Worauf hoffen wir?

Faith Impulse

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Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Predigt aus dem ökumenischen Stadtgottesdienst in Salzburg in der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2026

Wir sind berufen zu einer Hoffnung.
Mit diesem Bibelwort über die Einheit laden uns die Christ*innen aus Armenian zum Nachdenken ein. 

Ich frage mich: Was ist denn unsere Hoffnung?
Worauf hoffen wir hier und heute?
Worauf hoffen wir in der Ökumene?
Worauf hoffen wir in Salzburg? In Österreich?
Worauf hoffen wir in unserer Welt?

Im Wort des Apostel Paulus wird die Hoffnung des Apostels und der frühen Christ*innen in der gemeinsamen Berufung durch Gott begründet:
"Ein Leib und ein Geist, wie auch ihr berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung." (Epheser 4,4)

Wir alle sind berufen zur Hoffnung

Die Hoffnung, in der wir alle verbunden sind, ist die Hoffnung, die uns in unserem christlichen Glauben verkündigt wird.

Da haben wir aus dem Johannesevangelium (Johannes 12,31-36) die Ermutigung Jesu an seine Mitmenschen gehört: 
„Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt. Sonst überwältigt euch die Finsternis!
Wer in der Finsternis umhergeht, weiß nicht, wohin der Weg führt.
Glaubt an das Licht, solange ihr es habt. 
Dann werdet ihr selbst zu Kindern des Lichts.“

Was ist denn Licht in der Finsternis heutzutage?
Was können wir denn konkret als Christ*innen für die Menschheit hoffen?

Unsere Welt ist im Krisenmodus

Wir leben in einer Welt, in der Menschen stark vernetzt sind, aber gleichzeitig auch vereinsamen. Es ist eine paradoxe Welt. Da gäbe es genug Reichtum und Nahrung, um alle Menschen zu versorgen. Aber die Ressourcen sind so ungleich verteilt, dass viele Menschen unter auch nur einem Mindeststandard irgendwie versuchen zu überleben, während wenige so reich sind, dass sie im extremen Überfluss leben können. 

Wir sehnen uns nach Frieden auf dieser Welt – und gleichzeitig brechen immer noch Kriege aus, weil sich Menschen in ihren Machtpositionen behaupten müssen.

Wir haben wissenschaftliche Möglichkeiten, von denen Generationen vor uns nur geträumt hätten. Wir wissen, was es braucht für ein gesundes Leben und für eine gesunde Erde. Aber die Klimakrise scheint trotz regelmäßiger Weltklimakonferenzen nicht wichtig genug zu sein, als dass die notwendigen Einschränkungen entschieden werden könnten.

Wir leben also in einer Welt, die scheint, als wäre sie in einem großen Ungleichgewicht. Diese Unsicherheit, die Bequemlichkeit, die Sorgen – all das sind Zeichen der Finsternis unserer Zeit.

Was ist denn da der Weg des Lichts für uns?
Was können wir als Christ*innen und als Kirchen der Ökumene tun für eine Welt, die dringend Hoffnung braucht?

Wir sind berufen zu EINER Hoffnung

Wir haben ein gemeinsames Zeugnis, das Menschen Mut schenken kann.

In der Lesung aus dem Buch des Propheten aus Jesaja 58,6-11 haben wir Eindrücke von dieser Hoffnung gehört: „Nimm dich des Hungrigen an und mach den Notleidenden satt. Dann strahlt im Dunkeln ein Licht für dich auf.“ (BasisBibel)
Das also ist der Weg des Lichts. Das Licht scheint auf, wenn wir uns um unsere Mitmenschen kümmern. Wenn wir die Not sehen und gemeinsam versuchen, sie zu lindern.
Wenn wir uns in unserem Umfeld, im Hier und Jetzt dafür einsetzen, dass Gerechtigkeit herrscht und die Ärmsten unter uns gut versorgt sind, dann, so verspricht es Jesaja, zieht unsere Gerechtigkeit vor uns her und die Herrlichkeit des Herrn folgt uns nach.

Eine Ökumene der Mitmenschlichkeit

Das Anliegen der ökumenischen Gesinnung kann nicht nur die Einheit sein. Die ökumenische Einheit an sich ist zwar eine romantische Vision für uns Christ*innen der unterschiedlichen Kirchen, aber ich glaube, Gott legt nicht den größten Wert darauf, dass die Kirchen in Ost und West sich ganz vereinen. Viel wichtiger ist es, dass Menschen sich vereinen und dass Mitmenschlichkeit wächst; dass Gerechtigkeit herrscht – auch in unserer Welt, in unserem Land, in unserer Stadt. 

Ein Beispiel: 
Gestern habe ich bei einer zufälligen Begegnung kurz mit Herbert Müller gesprochen, der die Notschlafstelle für Obdachlose in Salzburg organisiert. Er hat mir erzählt, dass er für den Samstag am Faschingswochenende bisher  keinen Kirchensaal gefunden hat, der Menschen in Not eine Unterkunft bieten kann.

Wäre es nicht ein starkes Zeichen, wenn sich die unterschiedlichen Kirchen der Ökumene so gut vernetzen, dass es für dieses Projekt immer genug Platz und genügend Helfer*innen gibt?

Eine Ökumene mit Zukunft

Ich träume von einer ökumenischen Zusammenarbeit in Salzburg, die nicht unsere Unterschiede hervorhebt, sondern die sich durch Projekte auszeichnet, an denen sich unsere Kirchen gemeinsam beteiligen, um für die Menschen am Rand unserer Gesellschaft das Licht Gottes ein bisschen heller werden zu lassen. 

Auch der „Offene Himmel“ (Infopoint Kirchen) ist ein Beispiel tätiger Ökumene in Salzburg. 
Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich einige der Ehrenamtlichen vom Offenen Himmel auf ihrer Reise nach Rom begleitet. Über das methodistische Ökumenebüro haben wir Karten für die Audienz des damaligen Papstes Franziskus beantragt. Ihn hat die Arbeit des Offenen Himmels sehr beeindruckt, weil wir nicht nur ökumenisch im Dialog sind, sondern gemeinsam Projekte durchführen und sichtbar tätig sind, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, die selten eine Kirche aufsuchen. 
So wurden wir in einer der vorderen Sesselreihen platziert und durften den Papst nach der Audienz persönlich grüßen. 

Ich bin mir sicher, dass es in dieser ökumenischen Verbundenheit auch weiterhin viel zu tun gibt in Salzburg.

Gott stärke uns durch den Geist der Einheit in der  Berufung zum Dienst an den Nächsten. Amen.

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