Was ist der Wille Gottes für die Schöpfung? Gedanken zur Schöp­fung­szeit mithilfe von Minecraft

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Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Predigt zu  2. Mose 16, 1-15 und 1. Korinther 12, 1, 4-7

Der Geist schenkt verschiedene Gaben

Nun komme ich zu der Frage nach den Gaben,

die der Geist Gottes schenkt.

Ich will euch darüber nicht in Unkenntnis lassen,

liebe Brüder und Schwestern.
Es gibt zwar verschiedene Gaben,

aber es ist immer derselbe Geist.

Es gibt verschiedene Aufgaben,

aber es ist immer derselbe Herr.

Es gibt verschiedene Kräfte,

aber es ist immer derselbe Gott.

Er bewirkt das alles in allen Menschen.

Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem

auf eine andere Weise.

Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

1. Korinther 12, 1, 4-7
BasisBibel

Liebe Predigt-Leser*innen,

In den soeben endenden Sommerferien habe ich nicht nur Urlaub gemacht, sondern auch viel Zeit in Projekte des Kinder- und Jugendwerks der EmK gesteckt. Seit 1,5 Jahren darf ich dieses Arbeitsfeld unserer Kirche in Österreich auch auf Leitungsebene mitgestalten und ich spüre immer wieder die Begeisterung, die in den jungen Menschen steckt.
Auf unserer Homepage sind schon Berichte von der diesjährigen Kinder- und Jugendwoche zu lesen.

Schöpfung erkunden im Wienerwald

Wir waren mit über 50 Personen während der Kinder- und Jugendwoche im Wienerwald und haben uns dort mit Gedanken über die Schöpfung beschäftigt. Ganz praktisch haben wir auch den Biosphärenpark Wienerwald kennengelernt. Wir haben gelernt, dass man nach einer langen Hitze- und Trockenperiode trotz Regen und Gewitter nicht gleich ein Lagerfeuer machen darf. Und die Hitze vom Sommer dieses Jahres hat den Wald ganz schön ausgetrocknet.

Wir waren genau in der Woche dort, in der sich Hitze und Regengüsse abgewechselt haben. Eine meiner liebsten Erinnerungen wird sicher das Spielen und Tanzen im Regen bleiben - die Kinder wurden nass bis auf die Haut.

Ein Mädchen hat sich einfach nur auf den Boden gelegt und die Erde umarmt im Regen. Das sind Momente, die für mich ganz tiefgründig von der Liebe zur Schöpfung sprechen.

Wir haben thematisch einiges über Wald, Wiese und Gewässer gelernt. Das Gelände, auf dem wir waren, gehört den Pfadfinder*innen Österreichs. Und dank ihrer Materialien konnten wir schnell neue Dinge kennenlernen.

Was auch geholfen hat, war ein australisches Känguru, das sich falsch orientiert hatte und versehentlich in Austria gelandet war. Es hat uns viele Fragen über unsere Wälder gestellt und wir durften auch einiges über australische Pflanzen und Tiere lernen.

So wurden ganz spielerisch tiefgründige Fragen zum Leben auf unserer Erde und zum Glauben an einen Gott, der es gut meint mit uns und der Welt erkundet.

Wir haben übrigens großteils pflanzlich gegessen in der Woche und ich kann mit Überzeugung sagen, dass niemand hungern musste. 
Mit etwas Planung und viel Liebe ist es gar nicht so schwierig, rücksichtsvoll zu leben!

Ein Leben, das allen nutzt

Im 1. Korintherbrief schreibt Paulus: Das Wirken des Geistes zeigt sich bei jedem*jeder auf eine andere Weise. Es geht aber immer um den Nutzen für alle.

In der Kinder- und Jugendwoche durften wir erleben, wie sich Menschen aufeinander eingelassen haben, weil sie spüren konnten, dass alle davon einen Nutzen hatten.

Manchmal ist das allen leichtgefallen, manchmal hatten einzelne auch kleinere Krisenmomente. Immer aber konnte die liebevolle Gemeinschaft auch die schwierigen Erfahrungen auffangen und Frieden bringen.

Wenn Menschen aufeinander Rücksicht nehmen, dann spüren wir die Liebe und den Frieden Gottes unter uns.

Schöpfung erkunden - mit Minecraft

Ein zweites Projekt habe ich diesen Sommer aktiver verfolgt: 

Das beliebteste Computerspiel der Welt zur Zeit heißt Minecraft. Es ist ein Spiel, in dem das Leben simuliert wird und man in unterschiedlichen Lebenswelten spielen und leben kann. Im Kreativ-Modus sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Man kann unbegrenzt schaffen, bauen und erkunden. 

Das Ziel dieses Kreativ-Spiels ist es, Rohstoffe in der Welt zu entdecken und abzubauen, um daraus Dinge zu erschaffen. Man beginnt also zunächst damit, sich einfache Werkzeuge herzustellen, und kann dann nach und nach immer fortschrittlichere Dinge entwickeln. Häuser werden gebaut, Felder werden angepflanzt und die Welt wird mitgestaltet im Spiel.

Es gibt aber auch noch einen Überlebensmodus. Der ist etwas realistischer an die Bedingungen des Lebens unserer Welt angepasst. Plötzlich gibt es den Wechsel von Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit, Hunger und lauernde Gefahren. Man muss in diesem Modus klug sein, Vorräte anlegen und mit anderen zusammenarbeiten, damit das Überleben gut gelingt. 

Was hat dieses Spiel mit dem Glauben zu tun?

Im Spiel Minecraft treffen sich viele Menschen, auch Kinder und Jugendliche, um miteinander zu spielen. Das geht online auf Servern, denen man beitreten kann. 
Nun gibt es seit einiger Zeit einen Server der Bibelgesellschaft in Berlin. Auf diesem Server kann man sich treffen um im Computerspiel miteinander von Gott zu hören und den Glauben zu leben. Es ist also ein christliches Angebot für alle, die sich gern auf diesen Videospielplattformen bewegen.

Ein Schweizer Pfarrer bietet seit einem Jahr virtuelle Andachten im Spiel Minecraft auf dem Server der Bibelgesellschaft an. Und seit letzter Woche bin auch ich Teil vom Andachtsteam und leite diese digitalen Gottesdienste mit. Es ist eine ganz neue Erfahrung für mich, aber ich sehe, dass junge Menschen aus ganz verschiedenen Orten relativ leicht im Spiel zusammenkommen können. Sie beten miteinander und hören biblische Geschichten. Und da es im Spiel um das Bauen und Bewahren der virtuellen Welt geht, kommen Schöpfungsthemen und die Klimakrise natürlich stark vor. 

Vorgestern haben wir uns gefragt, was es bedeutet, wenn "Gottes Wille geschehe - wie im Himmel so auf Erden“. Was wäre denn Gottes Wille für unsere Erde? Und kann man Spuren des Himmels auf der Erde finden?

Wir haben natürlich zunächst mal spielerisch die Minecraft-Welt erkundet und nach solchen Spuren gesucht. Und uns dann aber gefragt: Welche Himmelsspuren sehnen sich die jungen Menschen herbei für das echte Leben in der Welt?

Da fiel mir gleich die Geschichte von Mose und Aaron und dem Volk Gottes aus dem 2. Buch Mose ein. In der größten Not vom Volk Gottes, als sie alle schon komplett verzweifelt waren (wie übrigens immer wieder in der Geschichte dieses Volkes), da schenkte Gott ihnen Manna und Wachteln - Fleisch und Brot, das sie vom Hungern bewahrte und das sie stärkte für den Weg, der vor ihnen lag.
Diese Gaben, die am Abend und am Morgen das Land bedeckten waren Spuren des Himmels, Zeichen der Treue Gottes für das Volk um Mose und Aaron.

Was ist denn Gottes Wille?

Wenn wir uns fragen, was Gottes Wille für uns und unsere Welt ist, dann sehe ich an dieser Geschichte eindeutig: Gott will, dass wir genug zum Leben haben. Gott will nicht, dass wir uns sorgen müssen oder hungern müssen.

Gott will aber auch nicht, dass wir über die Maßen leben oder diese Geschenke des Himmels für uns selbst horten und anhäufen. Das zeigt die Fortsetzung der Geschichte: Wer mehr Manna sammelte, als für den Tag nötig war, dessen Mannavorräte wurden schlecht. Es war ja auch gar nicht nötig, gierig zu werden und mehr auf sich selbst als auf die anderen zu schauen.
Gottes Wille war eindeutig, dass alle genug zum leben haben sollten. 

„Es geht aber immer um den Nutzen für alle“, erinnert uns auch Paulus.

Die ökumenische Schöpfungszeit hat begonnen

Und an dieser Stelle lädt uns die Schöpfungszeit Anfang September dazu ein, dass wir uns bewusst machen, dass wir in unserem Land und an unserem begrenzten Wirkungsort nicht das Zentrum der Welt sind. Kein Mensch ist es. Kein Land ist wichtiger als ein anderes.
Wenn ein Erdteil leidet, dann hat das Auswirkungen auf alle anderen. 
Wenn Menschen in reichen Ländern die Erde ausbeuten oder so über die Maßen leben, dass das Klima geschädigt wird, dann spüren alle die Folgen - sowohl die Menschen als auch die Tiere und Pflanzen und das ganze Ökosystem.
Die Welt ist kein Rohstoff, den es zu plündern gilt. Und wenn dieser Planet nicht mehr lebensfähig ist, brauchen wir auch keinen anderen Planeten lebensfähig zu machen, nur um ihn dann ebenfalls auszubeuten.

Noch absurder ist der Gedanke mancher fundamentalistischer Menschen, die glauben, je schneller der Planet ausgerottet wird, umso schneller käme Gottes Reich aus dem Jenseits herbei.

Gottes Wille ist, dass wir gut auf der Erde leben

Die Geschichte vom Volk Gottes in der Wüste oder die Geschichten von Jesus im Neuen Testament zeigen den Willen Gottes ganz deutlich: Gott will, dass wir gut auf dieser Erde leben. Sie ist Gottes Geschenk an uns und wir sollten es schützen und in Ehren halten.

„Es geht aber immer um den Nutzen für alle“ - mit den Worten von Paulus im Blick können wir immer wieder evaluieren, wie ein Leben im Sinne Gottes gestaltet werden kann.

Und aus den Erfahrungen der Kinderwoche oder auch der Minecraft-Andachten möchte ich noch hinzufügen: schon die Jüngsten unter uns Menschen spüren, wie wichtig ein Zusammenhalt ist - auch wenn wir uns nicht so gut kennen oder leiden können. Wir sind alle Gottes Kinder.

Diesen Blick schenke Gott uns allen immer wieder. Amen.

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