Salz und Licht

Faith Impulse

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Esther Handschin

Pastorin, Erwachsenenbildung


Predigt zu Matthäus 5,13-16

Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium stammt aus der sogenannten Bergpredigt. Das ist die erste von fünf großen Reden, in der Jesus im Matthäusevangelium zu den Menschen und zu den Jüngern spricht. Sie beginnt allerdings nicht mit den Worten vom Salz und vom Licht, sondern mit den Seligpreisungen. Das sind Worte der Ermutigung und des Zuspruchs. Sie gelten all den Menschen, die mit Defiziten in ihrem Leben fertig werden müssen. Ermutigen sollen auch die Worte vom Salz und vom Licht: „Ihr seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt.“ Schon nur wenig davon kann die Umgebung nachhaltig verändern.

Das Salz im Kuchen

Was das bedeutet, habe ich als Kind beim Backen erfahren. Oft hatte ich meiner Mutter dabei zugesehen und mitgeholfen, wie sie das Familienrezept des Schoko-Nuss-Kuchens gemacht hat. Dann wollte ich es selbst probieren. Das Rezept hatte ich vor mir liegen. Dazu noch die Erfahrungen und Erinnerungen, die ich selbst gemacht hatte. Das hätte reichen müssen. Margarine schaumig rühren, Eier und Zucker dazu, dann die Haselnüsse, Mehl, Milch und Backpulver einrühren.

Es ging alles so flott, dass ich nicht mehr auf das Rezept geschaut habe und zwei Prisen Salz dazugab. Das war eine Prise zu viel. Üblicherweise machte meine Mutter immer gleich zwei Kuchen, um die Wärme des Backofens zu nützen. Und bei unserer großen Familie waren auch zwei Kuchen schnell gegessen. So hatte ich die zwei Prisen Salz in Erinnerung. Ich aber machte das Rezept nur in einfacher Ausführung. Da stand ich dann vor der Frage: Wie kommt das Salz wieder aus dem Kuchenteig heraus? Wenn einmal die doppelte Menge drin ist, lässt sich das Salz nicht so einfach aus dem Teig herausklauben wie die Schokostückchen.

Die Lösung des Problems, das ich produziert hatte, war in diesem Fall recht einfach. Es waren genug aller Zutaten vorhanden, sodass ich die doppelte Menge des Kuchens machen konnte. Die Lektion habe ich allerdings verstanden: Was gesalzen ist, das ist gesalzen und man kann das Salz nicht mehr einfach so aus einer Speise herausnehmen.

Salz wirkt in der Umgebung

Das ist ja das eigentliche Wesen des Salzes: Es wirkt in seiner Umgebung trotz der geringen Menge, die es braucht. Das Salz macht eine Speise genießbar und hilft erst recht ihren Geschmack zu entfalten. Wehe jedoch, wenn man zu viel Salz erwischt. Dann ist alles verdorben und wird ungenießbar. Das Salz lässt sich nicht einfach so entfernen. Es hat die Eigenschaft, seine Umgebung zu verändern und auf seine Weise zu prägen.

Nun, in dem Abschnitt der Bergpredigt, den wir heute gehört haben, geht es zunächst um eine andere Sorge als dass man etwas versalzen hat: Was ist, wenn das Salz nicht mehr salzt? Was ist, wenn es seine Wirkkraft verloren hat? Wir können uns das schwer vorstellen. Salz gehört bei uns zu den wenigen Dingen in einem Haushalt, die nie schlecht werden. Man kann das Salz auch noch so lange in der hintersten Ecke des Küchenkastls vergessen, es bleibt nach wie vor Salz und kann verwendet werden.

Zur Zeit Jesu war das in Israel-Palästina etwas anders. Das damals verwendete Salz stammte aus dem Toten Meer und hatte nicht den Reinheitsgehalt wie unser Salz heute. Da konnte es durchaus vorkommen, dass einem das Salz schlecht wurde. Die weiteren im Salz enthaltenen Stoffe reagierten chemisch so miteinander, dass das Natriumchlorid nicht mehr entsprechend zur Wirkung kam. Dann blieb einem nichts anderes mehr übrig, als das wirkungslos gewordene Salz wegzuschütten. Es ließ sich zu nichts anderem mehr verwenden.

Veränderung bewirken

Was aber will uns Jesus mit dem Wort vom Salz und dem Wort vom Licht sagen? Ich denke nicht, dass es ums Nutzlossein geht, wie das beim Beispiel vom Salz möglich wäre. Der Vergleichspunkt liegt vielmehr an einem anderen Ort: Schon wenig Salz entfaltet eine große Wirkung; nur wenig Licht macht einen ganzen Raum hell, wenn es am richtigen Ort in einem dunklen Haus platziert ist. Es sind kleine Dinge, die eine große und nachhaltige Wirkung entfalten. Sie sind zunächst unscheinbar, aber die Folgen sind nicht zu unterschätzen. Sie verändern die Umgebung. Das Essen wird genießbar. Das dunkle Haus wird bewohnbar.

So ist es auch mit vielen Dingen, die wir Menschen tun. Sie sind für sich gesehen eher unscheinbar, ja beinahe zu vernachlässigen: da ein Lächeln, dort ein Gruß. Da noch etwas wegräumen, was andere liegen gelassen haben, dort etwas hübsch herrichten, sodass das Auge erfreut wird. Da ein gutes Wort nicht nur denken sondern auch aussprechen, dort etwas nachsichtiger sein und mal drüber hinwegsehen. Doch all das verändert Beziehungen. Durch kleine Gesten im Alltag geben wir einander zu verstehen: Ich mag dich. Du bist mir wichtig. Ich respektiere dich und möchte achtsam mit dem umgehen, was du mir anvertraust.

Wie spricht Jesus?

Wie jedoch gibt uns Jesus zu verstehen, dass solche kleinen Dinge des Alltags wichtig sind? Fordert er uns auf, befiehlt er, dass wir Gutes tun und das Böse meiden sollen? Jetzt seid einmal Licht und leuchtet kräftig! Macht endlich, dass ihr als Salz wirkt!

Nein, es ist bezeichnend, dass Jesus hier nichts von uns fordert oder uns befiehlt, eine bestimmte Lebenshaltung einzunehmen. Er schreibt uns nicht vor, was wir sein und erreichen sollen. Er spricht uns vielmehr zu, was wir schon sind und was wir dadurch bewirken: Ihr seid das Salz, ihr seid das Licht. Ihr müsst das nicht erst erlangen; schon allein dadurch, dass ihr seid wie ihr seid, ist es schon erfüllt.

Zu wem spricht Jesus?

Ebenso finde ich es bezeichnend, in welchem Zusammenhang diese Worte vom Salz und vom Licht stehen. Sie schließen sich direkt an die Seligpreisungen an, mit denen die Bergpredigt eröffnet wird. In diesen Seligpreisungen werden Personen erwähnt, die es aufgrund ihrer Sehnsucht oder ihrer Lebenssituation schwer haben, in dieser Welt zu bestehen.

Wer sanftmütig ist, hat keine Durchsetzungskraft.

Wer ein reines Herz hat, wird belächelt.

Wer barmherzig ist, wird gern übers Ohr gehauen.

Wer friedfertig ist, zieht leicht den Kürzeren.

Ja, wer geschmäht und verfolgt wird wegen seines Glaubens, der spürt deutlich, dass er oder sie nichts in dieser Welt erreichen wird.

Gerade diesen Menschen sagt Jesus: Ihr seid das Salz, ihr seid das Licht. Ihr habt das Potenzial, etwas zu verändern, gerade weil ihr es nicht auf die Art und Weise tut, wie es sonst üblich ist. Das Wichtige ist, dass ihr anders seid, nicht dass ihr besser seid.

Salz im Brot, Licht im Haus? – Salz der Erde, Licht der Welt

Doch der Anspruch ist hoch: Es geht nicht einfach darum, dass wir das Salz im Brot oder das Licht im Haus sind. Der Horizont, den Jesus zieht, ist um einiges weiter: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt. Ist das nicht eine Übertreibung? Wie können wir schon die ganze Erde würzen oder mit unserem unscheinbaren Licht die ganze Welt erhellen? Ist das nicht eine Überforderung, was uns Jesus da zusagt?

"Ich bin das Licht der Welt"

Ich möchte an dieser Stelle an ein Wort von Jesus erinnern. Er hat gesagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8,12) Er, der selbst das Licht ist, sagt uns, dass wir Licht sein sollen. Wir stehen mit unserem Licht nicht allein da. Wir haben einen, der mit uns scheint. Oder noch besser: Wir haben einen, der durch uns hindurch scheint. Wir können ja nicht aus uns selbst heraus leuchten. Dazu wäre unsere Strahlkraft zu gering. Es ist Christus, dessen Liebe wir erfahren, die uns zum Leuchten bringt. Es ist Gottes Liebe selbst, die uns verwandelt und die durch unser Leuchten in dieser Welt sichtbar wird.

Lasst euer Licht leuchten …

Darum schließt unser Predigttext mit einer Aufforderung, die uns gewiss macht: „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen.“ (V16) Ihr braucht euch nicht dafür zu schämen. Ihr könnt euch ruhig sehen lassen mit dem, was ihr anderes in diese Welt einbringt. Denn damit könnt ihr die Welt verändern. Nicht mit einem revolutionären Umsturz, nicht mit Machtprotzerei, nicht mit subtiler Gewalt. Nein, allein dadurch, dass ihr Licht seid und euren Glanz verbreitet; allein dadurch, dass ihr Salz seid und Würze seid; allein dadurch verändert sich schon viel.

Es braucht Menschen in dieser Welt, die sich nicht überall anpassen. Es braucht Menschen für diese Welt, die wissen, wofür sie stehen. Sie sagen klar, was ihnen wichtig ist. Es braucht Menschen, die einen Unterschied machen, zu dem, was um sie herum ist. Und manchmal sagen in diesem Fall Taten mehr als Worte.

Doch es geht nicht einfach ums Anderssein, damit wir anders sind als die anderen. Das Ziel ist vorgegeben. Das Gute, das wir tun, soll sichtbar werden. Wir brauchen unser Licht nicht zu verbergen. Wir dürfen ruhig sagen, was alles an Gutem in dieser Welt geschieht. Denn es gibt genug anderes.

… zum Lob Gottes

Noch einmal: Das Ziel ist vorgegeben. Es geht nicht darum, dass wir uns selbst dabei loben und in den Vordergrund stellen. Das Ziel all unseres Tuns hat nur einen Zweck: dass der Vater im Himmel gepriesen wird. Da zielt alles hin: auf das Lob Gottes. Es geht nicht um Taten und Werke, die uns vor Gott gut dastehen lassen. Es geht allein darum, dass wir und viele Menschen mit uns, Gott loben für das, was er uns Gutes tut. Gott gehört das Lob, weil er die Veränderung zum Guten in dieser Welt geschehen lässt. Amen.

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