Zwischen Vielfalt und ge­mein­samer Zukunft

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Europäische Kirchenvorstände der EmK beraten in Reutlingen über Zusammenarbeit, Vielfalt und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft.
Europäische Kirchenvorstände der EmK beraten in Reutlingen.

»Wir haben entdeckt, was uns verbindet – und wo wir unterschiedlich sind«, hieß es aus dem Kreis der Teilnehmenden. Mit diesen Worten lässt sich das Treffen der europäischen Kirchenvorstände der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) vom 12. bis 14. März 2026 zusammenfassen. Erstmals kamen alle geschäftsführenden Ausschüsse der drei europäischen Regionalkonferenzen zu einem gemeinsamen Treffen zusammen – in der Theologischen Hochschule Reutlingen.

Mehr als 50 Verantwortliche aus ganz Europa nahmen teil – aus Ländern, die sich von Skandinavien über Deutschland und Osteuropa bis in den Mittelmeerraum erstrecken. Die Regionalkonferenzen umfassen unter anderem Staaten wie Norwegen, Finnland und die Ukraine ebenso wie Deutschland, die Schweiz, Ungarn oder Albanien.

Auftakt mit geistlicher Perspektive

Der erste Konferenztag begann mit einem Abendmahlsgottesdienst. In ihrer Predigt stellte Erika Stalcup, Pastorin im schweizerischen Lausanne, eine grundlegende Perspektive in den Mittelpunkt: »Was wir geben können, haben wir zuvor empfangen – von Gott und aus seiner Gnade.« Damit setzte sie einen Ton, der die weiteren Gespräche prägte.

Am selben Tag ordnete Bischof i. R. Patrick Streiff die aktuelle Situation historisch ein. In einem Überblick zeichnete er die Entwicklung des Methodismus auf dem europäischen Festland nach – von den Anfängen im 19. Jahrhundert über die Zeit der Zentralkonferenzen bis hin zu den heutigen Regionalkonferenzen. Die gegenwärtigen Fragen wurden so in einen größeren Zusammenhang gestellt

Hören auf die leise Stimme Gottes

Der folgende Tag begann mit einer Morgenandacht von Werner Philipp, dem Bischof für die Region Deutschland. Ausgehend von der Geschichte des Propheten Elia erinnerte er daran, dass Gott nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer erscheint. »Gottes Stimme ist leise – und doch richtungsweisend«, betonte er. Für viele wurde das zu einem Schlüsselgedanken für die weiteren Beratungen – weil er die Wichtigkeit des Hörens auf Gott unterstrich.

Am darauffolgenden Morgen setzte ein weiterer geistlicher Impuls einen besonderen Akzent. Pastorin Yulia Starodubets, Ukraine, gestaltete die Andacht und berichtete eindrücklich von ihren Erfahrungen im Krieg. Sie schilderte die Belastungen des Alltags – Angst, Unsicherheit und Erschöpfung – und zugleich, wie Menschen im Glauben Trost und Halt finden, auch solche, die zuvor keinen Bezug zum christlichen Glauben hatten. Im Zentrum stand das biblische Wort aus dem Jeremiabuch Kapitel  29, Vers 11: Gottes Zusage von »Zukunft und Hoffnung«. Inmitten der aktuellen Situation wurde diese Zusage für viele zu einem tragenden Gedanken – und zu einem Zeichen der Hoffnung über Ländergrenzen hinweg.

Einblicke in die Regionen Europas

Im weiteren Verlauf der Tagung stellten Vertreter der drei Regionalkonferenzen ihre jeweilige Situation vor. Die Situation in Deutschland wurde von Bischof Werner Philipp gemeinsam mit Michael Löffler dargestellt. Neben einem historischen Rückblick stand die aktuelle Entwicklung im Mittelpunkt. In Deutschland bewege sich die EmK in einem Umfeld, das zunehmend von Säkularisierung und einem spürbaren Bedeutungsverlust des institutionalisierten christlichen Glaubens geprägt ist. Gleichzeitig veränderten sich viele Gemeinden durch Migration und internationale Vielfalt. Neue Formen von Gemeinschaft entstünden, während vertraute Strukturen unter Druck gerieten. Beides gehöre zur aktuellen Realität der Region und fordere dazu heraus, den Auftrag unter veränderten Bedingungen neu zu bedenken.

Für Nordeuropa, das Baltikum und die Ukraine berichtete Bischof Knut Refsdal. Er beschrieb eine Region im Spannungsfeld zwischen stark säkularisierten Gesellschaften und einer neuen Suche nach geistlicher Orientierung. »Wir spüren eine große Sehnsucht nach neuer Vitalität und Hoffnung«, sagte er. Zugleich machte er deutlich, wie wichtig die Gemeinden in der Ukraine geworden seien: als Orte der Hilfe, der Begleitung und der Hoffnung mitten im Krieg.

Urs Schweizer, Assistent von Bischof Stefan Zürcher in Zürich, stellte die Region Mittel- und Südeuropa vor. Er machte die große geografische und kulturelle Vielfalt der Region deutlich, die sich über zwei Kontinente und 13 Länder erstreckt. Die Gemeinden lebten in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen – immer als kleine Minderheit. Auch in dieser Region zeige sich diese Entwicklung: Die Kirche ist gesellschaftlich weniger selbstverständlich verankert als früher. Umso stärker werde das gemeinsame Anliegen betont, als »Botschafterinnen und Botschafter der Hoffnung« in den jeweiligen Situationen präsent zu sein.

Vielfalt als gemeinsame Erfahrung

Die Vielfalt Europas zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche. Sie zeige sich in unterschiedlichen kulturellen, politischen und religiösen Zusammenhängen. Gleichzeitig wurde deutlich: Gerade diese Vielfalt eröffne neue Perspektiven und ermögliche es, voneinander zu lernen.

Beobachtungen der Gäste

Auch Beobachter nahmen das so wahr. Pastor Kah-Jin Jeffrey Kuan, evangelisch-methodistischer Theologe und früherer Präsident der Claremont School of Theology in den USA, der heute in internationalen Leitungs- und Beratungsaufgaben der EmK tätig ist, zeigte sich beeindruckt von der europäischen Situation. Die Vielfalt innerhalb der Regionen sei deutlich sichtbar – und zugleich eine Chance für die gemeinsame Aufgabe der Kirche.

Vertreter des Europäischen Rates methodistischer Kirchen, die als Gäste an der Tagung teilnahmen, brachten diese Perspektive aus ihrer Sicht ein. Heather Morris, Generalsekretärin der Methodistischen Kirche in Irland, und Doug Godfrey-Swanney, Methodistische Kirche in Großbritannien, beschrieben, dass sie sich nicht als Beobachtende, sondern als Teil der Gemeinschaft erlebt hätten. Die Einladung, die ausdrücklich betonte, dass die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) nicht die einzige methodistische Kirche in Europa sei, werteten sie als mutiges Zeichen.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Neben den Berichten ging es vor allem um die Frage, wie die Zusammenarbeit der drei evangelisch-methodistischen Regionen in Europa konkret wachsen könne. In Arbeitsgruppen und offenen Austauschformaten wurden Erfahrungen weitergegeben und Ideen gesammelt. Dabei wurde deutlich: Was auf dieser Tagung als Gemeinschaft im Glauben erlebt wurde, soll nicht auf der Leitungsebene bleiben. Es gibt den Wunsch, diese Erfahrungen stärker in die Gemeinden hineinzutragen. So wurden unter anderem Partnerschaften zwischen Gemeinden über Ländergrenzen hinweg ins Gespräch gebracht. Sie könnten helfen, einander kennenzulernen, Erfahrungen weiterzugeben und gemeinsam neue Wege zu gehen.

Ein konkretes Ergebnis des Treffens ist die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die Vorschläge für die zukünftige Zusammenarbeit der Regionen in Europa erarbeiten soll. Beteiligt sind die Bischöfe sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus den drei Regionalkonferenzen. Ein nächstes gemeinsames Treffen ist bereits für 2027 vorgesehen.

Ein gemeinsamer Weg beginnt

Am Ende stand ein klares Fazit: Das Treffen hat geholfen, Vertrauen aufzubauen, Unterschiede besser zu verstehen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Oder, wie Jeffrey Kuan es formulierte: Die Gemeinsamkeiten seien stärker als das, was trenne.

Das Treffen in Reutlingen markiert damit keinen Abschluss, sondern einen Anfang. Die Herausforderungen bleiben – in den einzelnen Ländern ebenso wie für den europäischen Teil der EmK insgesamt. Zugleich ist spürbar: Es wächst der Wille, den Weg gemeinsam weiterzugehen – und dabei auch ganz bewusst mit den anderen methodistischen Kirchen in Europa im vertrauensvollen Gespräch zu bleiben.

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