen Glaubens wird er oft auf diesen Moment seines Lebens reduziert. Und zweifeln statt zu glauben (= vertrauen) wird als schlecht angesehen. 
Doch gehören gerade diese Dinge auch zum menschlichen Leben: zweifeln und etwas kritisch hinterfragen, sich nicht an alles zu erinnern, oder nicht alles zu verstehen. Auch wir kennen das! Und zu einem ehrlichen Leben als Christ*innen gehört auch die Auseinandersetzung mit dem Zweifel. Zweifel ist keine Sünde, keine Schande, keine Schwäche. Zweifel ist ein natürlicher Schutz gegen alles, was uns im Leben in die Irre führen will. 

Wir leben hier und heute (Gott sei Dank) in einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit und Toleranz wertgeschätzt sind. Wir leben auch in einer Zeit, in der in Politik und Gesellschaft sehr unterschiedliche Meinungen vertreten sind. Ich lobe mir wirklich den Zweifel, der kritisch hinterfragt: Kann das alles wahr sein? Was davon ist nur Einbildung? Wo ist etwas eine Flucht aus der Realität, damit man sich nicht mit ihr beschäftigen/ auseinandersetzen muss? 

Schon in meiner Kindheit haben meine Eltern mir grundlegende Zweifel eingeschärft: Steig nicht einfach so bei fremden Menschen ins Auto! Geh nicht einfach mit Menschen mit, die du nicht kennst! Trau ihren Versprechungen nicht! Es könnte sein, dass sie dich in eine Falle locken wollen.

Zweifel können überlebensnotwendig sein. Auch für Erwachsene. Deshalb ist es so wunderbar, dass im Johannesevangelium diese Zweifel aufgenommen und ernst genommen werden. Jesus nimmt die Zweifel des Thomas so ernst, dass er ihm extra Zeit gibt, dass er für ihn noch einmal erscheint. Das nenne ich Gnade!

Glauben heißt vertrauen

Thomas entscheidet sich, Jesus zu vertrauen. Ob er wirklich mit seinen Fingern die Wunden des Auferstandenen berührt, wird nicht beschrieben. Es ist nicht mehr wichtig. Wichtig ist die Entscheidung zu glauben, zu vertrauen.

Und an dieser Stelle sind auch wir gefragt: Wie können wir Menschen helfen, so zu glauben/ zu vertrauen, wie wir es tun? Was ist notwendig, um diesen Glauben zu ermöglichen? Das Evangelium gibt uns einen wichtigen Ansatzpunkt:

Glaube wächst, wenn er sichtbar ist

Glücklich sind diejenigen, die schon glauben können ohne viel zu sehen und zu verstehen. Aber für viele Menschen ist das nicht möglich. Und wir Christ*innen sollten das genau so ernst nehmen, wie Jesus es getan hat.
Hier liegt unser Auftrag, unsere Mission: den Glauben, die Gnade Gottes, die Liebe Gottes, so sichtbar zu machen, dass Menschen berührt werden, dass sie vertrauen können, dass sie glücklich werden.

Und dazu haucht Jesus den Jüngern den Geist ein:
Jesus sagte zu den Jüngern: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich jetzt euch!" Dann hauchte er sie an und sagte: "Empfangt den Heiligen Geist!" (Vers 21/22)

Mit dieser göttlichen Hilfe schickte Jesus seine Jünger wieder in ihr alltägliches Leben zurück. Und diese göttliche Geistkraft kann auch uns bestärken, unseren Glauben zu leben. 

Denn: wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann können sie dazu beitragen, die Welt zu verändern! Amen.

Zum Missionsfest wurde auf die Arbeit der Connexio hingewiesen und es wurden Spenden für die Mission gesammelt.

Für weitere Infos über das Frauennetzwerk und die Missionsprojekte:

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Im Anschluss folgte im Missionsgottesdienst noch ein Vortrag über persönliche Erfahrungen aus dem Bereich Mission.

Dazu erzählte Pastorin Dorothee Büürma aus eigenen Erfahrungen:

- Wie Menschen im Alltag ihren Glauben sichtbar gemacht haben.

- Wie John Wesley lernen musste, dass Mission nicht bedeutet Menschen zum richtigen Glauben zu bewegen (Konversion), sondern dass Mission zunächst bedeutet auf Menschen zuzugehen, ihre Situation kennenzulernen, ihre Lebensumstände und Sorgen zu verstehen.

- Wie sie in Südamerika gelernt hat, was Gastfreundschaft bedeutet und wie viel Gutes man auch mit wenig Geld tun kann.

- Wie das Leben im säkularen Großbritannien sie herausgefordert hat, sich über Mission Gedanken zu machen. Wie bewegt man Menschen zum Glauben, für die Gott und die Kirche einfach nicht relevant sind im Alltag? Was muss Kirche tun um Menschen zu begegnen, die nicht freiwillig in eine Kirche gehen würden?

- Wie sie nun in Salzburg besondere Begegnungen mit Menschen in der Altstadt hat, durch die Mitarbeit im "Offenen Himmel". Sie gab einige Beispiele von Aktionen wie dem FluchtKreuzWeg in Partnerschaft mit Menschenrechtsorganisationen.

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