Die große Liebe Gottes

Faith Impulse

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Teenagersegnung

Die große Liebe Gottes     (Hosea 11, 1-9)

Liebe Gemeinde, für unseren heutigen Teenagersegnungsgottesdienst habe ich einen Text gesucht, der die große Liebe Gottes zeigt und spürbar werden lässt. 
Der Gottes Mitgefühl und Treue Ausdruck verleiht.

In gewissem Sinne ist dieser Hoseatext auch die Fortführung des Familiengottesdienstes, wo ich davon gesprochen habe, dass Gott in der hebräischen Bibel noch sehr, sehr selten als Vater bezeichnet wird. Zu übermächtig war die Realität der patriarchalen Vaterfiguren und ihrer uneingeschränkten Macht über Leben und Tod, als dass sich der „in die Freiheit führende Gott“ mit so einer Vorstellung in Verbindung bringen wollte. 

Erst hier, in diesem Text aus dem Buch Hosea, wird Gott indirekt zum Vater, wenn wir von der Fürsorge für seinen Sohn hören. Erst durch diese Gleichsetzung Efraims oder Israels mit einem Sohn, wird Gott zum Vater. Oder eigentlich zur Mutter. Denn die Fürsorge für den Säugling wie schaut die aus? Wenn es heißt „Ich neigte mich ihm, dem Säugling, zu und gab ihm zu essen“ was soll das anderes sein als Muttermilch?

Aus heutiger Perspektive fällt uns das auf und wir können beginnen, Gott nicht mehr ausschließlich als Vater zu denken. Eine Vorstellung, die zur Entstehungszeit dieses Textes freilich noch völlig undenkbar war.

Und dennoch konnten auch die damaligen Hörerinnen und Hörer schon mit weit geöffneten Augen und weit geöffnetem, staunendem Mund von einem Gott hören, der Gefühle zeigt. Der von sich sagt: „Gegen mich selbst wendet sich mein Herz, heftig entbrannt ist mein Mitleid.“ Der Gott Israels ist ein besonderer Gott, er ist für dich da. So ist sein Name.

Diesen Gott gilt es, jeden Tag neu zu suchen und zu entdecken. Um mit ihm gemeinsam unser Leben gestalten zu können. 

Nachdem wir heute aber einen besonderen Gottesdienst feiern, dem ja viele Stunden Teenagerkurs vorangegangen sind, möchte ich jetzt die unmittelbare Nähe zum Hosea Text verlassen. Alles, was ich als Zusammenfassung unseres Teenagersegnungskurses noch einmal zur Sprache bringen will, kann ich dem Hoseatext nicht zuordnen. Es ist meiner Ansicht nach wichtig, dass wir von biblischen Texten lernen, sie aber nicht für unsere eigenen Zwecke missbrauchen. Das ist schwierig genug, daher jetzt diese klare Abgrenzung.

Drei grundsätzliche Themen möchte ich heute noch einmal benennen. Sie sind eine mögliche Zusammenfassung unserer Gespräche über Gott. Meine ganz persönliche Top3 umfassen: die Wirklichkeit Gottes, die Suche nach Gott und die Nähe Gottes und unsere Beziehung zu ihm.

Beginnen möchte ich mit der Wirklichkeit Gottes.

Ich hoffe, ich und die teilnehmenden Eltern konnten deutlich machen, dass die Wirklichkeit größer, weiter und mehr ist, als die sichtbare Wirklichkeit. Nur weil man etwas nicht sehen oder angreifen kann, heißt das noch lange nicht, dass es nicht existiert. Nur weil man etwas nicht messen oder mit wissenschaftlichen Methoden beweisen oder sammeln und in Gläser oder Bücher sperren kann, heißt das noch lange nicht, dass es nicht da ist. Die Liebe und die Zuwendung sind neben den biologischen Voraussetzungen, wie Luft, Wasser und Nahrung, die lebenswichtigsten Dinge, die wir Menschen brauchen. Nimm diese Liebe oder diese Zuwendung weg und wir Menschen verkümmern. Ohne Liebe sind wir nicht lebensfähig. Das wird mit jedem neugeborenen Kind seit Menschengedenken deutlich. Dazu muss man nicht im 21. Jahrhundert leben, das wussten schon die Neandertaler. Dass ein Kind ohne Liebe nicht zum Menschen wird. Jetzt bemiss aber einmal diese Liebe. Wieviel Gramm darf’s denn sein? Genügen 20 Minuten Liebe am Tag oder sollten es doch lieber 21 Minuten sein? Wie sieht sie denn aus die Liebe, muss sie immer rot und ein Herzchen sein oder darf sie auch mal ein Verbot aussprechen? Nein, du darfst nicht als 8-jähriger Auto fahren, selbst wenn du schon mit den Füßen zu den Pedalen runterreichst.

Unsere Gefühle und Empfindungen sind genau so real und wirklich wie die messbare Welt. Und genau das trifft auch auf Gott zu. Gott ist genauso real und wirklich, weil er spürbar und erfahrbar ist. Gottes Existenz kann man nicht daran festmachen, dass man Gott nicht sehen kann. 

Einer der dümmsten oder sagen wir besser einer der meiner Ansicht nach zu kurz gedachtesten Sätze in diesem Zusammenhang, die Existenz Gottes betreffend, ist der Satz: Glauben heißt nichts wissen. Oder: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Glauben nimmt uns hinein in eine Wirklichkeit, die viel größer und weiter ist als menschliches Wissen. Und es gibt so einfache Beispiele aus unserem Alltag, die uns die Begrenzung des Wissens vor Augen führen. Ob das andere Auto an der Straßenkreuzung bei rot stehen bleibt, weißt du nicht. Du kannst nicht wissen, ob der andere Fahrer oder die andere Fahrerin sich an die geltenden Regeln hält. Du gehst davon aus und es wird in der Mehrzahl der Fälle auch so sein, aber wissen kannst du das nicht. Du glaubst es. Du bist gut beraten das zu glauben, denn sonst würde überhaupt kein Verkehr sich mehr bewegen. Wenn alle erst aussteigen würden, vor der roten Ampel und erst dann weiterfahren, wenn sie mit dem Gegenüber geredet hätten. Soviel zum Wissen.

Damit komme ich zu meinem zweiten Punkt und das betrifft die Suche nach Gott.

Irgendwann, fromme Kreise würden jetzt sagen besser sofort als später, müssen wir uns als Menschen aufmachen und Gott suchen. Nicht dass ich glaube, dass Gott schwer zu finden ist, aber Gott tritt keine Türen ein. Nein. Gott wartet bis Türen geöffnet werden und wir Gott finden wollen. So wahr es ist, dass niemand sich Glauben pflücken kann, wie einen Apfel oder sich Glauben kaufen könnte, so wahr ist meiner Ansicht nach auch, dass Gott niemandem mit Glauben zwangsbeglückt. Eine meiner absoluten Lieblingsstellen zu dieser notwendigen Suche finden wir bei Jeremia im 29. Kapitel, die Verse 13 und 14: „Wenn ihr mich mit ganzem Herzen suchen werdet, dann will ich mich von euch finden lassen.“ Hier wird einerseits die Suche sehr gut beschrieben und anderseits die aktive Rolle von Gott betont. Gott findet man nicht wie ein verlorenes Schaf oder eine verlorene Münze, sondern Gott lässt sich finden. So wird deutlich, dass Glaube immer ein Geschenk ist und bleiben wird. Aber, und das wird in dieser Schriftstelle eben auch sehr deutlich und klar gesagt: Das ist eine Zusage. Es heißt nicht, wenn ihr mich mit ganzem Herzen suchen werdet, dann will ich mich vielleicht, oder eventuell oder nur wenn mir deine Nase gefällt, finden lassen. Nein. Gott will sich finden lassen, das bedeutet Gott wird sich finden lassen. Vielleicht nicht sofort oder in der Weise, wie wir es uns vorstellen. Es gibt sehr unterschiedliche Geschichten zu diesem Thema, wie Menschen Gott gefunden haben. Wenn ich aber zum Beispiel auf mein Leben bis zum heutigen Tag zurückblicke, dann bin ich sehr froh, dass ich begonnen habe Gott zu suchen. Ich habe Gott gesucht. Gott hat sich von mir finden lassen. Und ab diesem Moment hat sich mein Glauben entwickelt. Nicht wie eine lineare Gleichung, sondern mit Höhen und Tiefen, mit Nähe und Distanz aber im Ganzen gesehen erkenne ich, wie ich gewachsen bin.

Dass ich gewachsen bin, hat seinen Ursprung in der Beziehung mit Gott. Das ist dann auch mein dritter und letzter Punkt: die Nähe Gottes und unsere Beziehung zu Gott.

Was ich mit diesem dritten Punkt ansprechen möchte, ist, dass es ganz konkret im jetzigen, heutigen Leben einen Unterschied macht, ob ich in einer Beziehung mit Gott lebe oder nicht. Es ist keineswegs so, dass Glaube nur mit dem Jenseits oder dem ewigen Leben zu tun hat. Es ist keineswegs so, dass die Angst oder die Sorge um die Zeit nach unserem Tod der entscheidende Impuls ist, um ein Leben mit Gott zu beginnen. Ich würde sagen, das ist ein Teil davon, der uns im fortgeschrittenen Alter Halt und Trost geben kann. Aber zu jeder Zeit unseres Lebens lohnt sich eine Beziehung zu Gott.

Lohnt sich. Das klingt so, als ob eine Kosten-Nutzen-Rechnung am Ende ergibt, dass sich Gott rentiert. Das meine ich natürlich nicht. Sondern bei diesem Punkt habe ich eigentlich nach ganz konkreten Beispielen gesucht, wie sich der Glaube auswirkt. Und ich möchte jetzt aus der Fülle drei Beispiele oder Überlegungen herausgreifen. 

Zunächst einmal bedeutet eine Beziehung zu Gott, dass du nie wirklich allein bist. Im Gegenteil, dadurch dass Gott immer da ist und ein Interesse an dir hat, kannst du ihm auch alles sagen. Vor Gott brauchen wir keine Masken tragen, denn er weiß eh was uns bedrückt oder was uns am Herzen liegt. Dadurch, dass wir es aussprechen können, dadurch bekommt alles eine andere Wertigkeit.

Dann möchte ich sagen, dass du mit der Beziehung zu Gott, mit den Geboten und Praxisbeispielen von Jesus, eine Möglichkeit bekommst, das Gute in dir zum Vorschein zu bringen. Weil Gott uns liebt und wir Gott lieben, deswegen sind wir motiviert das Böse zu lassen und das Gute zu tun. Nicht weil ich muss, tue ich es. Sondern weil ich will und es mir gut tut, deswegen tue ich es. Jesus ist mir dabei ein Vorbild. In der Beziehung mit Jesus, aus Liebe zu ihm macht es mir Spaß, großzügiger zu werden. Liebevoller und freundlicher zu werden. Vergebung anzustreben. Barmherzig zu sein. Die Liebe und die Beziehung sind das Entscheidende.

Und als letztes Beispiel ist mir die Dankbarkeit eingefallen. In der Beziehung mit Gott habe ich ein Gegenüber, dem ich danken kann. Danken kann für jeden neuen Tag, für all das Gute in meinem Leben, für die Möglichkeiten, die vor mir liegen, es gibt so Vieles für das ich danke sagen kann. Und indem ich danke, werde ich aufmerksam auf die Fülle und bleibe nicht verhaftet im Mangel. Danken lässt uns das Glas als halbvolles statt als halbleeres Glas sehen. Danken ist ein ganz entscheidender Schlüssel zum Glücklichsein.

Gott ist Wirklichkeit. Wer ihn ernsthaft sucht, von dem wird Gott sich finden lassen. Und die Liebesbeziehung zu Gott hat ganz konkrete Auswirkungen in unserem ganz alltäglichen Leben.

Das ist mein Credo. Das glaube ich. 
Und mit diesem Credo schließe ich.

Amen.

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