Reisen ohne Gepäck – aber mit Herz

Faith Impulse

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Predigt zum Schulschluss von Laienpredigerin Ruth Armeanu (Wien-Floridsdorf) zu Markus 6,6b-13

Was gehört in den Rucksack?

Neun herrliche Wochen liegen jetzt vor euch Schulkindern!

Die Schultasche ist leer und schon in den Sommerschlaf gefallen. Gepackt werden nur noch Koffer für den Urlaub oder Rucksäcke für Ausflüge und Wanderungen. So einen Rucksack werden wir jetzt packen! Was gehört da hinein? 

Also das wichtigste ist eine Jause und etwas zu trinken. Ein Regenschutz wäre auch gut, und vielleicht ein 2. T-Shirt. Und natürlich gehört auch Geld in den Rucksack – für ein Eis z.B. Habe ich etwas vergessen? Ah, das Handy, das ist natürlich unverzichtbar. Jetzt können wir aufbrechen! Das wird eine herrliche Wanderung.

War das bei Jesus auch so? Wäre unser Rucksack da richtig gepackt?

Jesus war mit seinen zwölf Jüngern – also seinen Schülern oder Lehrlingen – sehr lang zu Fuß unterwegs. Aber das waren keine Ausflüge, sondern er zog als Wanderprediger durch die Dörfer und erzählte den Menschen von Gottes neuem Reich.

Einmal rief er seine zwölf Schüler zu sich und sagte zu ihnen: „Jetzt seid ihr dran, ihr habt genug gelernt: ich sende euch zu zweit auf die Reise. Damit ihr Böses vertreiben könnt, gebe ich euch Gottes Kraft und Stärke. Nehmt einen Wanderstock mit, aber keine Tasche, kein Essen, keine Sachen zum Umziehen und auch kein Geld. Und zieht nur Sandalen an.“

Habt ihr gut zugehört? Da sendet Jesus seine Freunde als Botschafter aus – und was dürfen sie mitnehmen?

Ach so – sie dürfen ja gar kein Gepäck mitnehmen! Kein Essen, kein Geld und auch kein zweites Shirt zum Umziehen.

Unser Rucksack ist also falsch gepackt: Die Jause muss wieder heraus und das T-Shirt auch. Und nicht einmal Geld lässt Jesus seine Schüler mitnehmen! Das muss also auch aus dem Rucksack. Handys gab es vor 2000 Jahren sowieso noch nicht. Jetzt ist der Rucksack leer. Nichts mehr ist drin. Für diesen Auftrag von Jesus hätten wir ihn umsonst gepackt.

Geht ohne Tasche

Darum hat Jesus also gesagt: Keine Tasche. Es gibt nichts, das die Jünger hineingeben könnten. Und nicht einmal ordentliche Wanderschuhe dürfen sie anziehen, sondern nur Sandalen! Bei uns wären das wahrscheinlich Sportsandalen oder Sneaker.

Und so sollen sich die Jünger auf den Weg machen? Wie stellt Jesus sich das vor? Er gibt ihnen so wichtige Aufträge, und dann dürfen sie nichts mitnehmen? Nur Sandalen und einen Stock?

Immerhin: Er schickt sie zu zweit auf die Reise. Da können sie miteinander reden, sich gegenseitig helfen oder Mut machen.

Das habt ihr sicher auch schon erlebt, dass etwas zusammen mit Freunden oder Freundinnen mehr Spaß macht, sogar Hausübungen und Lernen.

Aber was würden wir denken und sagen, wenn so etwas von uns verlangt würde? So eine wichtige Reise   ohne Gepäck? Wahrscheinlich würden wir sagen: Nein, so geht das nicht! Da verhungern wir ja! Mit uns kannst du das nicht machen! Geh doch selber!

Aber die Jünger kommen damit zurecht – sie machen sich zu zweit auf den Weg und verkünden den Menschen: „Ändert euer Leben“. Sie treiben böse Geister aus und machen Kranke gesund. Jesus hat ihnen die Kraft und Stärke weitergegeben, die er von Gott, seinem Vater erhalten hat – und das genügt ihnen. Auch ohne Gepäck. Sie sind darum nicht nur zu zweit unterwegs, sondern in ihrem Herzen ist auch Jesus mit ihnen auf dem Weg.

Die Vollmacht, Dämonen auszutreiben

Schon einige Zeit sind die Jünger mit Jesus unterwegs und haben seine Worte und Taten gehört und erlebt, auch Dämonen-Austreibungen. So wird z.B. im 5. Kapitel eindrücklich geschildert, wie Jesus einen Mann von einer ganzen Legion böser Geister befreit. Und jetzt sind die Jünger dran. Denn gleich die erste Aussage ist: „Und er gab ihnen Vollmacht über böse Geister.“ Die stellte man sich als Personen vor, die gegen Gott kämpfen und Menschen völlig in Besitz nehmen können.

Schon im 3. Kapitel des Markus-Evangeliums, als Jesus die Zwölf zu sich rief, damit sie ständig bei ihm sein sollten, steht übrigens: „Er wollte sie aber auch aussenden, um die Gute Nachricht zu verkünden. Außerdem gab er ihnen die Vollmacht, Dämonen auszutreiben.“ (3,14-15)

Dämonen, böse Geister sozusagen in Person, sind in der Regel etwas, das uns eher fremd ist. Ich kenne aber Menschen, die Dämonen persönlich erlebt haben, in anderen Personen oder ganz nah um sich herum. Einer von ihnen sah sie als beängstigende „Fratzen“, die er aber durch intensives „Beten in Bildern“ auf Abstand halten konnte. Das Bild, das er sich dabei vorstellte, war ein Schutzraum Gottes, der diesen Menschen von allen Seiten umgab, sich sogar beliebig vergrößern ließ und die dämonischen „Fratzen“ von Anfang von ihm fernhielt. Sie konnten diesem betenden Menschen nicht in die Nähe kommen, ja nicht einmal mehr seinen Schlaf stören.

Ein Dämon oder besser gesagt, das Böse an sich, hat nur ein Ziel: Menschen von Gott zu entfernen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Und so kann sich das Böse in vielen verschiedenen Gesichtern zeigen, je nachdem, wie es Menschen besser verführen kann. Es kann sich zum Beispiel ebenso in Ängsten zeigen wie in scheinbarem Erfolg, auch in der Gier nach Geld, Besitz oder Macht – mit einem Wort: in allem, was Menschen, was uns davon abhält, nur auf Gott zu vertrauen.

Vertrauen statt Gepäck

Das ist wohl der Grund, warum Jesus die Jünger ohne Gepäck wegschickt: Sie sollen sich nur auf Gott und den Auftrag ihres Lehrers, ihres Meisters verlassen. 

Es sollte uns zum Nachdenken bringen, dass die Jünger nichts mitnehmen durften außer Jesu Vollmacht und dem Vertrauen, dass Gott für ihre Bedürfnisse sorgen würde.

Nicht umsonst sagt Jesus: „Meine Last ist leicht!“ oder nach der Basisbibel: „Was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.“ (Mt.11,30)

Aber leider ist Verzichten, Weglassen oder Reduzieren – wie immer man es nennen will –  für uns in der Regel schwer, da schleppen wir lieber unseren Rucksack mit.

Dabei sagt es auch Paulus im 2. Korintherbrief: „Der Herr hat zu mir gesagt: ‚Du brauchst nicht mehr als meine Gnade. Denn meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.’ Ich will also gern stolz auf meine Schwäche sein. Dann kann sich an mir die Kraft von Christus zeigen. Deshalb freue ich mich über meine Schwäche – über Misshandlung, Not, Verfolgung und Verzweiflung. Ich erleide das alles gern wegen Christus. Denn nur, wenn ich schwach bin, bin ich wirklich stark“. (2. Kor 12,9-10)

In diesem Sinn macht unsere Schwäche, worin auch immer sie besteht, also Platz für Gottes Stärke. In seiner Nähe, an seinem liebevollen Herzen werden wir stark.

Wenn wir also merken, dass etwas oder jemand uns aus Gottes Nähe ziehen will oder schon gezogen hat, dann sollten wir auf die Botschaft hören, die die Jünger auf ihrer Reise den Menschen zuriefen: „Ändert euer Leben! Kehrt um! Wendet euch wieder eurem liebenden Gott zu!“ Und wir sollten sie nicht nur hören, sondern auch in die Tat umsetzen. Nicht umsonst ist das Jesu Botschaft von Anfang an. Sie steht schon im 1. Kapitel des Markus-Evangeliums: “Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt den Menschen nahe. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht!“ (Mk 1,15)

Und wie wir wissen, sind viele diesem Ruf gefolgt – von korrupten Zöllnern, Frauen mit problematischen Lebensläufen und gebildeten Geistlichen bis zu mutigen Soldaten – um nur einige zu nennen. Sie alle haben ihr Leben auf eindrucksvolle Weise grundlegend geändert.

Beziehung statt Vorschriften

Eigentlich macht uns Jesus das Ändern leicht. Denn er gibt nicht strenge Regeln oder Gesetze vor, gegen die wir uns gern innerlich auflehnen, sondern er lädt uns in eine liebevolle Beziehung mit ihm ein – in eine so enge Gemeinschaft, wie er sie mit seinen Jüngern hatte. Jesus zwingt aber niemanden zu seinem Glück. Und er hat eine unglaubliche Geduld und gibt Menschen nicht auf, auch wenn sie sich im Moment für einen anderen Weg entscheiden. Das sollten wir uns zum Vorbild und zu Herzen nehmen.

Jesu liebevoller Ruf und sein Auftrag an uns sind eindeutig und in allen Evangelien zu lesen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich jetzt euch!“ so steht es bei Johannes 20,21. Gegen Ende der Guten Nachricht nach Lukas heißt es: „Und allen Völkern muss in seinem Namen verkündet werden: ‚Ändert euer Leben! Gott will euch eure Schuld vergeben.’“ (Lk 24,47). Im 16. und letzten Kapitel des Markus-Evangeliums lesen wir: „Geht in die ganze Welt hinaus. Verkündet allen Menschen die Gute Nachricht“ (Mk 16,15). Und die bekannte und auch schon missbrauchte Stelle „Macht alle Völker zu Jüngern“ steht in der Basisbibel weit einladender: „Geht nun hin zu allen Völkern und ladet die Menschen ein, meine Jünger und Jüngerinnen zu werden. Tauft sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lehrt sie, alles zu tun, was ich euch geboten habe! Seid gewiss: Ich bin immer bei euch, jeden Tag, bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,19-20). Mit diesem Aufruf und Zuspruch endet das Matthäus-Evangelium.

Bei Gott und seinem Sohn handelt es sich also um eine sehr fortschrittliche Pädagogik: Die Methoden bestehen nicht in Zwang und Drohungen, sondern in Zuwendung und Nähe und einer liebevollen Einladung.

Das zeigt uns auch eine Geschichte aus den Erzählungen der Chassidim, die Martin Buber gesammelt hat. Sie handelt von einem Rabbi, das ist ein Meister oder Lehrer. Auch Jesus nannte man Rabbi.

Rabbi Ahron kam einst in die Stadt, in der der kleine Mordechai, der nachmalige Rabbi von Lechowitz, aufwuchs. Dessen Vater brachte ihm den Knaben und klagte, dass er im Lernen keine Ausdauer habe. „Lasst ihn mir eine Weile hier“, sagte Rabbi Ahron. Als er mit dem kleinen Mordechai allein war, legte er sich hin und bettete das Kind an sein Herz. Schweigend hielt er es am Herzen, bis der Vater kam. „Ich habe ihm ins Gewissen geredet“, sagte er, „hinfort wird es ihm an Ausdauer nicht fehlen.“ Wenn der Rabbi von Lechowitz (also der frühere kleine Mordechai, der nicht gern lernte) diese Begebenheit erzählte, fügte er hinzu: „Damals habe ich gelernt, wie man Menschen bekehrt.“ (aus: Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim, S. 327)

Wie also funktionieren Umkehr und Bekehrung? Man legt sich die Menschen ans Herz – und hat sie lieb. Und wenn wir selber uns immer wieder am Herzen Gottes therapieren lassen, dann strömen auch wir die heilsame Kraft seiner Liebe aus. Darum: Geht Gottes Weg! Geht ihn mit leichtem Gepäck und im Vertrauen auf Gottes Geist und Vollmacht – und bringt Liebe in die Welt. Amen.

 

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