Doch ich will glauben

Faith Impulse

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Stefan Schröckenfuchs

Pastor, Superintendent


ORF-Zwischenruf von Superintendent Stefan Schröckenfuchs vom 18.1.2026

Ich glaube nicht

an das Recht des Stärkeren

an die Sprache der Waffen

an die Macht der Mächtigen

 

Doch ich will glauben

an das Recht des Menschen

an die Macht der Güte

an den Frieden auf Erden

Fridolf Heydenreich
Deutscher Pastor und Theologe

Glaubensbekenntnis

Dieses Glaubensbekenntnis(*) des deutschen Theologen Pastor Fridolf Heydenreich habe ich zu Jahresbeginn mit einer Gruppe Jugendlicher gesprochen. Wenig später berichten die Medien über den US-Schlag in Venezuela, der von vielen Fachleuten als Verstoß gegen das Völkerrecht gewertet wird. Worauf ein Jugendlicher sarkastisch anmerkt: „Das mit dem Gebet für Frieden und Gerechtigkeit hat ja prima funktioniert.“ 

Gott fehlt!

Ich kann ihn gut verstehen! Auch ich bin fassungslos darüber, wie sehr das Recht des Stärkeren heute wieder salonfähig zu sein scheint. Und nirgendwo ist etwas zu sehen von einem Gott, der diesem Treiben ein Ende setzt. Ein Gott, der mit himmlischer Macht die irdischen Machthaber in die Schranken weist und Ordnung in unsere in Unordnung geratene Welt bringt: Er fehlt schmerzlich!

Dennoch

Dennoch ist mir mein Glaube an Gott nicht abhanden gekommen. Jener Gott, der mir in so vielen Geschichten der Bibel begegnet, wird mir sogar immer wichtiger: Denn es ist ein Gott, der sich kategorisch an die Seite der Schwachen, Unterdrückten und Versklavten stellt und für sie Partei ergreift. Ein Gott, der seine Propheten verkünden lässt, dass es nichts wichtigeres, nichts heiligeres gibt, als dass man gerecht handelt, barmherzig miteinander umgeht und achtsam lebt.

Es ist der Gott, der sich nach christlicher Überzeugung in der Geschichte Jesu zu erkennen gegeben hat: von Geburt an angewiesen auf die Fürsorge anderer Menschen, wie es die Weihnachtsgeschichte erzählt. Voller Hingabe und Leidenschaft für die, die krank, benachteiligt und an den Rand gedrängt waren. Träumend von einer Welt, in der sich die Armen glückselig preisen können.

Mächtige Liebe

Liebe zu den Mitmenschen hat dieser Jesus gefordert, gegenseitige Fürsorge war für ihn das höchste Gebot. Solche Liebe war für ihn kostbarer als aller Reichtum, als jede Form der Anerkennung. Ja, sie war ihm sogar kostbarer als das eigene Leben. 

So ist dieser Jesus auch gestorben: ohnmächtig, weil er die Machtspiele der Mächtigen nicht mitgespielt hat. Und doch als ein Hoffnungszeichen für die ganze Welt: ein Zeichen dafür, dass Hingabe und Fürsorge, oder schlichtweg Menschlichkeit nicht sinnlos sind. Im Gegenteil: Liebe hat Bestand, ist die christliche Botschaft; Liebe überdauert sogar den Tod. 

Gerade jetzt!

In einer Zeit, in der das Recht des Stärkeren so oft die Oberhand gewinnt und der Erfolg die Mittel zu  heiligen scheint, kann und will ich nicht anders, als an den Gott zu glauben, der sich auf die Seite der Schwachen und Gebeugten stellt. Ich kann und will nicht anders als auf den Gott zu hoffen, der die Welt von unten her verändert: durch Liebe, durch Güte, durch das Festhalten am Recht und durch die Kraft der Vergebung. 

Darum umso mehr: 

Ich glaube nicht

an das Recht des Stärkeren
an die Sprache der Waffen
an die Macht der Mächtigen

Doch ich will glauben

an das Recht des Menschen
an die Macht der Güte
und an den Frieden auf Erden

Der Zwischenruf wurde am 18.1.2026 erstmals im ORF veröffentlicht und kann unter religion.orf.at nachgehört werden. 

(*) Das Glaubensbekenntnis ist hier gekürzt wiedergegeben. Der ganze Text findet sich im Jugendliederbuch "Himmelweit" der EmK. 

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