Alle in einem Boot?

Faith Impulse

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Dorothee Büürma

Pastorin, Erwachsenenbildung


Eine Kurz-Predigt zu Markus 4, 35-41 und 2. Korinther 6, 1-13 aus dem Gottesdienst der EmK Salzburg
Wolfgangsee

Jesus & der Sturm

Die Geschichte von der Stillung des Sturms durch Jesus ist uns allen, denke ich, nicht unbekannt.

Wind, Wellen, Wasserkraft - auch heutzutage können sie Stürme auslösen, die wir Menschen nicht bändigen können. Wenn diese Elemente mit aller Wucht zusammenkommen, dann sind auch wir ihnen ziemlich hilflos ausgeliefert.

Es gibt einige Stürme, die ich aus meinem eigenen Leben immer noch in Erinnerung habe. Glücklicherweise war ich dabei nicht auf See. Stürme sind bedrohlich, sie prägen sich ein.

Umso überraschender ist die Situation im Boot der Jünger: da schläft doch tatsächlich Jesus während eines schweren Sturmes ganz seelenruhig! 
Ich persönlich verstehe die Unruhe der Jünger und ihre Furcht. Der Friede Christi, der tatsächlich die menschliche Vernunft ab und zu übersteigt, der fasziniert mich. Jesu Gelassenheit beruhigt sowohl den Sturm als auch die ängstlichen Jünger.

Stürme in unserer Welt

Wie ist das denn mit den Stürmen in unserem Leben?
Wie begegnen wir ihnen und was gibt uns Kraft, Mut, Gelassenheit oder Hoffnung?

Je länger die Pandemie andauert, umso mehr erscheinen Konflikte und Krisensituationen im Leben und in der Welt auf. Stürme, die sich vielleicht schon länger zusammenbrauten, sind plötzlich ausgebrochen. 
Sowohl im privaten Leben als auch in unserer Gesellschaft und in der Welt treten Probleme auf, die sich zerstörerisch und stürmisch auf unser Leben auswirken können. 

Unsere Entscheidungen im Leben und unser menschliches Verhalten haben Konsequenzen. Oft treten diese nicht langsam in Erscheinung, sondern es brodelt Vieles unter der Oberfläche und bricht schließlich wie ein großer Sturm aus, der unser Leben oder unsere Welt dann ganz plötzlich aus dem Ruder bringt. 

Der Klimawandel und die damit einhergehenden Folgen für die Menschheit wird uns zwar immer wieder vor Augen geführt - doch ich frage mich, wie viele Stürme, und Fluten einerseits und wie viel Dürre, Brachheit und Hungersnot andererseits noch kommen werden bevor die Weltpolitik den Mut zu drastischeren und nachhaltigen Lösungen findet.

Ich frage mich am heutigen Weltflüchtlingstag und im 70. Jahr seit der Genfer Flüchtlingskonvention auch, wie viele Menschen noch ihr Leben riskieren oder verlieren müssen, bevor die Regierungen in Europa, den USA und weltweit Menschen in Würde aufnehmen und ihnen ein Leben ermöglichen, das allen Menschen gleichermaßen zusteht - egal in welchem Land sie geboren wurden! Ich frage mich ganz konkret mit den Unterstützer*innen von „Österreich hat Platz“, „Salzburg hat Platz“ und der „Plattform für Menschenrechte“, wie viele Menschen ihr Leben noch verlieren müssen, bevor die Regierung unseres Landes Abschiebungen in Länder wie Afghanistan stoppt und Geflohene aus Notlagern wie Kara Tepe 2 befreit. 
Stürme brauen sich an vielen Stellen zusammen. Das ist offensichtlich. 

Stürme & Paulus

Der Apostel Paulus, aus dessen Brief an die Korinther wir in der Lesung einige Verse gehört haben, kennt die Erfahrungen von Sturm, Leiden und Not. Er musste viel aushalten in seinem Dienst als Nachfolger Jesu: Verfolgung, Hunger, Schmerzen, Krankheit, ja sogar Gefängnisaufenthalte, Seenot und Schiffbrüche hatte er erlitten. Grund genug, in Mutlosigkeit, Ärger oder Furcht zu verfallen. 

Doch Paulus sah in all diesen Herausforderungen stets Grund zur Hoffnung. Wenn seine eigene Kraft am Ende war, konnte er Gottes Kraft im Leben spüren. Wenn er doch eigentlich arm war, so konnte er Menschen reich beschenken durch seinen Glauben.

Im Glauben des Paulus und nach dem Vorbild Jesu auf dem Boot sehe ich auch unseren Auftrag als Gemeinde von Christ*innen in den Stürmen unserer Zeit.

Immer wieder werden auch wir im Leben aus unserem Alltag herausgerissen. Immer wieder wird sich auch unser Gemeindeleben verändern. Immer wieder werden auch wir uns am Boot festklammern und um Jesu Hilfe bitten. Immer wieder in solchen Stürmen vielleicht Einiges an Ladung über Bord geworfen und immer wieder wird sich auch unsere Fahrtrichtung ändern.

Stürme & wir

Als Gemeinde erleben wir die Bootsfahrt hier in Salzburg seit unserem Kirchen-Umzug nach Aigen und der Pandemie immer wieder mit stürmischen Böen. 

Unser Fahrtgewässer ist ein neues: wo wir jahrzehntelang in Riedenburg unterwegs waren und dort sicher durch die Bucht fahren konnten, sind wir nun in uns noch unbekannten Gewässern gelandet, die uns durchaus immer wieder überraschen.

Unsere Ladung ist teilweise nicht mehr bei uns: Aktivitäten aus unserem Gemeindeleben, die uns lange beschäftigt haben und wichtig waren, sind hier plötzlich nicht mehr möglich. Menschen, die uns wichtige Gefährt*innen auf der Reise waren, sind nicht mehr mit uns unterwegs. Und unsere die Kapitänsmütze wird nun von Dorothee getragen, nicht mehr von Lothar, Esther oder Markus, die unsere Gemeinde und den Kurs jeweils auf ihre Weise geprägt haben.

Unsere eigene Verfassung hat unter den erschwerten Reisebedingungen gelitten - nicht zuletzt die Einschränkungen während der Pandemie bislang haben ihre Spuren im Glauben und im Leben unserer Gemeindeglieder und Gottesdienstbesucher*innen hinterlassen.

Und doch sind wir noch immer unterwegs. 

Ich frage daher: wie wollen wir die Weiterfahrt gestalten?
Sind wir noch voller Furcht wie die Jünger und ist Jesus auch in unserem Boot noch am Schlafen?
Oder haben wir ihm unsere Sorgen schon anvertraut und ist Jesus schon dabei, Wind und Wellen auch für uns zu besänftigen? 
Und wenn der Sturm dann nachlässt, wie gehen wir mit den Gewässern um, in denen wir auf dem Boot unterwegs sind? 

Auch wir hören die Frage Jesu: Wovor fürchtet ihr euch so sehr? Habt ihr kein Vertrauen?

Ein letztes Mal lade ich euch ein, dem Beispiel von Paulus zu folgen, der mitten im Sturm und kurz vor seinem Schiffbruch mit der gesamten ängstlichen Besatzung des Schiffes ein Festmahl einnahm. Sie brachen Brot miteinander und dankten Gott. Durch diese letzte Mahlzeit, mit der sie alle Vorräte aufbrauchten, und im Vertrauen auf Gottes Geleit konnte Paulus seinen Mitfahrenden Hoffnung und Stärkung geben.

Und trotz des folgenden Schiffbruchs konnten alle sich auf die Insel Malta retten, wo sie versorgt wurden.

Auch unsere Gemeinde musste das sichere, lieb-gewonnene Schiff zurücklassen. Noch immer gibt es Dinge, die wir vermissen und denen wir nachtrauern. Noch immer ist vieles unsicher.

Die Ruhe nach dem Sturm

Doch auch wir haben einen Hafen gefunden, in dem wir freundlich aufgenommen worden sind. Auch wenn sich der Sturm vielleicht erst am Legen ist, ist die Hoffnung auf Jesu Frieden nun schon am Horizont.
Darauf dürfen wir vertrauen. 
In dem Glauben wird unsere Weiterfahrt gut gelingen.
Möge sie in Gottes Hand liegen! Amen.

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