Keine Oster-Hoffnung ohne die Frauen!
Faith Impulse

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Auferstehung? Kann das wirklich sein?
In der Ökumenischen Osternachtsfeier 2026 in Maria Plain hat die Dichterin (Slam Poetin, wie man das auf modern nennt) Helene Ziegler versucht, ihre Gedanken und auch Fragen über die Auferstehung in Worte zu fassen. Einige ihrer großen Fragen waren:
Wenn die Auferstehung Christi vor 2000 Jahren schon passiert ist, wieso ändert sich so wenig an dem Leid in unserer Welt? Wieso gibt es immer noch Kriege und Konflikte? Ist die Welt überhaupt noch zu retten?
Das Wetter in der Nacht bei der Feier war düster und trüb; und manchmal denke ich mir, die Welt ist ebenso düster und trüb.
Doch genau das ist die Ausgangslage der Osterbotschaft.
Finsternis und Licht
Dieses Jahr ist in unserer Leseordnung die Auferstehungsgeschichte vom Evangelisten Matthäus vorgeschlagen.
Sie hat einige Besonderheiten, die es sich immer wieder lohnt neu zu entdecken.
Finster ist es in der Erzählung vom Tod Jesu, laut Matthäus.
Finsternis breitete sich aus - ab dem Zeitpunkt der Kreuzigung und bis Jesus starb.
Direkt nach seinem Tod gab es ein Erdbeben - und der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste abtrennte, der also zwischen den Menschen und ihrem Gott stand, dieser Vorhang zerriss.
Die Geschichte von Gott und den Menschen änderte sich mit dem Tod Jesu schlagartig.
Nicht Jesus war der erste Auferstandene bei Matthäus, sondern viele Gräber öffneten sich und verstorbene Glaubende wurden zum Leben erweckt. Sie gingen in die Stadt - und wurden gesehen! So beginnt bei Matthäus die Erzählung der Auferstehung.
Wer sie sah, wer am Kreuz bis zuletzt dabei war, das waren die römischen Soldaten und die Frauen. Sie alle erkannten, dass Jesu Tod ein gewaltiges Ereignis war. Sie sahen, dass Gott außergewöhnliche Dinge tat.
Jesus wurde in das Grab von Josef von Arimatäa gelegt. Josef war ein wohlhabender Mensch und ein weiterer Jünger Jesu. Das Grab wurde von Soldaten bewacht - und wieder waren auch zwei Frauen dabei: Maria aus Magdala und die andere Maria. Sie blieben treu bei Jesus - durch seinen Tod hindurch.
Abgesehen von Josef werden die anderen Jünger Jesu hier nicht erwähnt. Sie waren also deutlich abwesend beim Tod Jesu und danach.
Die Frauen: Zeuginnen des leeren Grabes
Die beiden Marias jedoch konnten sich nicht trennen von Jesus. Auch in ihrer Trauer wollten sie bei ihm bleiben.
Nach dem Sabbath, den sie zu Hause verbracht haben mussten, brachen sie auf, so früh es ihnen möglich war, und wollten nach dem Grab sehen. Vielleicht wollten sie noch einmal trauern, vielleicht die Gegenwart des geliebten Verstorbenen noch einmal an seiner letzten Ruhestätte spüren.
Und dann kam alles anders als erwartet.
Wieder gab es ein Erdbeben - so wie schon nach Jesu Tod. Es geschah noch etwas Gewaltiges! Ein Engel erschien, weiß wie Schnee und leuchtend wie ein Blitz. Er war also deutlich zu erkennen inmitten der Finsternis. Den Stein vor dem Grabeingang rollte er zur Seite.
Die Soldaten erstarrten und fielen wie tot um.
Und wie so oft, wenn Engel in biblischen Geschichten Menschen begegnen, waren auch die Frauen mit Angst erfüllt, aber gleichzeitig auch mit Freude und Hoffnung.
Bei Matthäus erscheint Licht als Zeichen vom Wirken Gottes. So war es schon zu Beginn des Evangeliums, als der Stern die weisen Astrologen zu Jesus, Maria und Josef führte. Der Stern leuchtete am Geburtsort des göttlichen Königskindes und das Licht des Engels leuchtete am leeren Grab. Geburt und Auferstehung, Leben und neues Leben - sie werden vom Licht Gottes begleitet.
Und zwei Frauen waren die ersten, die die Auferstehung Jesu erlebten. Sie wurden als Botinnen zu den Jüngern geschickt, um diese gute Nachricht weiterzuerzählen.
Frauen - die so oft von unserer kirchlichen Geschichte an den Rand gedrängt wurden - sie waren die Zeuginnen der Auferstehung! Sie waren es, die den christlichen Glauben als erste verbreiteten. Diese Botschaft lohnt es sich auch heute noch ganz laut zu verkünden - vor allem in einer Zeit, in der auf den nicht ganz sozialen Medien frauenfeindliche Einstellungen vermehrt verbreitet werden, auch in Europa.
Die Männer hatten sich versteckt oder waren umgefallen - und zwei Frauen waren der Grund, warum sich die Botschaft der Auferstehung verbreitete!
Gott sei Dank, für den Mut dieser beiden Frauen!!
Jesu Leidenschaft für uns Menschen
Noch während sich die Frauen auf den Rückweg machten, um den Jüngern davon zu erzählen, erschien ihnen der Auferstandene selbst. Und gab ihnen einen Auftrag: geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.
Galiläa - die Gegend, in der die Jünger mit Jesus so oft unterwegs gewesen waren. Die Gegend, in der sie seine Wunder erlebt hatten, seine Leidenschaft für die Menschen spüren konnten.
Galiläa - der Auftrag ist deutlich: Jesus lud die Jünger ein, seine Leidenschaft für die Menschen weiterhin zu zeigen.
Der Auferstandene lebt - und seine Leidenschaft lebt weiter, auch in unserer Welt.
Das ist die Hoffnung von Ostern! Jesus lebt - und sein ewiges Leben berührt auch unser Leben hier und heute.
Inmitten der großen Fragen unserer Zeit - inmitten von Krisen und Kriegen und Leid - kann Auferstehung erlebt werden.
Besuch bei San Egidio in Rom
Ich möchte euch ein Beispiel aus unserer heutigen Welt erzählen:
Als ich voriges Wochenende in Rom war, habe ich spannende Menschen getroffen und sehr bewegende Geschichten gehört.
Unter anderem haben wir die Gemeinschaft San Egidio besucht. In dieser Gemeinschaft sind Christ*innen unterschiedlicher Konfessionen, die sich für eine friedvolle Welt einsetzen. Sie beten regelmäßig und beteiligen sich ehrenamtlich regelmäßig an verschiedenen Aktionen, die benachteiligten Menschen etwas Gutes tun - vor allem in Krisengebieten. Die Mitglieder von San Egidio sind teils Geistliche, großteils aber ganz unterschiedliche Menschen, die ganz alltägliche Berufe ausüben und in ganz typischen Umständen leben.
Was sie verbindet, ist das gemeinsame Engagement für Frieden und der gemeinsame christliche Glaube.
Eine Frau, die sich in Rom dieser Gemeinschaft angeschlossen hat, hat uns über ihre Erfahrungen mit einem Projekt erzählt, das in verschiedenen Ländern in Afrika Menschen mit HIV-Erkrankung unterstützt.
Durch den Einsatz von San Egidio wurden HIV-positive Menschen behandelt, die sich sonst schon auf dem Weg des Todes gesehen hatten. Vor allem Frauen mit der Infektion wurden zuvor großteils ignoriert und ohne Aussicht auf Heilung dem Sterben überlassen.
Durch die Vernetzung der San Egidio Mitglieder konnte inzwischen schon 500.000 Menschen geholfen werden. Sie wurden ärztlich behandelt und gelten als geheilt und nicht mehr ansteckend. Inzwischen konnten 150.000 Kinder von erkrankten Müttern zur Welt gebracht werden, die selbst nicht angesteckt wurden.
Für die Menschen, die dieses medizinische Wunder erleben durften, ist das wie eine Auferstehung vom Tod. Sie fühlten sich und ihre Kinder dem Tod ausgeliefert - und können nun wieder leben.
Auferstehung schafft neues Leben
Der Einsatz für die Mitmenschen kann Leben verändern. Auch in unserer Welt.
Das Reich Gottes breitet sich in unserer Welt aus - es strahlt ganz hell.
Es liegt an uns, dieses Licht zu erkennen und zu sehen und uns nicht nur an die Schreckensnachrichten der Finsternis zu klammern.
Inmitten der Finsternis strahlt die Auferstehung.
Gottes Licht scheint in unserer Welt - und der Tod hat es nicht ausgelöscht! Auferstehung passiert, auch hier und heute!
Und die Auferstehung kann unser Leben verändern - immer wieder. Das ist die Freude von Ostern! Halleluja!

In der Nacht zum Ostersonntag fand auch heuer die Osterfeier der Salzburger Ökumene in Maria Plain statt. Es war eine Feier der ganz besonderen Art!
weiterlesen
Pastorin, Kinder- & Jugendwerk
Glaubensimpulse