Schwerpunkte methodistischer Theologie

Vier Überzeugungen, die uns besonders wichtig sind

Gnade

Dass mich jemand mag oder sogar liebt, ist ein Geschenk. Ein anderes Wort für dieses Geschenk ist Gnade. Gnade bedeutet, dass es jemand gut mit mir meint und mir liebevoll begegnet. Solche Zuwendung wünschen wir Menschen uns. Nicht immer erfahren wir sie von anderen Menschen. 

Da Zuwendung lebenswichtig ist, sind Menschen bereit, viel dafür zu tun. Doch Zuwendung, für die erst eine Leistung nötig ist, ist keine echte, freie und tief erfüllende Liebe.

Gottes Liebe gilt jedem Menschen bedingungslos. Diese Liebe zeigt sich in dem Leben, das Gott schenkt. Niemand muss oder kann sich selbst auf die Welt bringen – Gott macht den Anfang und wir sind von Anfang an Empfangende. Gottes Zuwendung gilt uns schon bevor wir etwas getan haben und Gottes Liebe gilt uns ein Leben lang.

Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, die Liebe Gottes anzunehmen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Im Kern geht es aber meistens darum: Um die unverdiente Zuwendung einer anderen Person annehmen zu können, muss ich mir schon sicher sein, dass diese Person es gut mit mir meint. Solange ich von Misstrauen geprägt bin, werde ich mich nicht aus vollem Herzen auf diese Beziehung einlassen können. Wenn mir jemand aber immer wieder so begegnet, dass ich Vertrauen fassen kann, wird sich die Beziehung vertiefen und das Vertrauen kann weiter wachsen. Wenn ein Mensch beginnt, Vertrauen zu Gott zu fassen, ist also auch das schon Gnade.

In einer guten Beziehung merke ich auch, wenn es Verhaltensweisen gibt, die der Beziehung schaden. Wenn mir die Beziehung wichtig ist, werde ich daran arbeiten, etwas zum Guten zu verändern. Dass mir das gelingt, ist ebenfalls Gnade.

Wir sind überzeugt: Gottes Gnade gilt jedem Menschen und bewirkt in Menschen, dass sie Vertrauen fassen und bereit werden, ihr Leben an Gottes Liebe auszurichten. 

Bekehrung und neues Leben

Gott ist an einer persönlichen Beziehung mit jedem Menschen interessiert. Das Beziehungsangebot ist da. Um mich auf die Beziehung einlassen zu können, kann es nötig sein, mein bisheriges Leben zu ändern. Gibt es zum Beispiel „Götter“ wie Geld oder Geltungsdrang, an denen ich mich bisher orientiert habe, ist ein Umdenken, eine Neuausrichtung gefragt. Ein anderes Wort für solch eine Hinwendung zu Gott ist Bekehrung.

Für manche Menschen ist solch eine Neuausrichtung ein großes und einschneidendes Erlebnis. Oft ist ihnen dieses Erlebnis besonders wichtig, wenn sie über ihren Glauben sprechen. Andere Menschen erleben Bekehrung eher als eine Entwicklung. Obwohl die Hinwendung von Menschen zu Gott also auf verschiedene Arten geschehen kann, gibt es doch Gemeinsamkeiten:

  • Wenn ein Mensch sich bekehrt, passiert eine Veränderung im Herzen. Etwas wirklich Neues beginnt im Menschen zu wachsen – in seinem Denken, Fühlen und Handeln. Die Liebe Gottes erfasst einen Menschen und der Mensch wird – ergriffen von dieser Liebe – fähig zur Liebe anderer Menschen, ja der ganzen Schöpfung. Dem Menschen wird während seines Lebens etwas geschenkt, das die Bibel Wiedergeburt oder neues Leben nennt.
  • Ob wir unsere Hinwendung zu Gott als einschneidendes Bekehrungserlebnis oder eher als Entwicklung erlebt haben: Auch in unserem neuen Leben, dem Leben im Glauben, wird es immer wieder nötig sein, sich bewusst für die Beziehung mit Gott zu entscheiden und dementsprechend zu handeln.

Wir sind überzeugt: Gott sucht eine liebevolle Beziehung zu jedem Menschen. Gott streckt uns freundschaftlich eine Hand entgegen und wartet auf eine Antwort.

Heiligung

Beziehungen sind nicht starr, sondern entwickeln sich. Eine Beziehung, die in gegenseitiger Zuneigung wurzelt, wird sich vertiefen, wachsen und reifen. Ein anderes Wort für dieses Wachstum eines Menschen in der Beziehung zu Gott ist Heiligung.

Heiligung ist nichts Abgehobenes, sondern sehr geerdet: Der Mensch erfährt Glück und Sinn durch die Gemeinschaft mit Gott: Also durch die Erfahrung, geliebt und angenommen zu sein und durch die eigene Hinwendung zu den Mitmenschen und der Welt. Heiligung betrifft daher niemals nur einen einzelnen Menschen, sondern verändert die Gesellschaft.

Ein typisches Merkmal der fortschreitenden Heiligung ist ein wachsender Hunger nach Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung. Menschen, die in der Liebe Gottes wachsen, wollen ein gutes Leben für alle Menschen. Sie leben ihr Leben so, dass es anderen Menschen, vor allem benachteiligten Menschen nützt.

Wir sind überzeugt: Gottes Liebe macht Menschen fähig, sich für das Gute in der Welt einzusetzen.

Glaube und gute Werke

Der Mensch kann sich Gottes Liebe nicht verdienen. Der Mensch muss sich Gottes Liebe nicht verdienen. Gottes Liebe zu erfahren und daher im Glauben – also im Vertrauen auf Gott – zu leben ist ein Geschenk.

Aus der eigenen Erfahrung von Gottes Liebe erwächst der Wunsch, diese Liebe zu erwidern. Jesus Christus macht uns klar, was es bedeutet, Gott von ganzem Herzen, mit dem ganzen Leben und mit all unseren Möglichkeiten zu lieben, nämlich: Gott, die Mitmenschen und sich selbst zu lieben (Markus 12,29-31).

Wir sind überzeugt: Menschen, die im Vertrauen auf Gott leben, tun voller Freude Gutes. Sie können das, weil Gott es ihnen geschenkt hat, sich selbst und andere Menschen liebevoll anzunehmen.

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