Lea­der­ship Gathering: Die Kirche von morgen träumen

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Methodisten aus vier Kontinenten entwerfen in Calgary ihre Kirche von morgen

Die Idee des Leadership Gatherings 

Ende Oktober 2026 lud der weltweite Bischofsrat der EmK über 280 haupt- und ehrenamtliche Leitungspersonen aus aller Welt nach Calgary (Kanada) ein. 235 Delegierte aus vier Kontinenten, darunter auch Superintendent Stefan Schröckenfuchs, konnte vor Ort in der Knox United Church tagen. Weitere 46 Delegierte, v.a. aus Afrika, konnten aufgrund von Einreisebeschränkungen nach Kanada nur digital teilnehmen. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden war unter 35 Jahren. 

Visionen entwickeln statt Entscheidungen treffen

Im Unterschied zur Generalkonferenz, dem obersten Gesetzgebungsorgan der Kirche, wurde in Calgary nichts beschlossen. Es ging um etwas anderes – um Zuhören, Beten und gemeinsam Visionen entwerfen: „Ich will keine Dekade damit verbringen, den Niedergang zu verwalten", hatte Bischof Rubén Saenz Jr., Präsident des Bischofsrats, vorab gesagt. Vielmehr solle eine Kirche erdacht werden, „die kommende Generationen empfangen und wertschätzen werden".

Grundlage des Treffens waren die Ergebnisse einer weltweiten Umfrage unter Methodist:innen, die drei Prioritäten ergab: innovative Formen der Nachfolge geistlich zu fördern, jüngere Generationen zu ermächtigen und weltweite Stimmen stärker zu hören. In fünf thematischen Arbeitsfeldern – Nachfolge, Leitung, Wirkung, Haushalterschaft und Rechenschaft – arbeiteten insgesamt 16 „Bundesgruppen", die jeweils von einer benannten Herausforderung ausgehend eine Empfehlung entwickelten.

O-Töne vom Gathering im Holy Club Podcast

Konkrete Vorschläge

Am Ende standen zahlreiche Vorschläge für die „EmK von 2050" – einige konkret, andere visionär. Zu den Kernpunkten zählen:

  • Kinder und Jugendliche ins Zentrum stellen
    Junge Menschen sollen nicht warten müssen, bis sie „irgendwann einmal" an der Reihe sind – sie gehören schon jetzt zur Kirche. Konkret schlagen die Gruppen vor, kirchliche Räume, Gelder und Möglichkeiten gezielt für Menschen unter 18 einzusetzen. In jeder Kirchenregion sollen außerdem zehn neue, lokal verwurzelte christliche Zirkel entstehen, in denen Jugendliche gemeinsam Antworten auf die großen Krisen unserer Zeit suchen – vom Klimawandel bis zu Konflikten. Und junge Erwachsene sollen gezielt auf Leitungsaufgaben vorbereitet und begleitet werden.
  • Nachfolge statt Statistik
    Erfolg soll künftig nicht mehr daran gemessen werden, wie viele Mitglieder eine Gemeinde zählt oder wie viel Geld im Opferkorb landet. „Menschen in der Nachfolge Jesu formen, statt nur Köpfe und Münzen zu zählen", lautet das Motto. Die Kirche soll Menschen begleiten und ermutigen, so zu leben, wie Jesus es vorgelebt hat – im Alltag, in der Nachbarschaft, im Beruf.
  • Gebäude und Geld neu denken
    Kirchliche Gebäude und Vermögen sind da, um Gottes Auftrag zu dienen – nicht, um die Institution zu erhalten. Die Gruppen regen an, Räume für die Gemeinschaft mit den Menschen im Umfeld zu öffnen und das vorhandene Geld dorthin fließen zu lassen, wo es Menschen hilft – anstelle es allein der eigenen Selbsterhaltung zu widmen. Auch die klassische Trennung („jede Gemeinde finanziert ihr eigenes Projekt") soll zugunsten kreativer Zusammenarbeit überwunden werden.
  • Eine weltweite Kirche auf Augenhöhe
    Die EmK ist in vier Kontinenten zu Hause – doch nicht alle Stimmen haben bisher gleiches Gewicht. So sollen z.B. die Kirchen in Afrika nicht als Bittsteller, sondern als gleichwertige Partnerinnen und Partner behandelt werden: mit gegenseitigem Respekt, gemeinsamer Verantwortung und geteiltem Dienst. Ländliche und städtische Gemeinden sollen zudem weltweit miteinander vernetzt werden, damit sie voneinander lernen können.
  • Haltung zeigen gegen Unrecht
    Im Taufversprechen versprechen Methodist:innen, „dem Bösen, der Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu widerstehen". Dieser Zuspruch soll neu ernst genommen werden – etwa durch ein kurzes Gebet, das monatlich in jeder methodistischen Kirche weltweit gesprochen werden soll und zum Nachdenken darüber anregt, wie Autoritarismus, Rassismus und Tribalismus (Loyalität nur gegenüber der eigenen Gruppe) entstehen.
  • Offen für alle
    Die Kirche der Zukunft soll niemanden am Rand lassen: Gehörlose und Menschen mit Behinderungen sollen von Anfang an voll mitmachen können, Menschen in ihrer ganzen Diversität beteiligt werden. Außerdem sollen Gemeinden Materialien für Evangelisation und Gemeindeaufbau erhalten, die zu ihrem konkreten kulturellen Umfeld passen – denn was in einer Stadt in Österreich funktioniert, muss in einer Metropole in Afrika noch lange nicht passen.

Fröhliches und emotionales Miteinander

Getragen wurde die Woche von fröhlichen, lebendigen Gottesdiensten und intensiven Kleingruppengesprächen. Viele Teilnehmende verließen Calgary euphorisch. „Das war überwältigend – und es ist erst der Anfang", sagte Teri Watanabe aus Oregon. Die 29-jährige Whitley Henson: „Ich habe große Hoffnung für meine Generation und die, die nach uns kommen." Die Kirchenhistorikerin Ashley Boggan hofft, dass Methodist:innen in 100 Jahren auf die 2020er Jahre zurückblicken werden als den „großen Wendepunkt" der Kirche. Bei der Abschlussfeier führte Bischof Ande Emmanuel eine tanzende Menschenkette zu „We Are Marching in the Light of God" an.

Wie es weitergeht

Die Empfehlungen sind keine Beschlüsse – sie sind eine Einladung. Der Bischofsrat plant, im Januar 2027 einen Bericht auf Basis der Empfehlungen an die gesamte Kirche zu übergeben. Die eigentliche Umsetzung soll nicht in Konferenzsälen, sondern vor Ort geschehen, wie Bischof Saenz betonte: „Die Kirche, die noch werden soll, wird Gestalt annehmen in Gemeinden, Klassenzimmern, Wohnungen und Nachbarschaften – weit über Calgary hinaus."

Quelle: umnews

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