Nicht neue Tech­no­lo­gi­en, sondern neue Le­bens­wei­se ent­schei­dend

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Tagung der Pfarrerinnen und Pfarrer der drei evangelischen Kirchen zur Schöpfungsverantwortung
Die Pfarrerinnen und Pfarrer feiern den Abschlussgottesdienst der PfarrerInnentagung 2021 unter großen Bäumen

Pfarrerinnen und Pfarrer tagten zu Schöpfungsverantwortung

Hirschwang/Rax (epdÖ/emk) – Die Klimakrise könne nicht allein durch neue Technologien überwunden werden, vielmehr brauche es einen „Übergang von einer wachstums- und profitgetriebenen Produktionsweise zu einer bedürfnisorientierten“. Wachse die Wirtschaft permanent weiter, werde auch bei gesteigerter Effizienz der Ressourcenverbrauch unweigerlich zunehmen. Das hat die Wiener Politologin Alina Brad im Rahmen der diesjährigen Tagung evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer betont. Die Tagung, die von Montag, 30. August, bis Donnerstag, 2. September, am Fuße der Rax stattgefunden hat, widmet sich der Schöpfungsverantwortung. Zahlreiche Expertinnen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft waren als Vortragende eingeladen.

Brad plädierte in ihrem Vortrag dafür, die Klimakrise „nicht als isoliertes Phänomen“ zu betrachten, das sich mit einzelnen Technologien beherrschen lasse. „Vielmehr ist sie Ausdruck davon, dass die Art und Weise, wie wir als Gesellschaft bzw. genauer unser Wirtschaftssystem den Stoffwechsel mit der Natur gestaltet, immer neue und tiefere ökologische Krisen hervorbringt, die sich nicht rein technologisch bearbeiten oder beherrschen lassen.“ Die Verbesserungen des materiellen Wohlstandes in den letzten Jahrzehnten seien immer auf Kosten anderer gegangen: „auf Kosten der Umwelt, auf Kosten von Menschen andernorts und auf Kosten zukünftiger Generationen“. Um das zu ändern bräuche es nicht einen Verzicht, sondern es bedürfe einer „kulturellen Revolution im Denken über den Wohlstand“, wie es die Philosophin Kate Soper formuliert habe. Das bedeute eine Lebensweise, die nicht auf Konsum, sondern auf der Freiheit beruhe, „Interessen außerhalb der formellen Beschäftigung nachzugehen und anderen Dimensionen des Lebens mehr Aufmerksamkeit zu schenken“.

Aktivistin Grahsl: Keine Botschaft des Verzichts

Nicht mit einer „Botschaft des Verzichts“, sondern mit der Aufforderung zu einem öffentlichen Diskurs über die Frage, „wie wir als Gesellschaft zusammen leben möchten und welchen Beitrag wir als Kirche dafür leisten können“, richtete sich Klimaschutzaktivistin Brigitte Grahsl an die Pfarrerinnen und Pfarrer. In ihrem Vortrag am Eröffnungsabend hob die Vertreterin des Klimavolksbegehrens die Folgen des Klimawandels für Gesundheit, nationale Sicherheit, Wirtschaft, kulturelle Identität und auch den Frieden im Land hervor: „Es geht ja, und hier werde ich ein bisschen kitschig, auch um unsere Heimat und ihre Landschaften, die Orte unserer Kindheit, die Jahreszeiten mit ihren Traditionen und Festen, und alles, was wir lieben und schützen wollen. Und davon gibt es so viel.“

Vor allem global aber zeige der Klimawandel ein Gerechtigkeitsproblem auf: Nachkommenden Generationen werde eine Welt hinterlassen, die kein gutes Leben mehr ermögliche; gerade Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zur Erderwärmung beitrügen, seien am stärksten davon betroffen. Durch Klimaschutzmaßnahmen könne die Welt allerdings gerechter gestaltet werden, so Grahsl. Für den Austausch über all diese Fragen seien „christliche Gemeinden“ bestens geeignet: „Es ist ja in den evangelischen Kirchen Tradition, Themen von unten, also von der Basis aufzugreifen und zu diskutieren. Wir laden Sie also zum gegenseitigen Austausch ein!“

Weitere Vorträge kamen von der Kultur- und Sozialanthropologin Herta Nöbauer („Unsere Existenz schmilzt wortwörtlich dahin!“ – Klimakrise in den österreichischen Alpen) und der reformierten Theologin Christina Aus der Au Heymann („Theologische Anthropologie in Zeiten der Klimakrise“). 

Schröckenfuchs: Aus der Hoffnung leben

Durch die Beiträge der verschiedenen Wissenschaftlerinnen wurde erneut deutlich, wie groß die Herausforderungen zur Bewältigung oder zumindest Eindämmung der Klimakrise sind. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, brauche es jedoch Hoffnung. Dies betonten Superintendent Stefan Schröckenfuchs und Pfarrerin Angelika Petritsch (Jenbach) im Schlussgottesdienst, der sich nicht zuletzt an die anwesenden Kinder und Jugendlichen richtete. Die biblische Geschichte vom Senfkorn, das in die Erde fällt und langsam wächst, bis es als großer Baum Früchte trägt und Schatten spendet, wurde dabei zum Hoffnungsbild, dass auch unsere Ideen und Bemühungen zur Gestaltung einer neuen Zukunft stets klein beginnen. Und doch haben sie das Potential, mit Gottes Segen zu wachsen und die Welt zu verändern. 

Der Baum der Hoffnung wächst

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