(Wieso) Müssen glaubende Christ*innen leiden?

Glaubensimpuls

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Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Predigt über Heil inmitten von Leid und Gefahr, mit 2. Mose 3, 1-15 und Matthäus 16, 21-28

Liebe Glaubende, liebe Zweifelnde, liebe alle, die diese Predigt lesen,

Wie steht es um eurem Glauben? 
Wenn euch jemand fragt, was glaubst du eigentlich, was würdet ihr antworten?
Und wie zeigt sich das, was ihr glaubt, im Alltag?

Letzte Woche kamen im Gottesdienst (Anm.: in der EmK Salzburg am 23.8.) diese Fragen schon auf - Laienpredigerin Gabi Rehbogen hat darüber gepredigt. 

Ich möchte zunächst einen Abschnitt aus ihrer Predigt zitieren:

„Glaube ist ein Leben aus Gottes Liebe. 
Ein Fundament das trägt, auch wenn alles andere ungewiss ist. 
Ein Leben das unsere Seele sättigt, unsere Seele heil macht. 
Ein Leben, das nicht in der Welt aufgeht. Ein Leben, das ich finde, indem ich meine Pläne aufgebe und mich Jesus anvertraue.
Das hat Folgen! Denn wenn wir das tun, werden wir wacher und sensibler für die Leiden dieser Welt. Wir werden aber damit auch befähigt, der Konfrontation mit Schmerz und Leid nicht auszuweichen. Wir erhalten den Mut und die Kraft mit Ungerechtigkeiten und Leid umzugehen und es auszuhalten.“

Die Folgen des Glaubens an Jesus

Von diesem Glauben, der Folgen hat, erzählen auch die Bibeltexte 2. Mose 3, 1-15 und Matthäus 16, 21-28. Und davon, dass es einige Zeit dauert, bis dieser Glaube mit all seinen Folgen wachsen kann und sich weiterentwickeln kann.

Da gibt es immer wieder Höhepunkte im Leben, an denen wir uns sicher sind, dass wir wissen, wer Gott für uns ist und wie wir gut an Gott glauben und diesen Glauben leben können. Und dann gibt es wieder Zeiten, in denen wir diesen Glauben infrage stellen. In denen wir Dinge durchdenken und manchmal sogar ganz neu verstehen lernen. 

Glaube ist nicht eine Regelliste, die wir auswendig lernen müssen und dann haben wir alles verstanden. Glaube wächst mit unseren Lebenserfahrungen. Und das braucht Zeit - ein Leben lang!

Moses Gotteserfahrung am Horeb

Mose hatte eine ganz besondere Glaubenserfahrung, von der wir heute gehört haben. Die Geschichte vom brennenden Dornbusch ist euch wahrscheinlich einigermaßen bekannt. Mich hat sie in der Vorbereitung dieser Predigt zum Nachdenken gebracht. 

Mose war mit einer Herde Schafe unterwegs und ist quasi seinem alltäglichen Geschäft nachgegangen. Er war mit den Schafen allerdings in einer besonderen Gegend, am Berg Horeb, manchmal auch Sinai genannt. Dieser Berg ist in der Geschichte des jüdischen Glaubens ein ganz besonderer Ort: Der Berg der Gottesbegegnung. Wie die Griechen in der Antike sich ihre Götter auf dem Olymp wohnend vorstellten, so gibt es im Alten Orient die Anschauung von einem Götterberg, auf dem Gott den Menschen besonders nahe kommt.
Das ist ein bisschen so, wie wir uns das einfach ausgedrückt heutzutage mit Gott und dem Himmel vorstellen.
Gott ist an diesem Ort besonders nah bei den Menschen.

Mose jedenfalls sah etwas Seltsames und wurde so neugierig, dass er sich diese Erscheinung genauer anschauen wollte. Ein Busch stand in Flammen, verbrannte aber nicht. Mose ließ seine Herde und den gewohnten Weg zurück, um sich diesen Busch genauer anzuschauen. Und an diesem Ort begegnete ihm die Stimme Gottes.

Ich frage mich, wie lang Mose wohl bei diesem Busch war. Es kommt in der Geschichte so vor, als ob in dem Moment, als sich das Gespräch entwickelte, die Zeit um Mose herum stillstand. Die Schafherde wird nicht mehr erwähnt - haben die einfach still geweidet?
Mose bekam die Anweisung: „Zieh deine Schuhe aus! Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.“

Ein heiliger Moment

Für Mose war es nicht nur ein heiliger Boden, sondern ein heiliger Moment. Es folgt ein Dialog zwischen Mose und der Stimme Gottes im Busch am Berg. 
Diese Zeit, in der Mose mit Gottes Stimme sprach, änderte sein ganzes Leben.
In der Begegnung mit Gott, wurde Mose plötzlich klar, dass ein Leben an Gottes Seite drastische Veränderungen bringen kann.

Gott gab Mose konkrete Aufträge, die für ihn sicher nicht leicht waren. Den mächtigen Pharao zu konfrontieren und die unterdrückten Sklaven zu befreien. Das könnte Mose das Leben kosten, wenn es schief geht. Selbst Mose erkannte, dass dieser Auftrag für ihn kein leichter sein würde: „Wer bin ich denn, dass ich einfach zum Pharao gehe?“, fragte er Gott.
Wie kann ein einfacher Hirte ein ganzes System umkrempeln, das gewaltsam, beherrschend und ungerecht ist? 

Und doch steckt genau darin die Kraft Gottes. Mit Gottes Hilfe wird Unmögliches möglich. Das ist die Hoffnung des Glaubens. Und Mose wird an die Wunder erinnert, die in der Vergangenheit seiner Vorfahren passiert sind: Abraham, Isaak, Jakob und auch Josef hatten mit Gott an ihrer Seite immer wieder erlebt, dass Dinge sich ändern können und dass selbst die grausamsten Machthaber der Welt bezwungen werden können.

Als Mose sich im Vertrauen auf Gottes Hilfe (und wahrscheinlich mit wackeligen Knien) endlich auf den Weg machte, um den Pharao zu konfrontieren, da erlebte er mehrfach, dass ihn andere Menschen unterstützten, denen er begegnete. Und mit jeder erlebten Unterstützung wuchs auch das Vertrauen, dass Mose auf dem richtigen Weg war.

Glaube braucht Zeit

Der Glaube und das Leben aus dem Glauben brauchen also Zeit - das ist deutlich in der Geschichte von Mose, die ja noch einige Kapitel weitergeht im Buch Exodus.

Zeit ist allerdings kostbar. Und wir erleben in unserem Alltag heutzutage oft, dass uns die Zeit davonläuft. Da wird immer wieder optimiert, damit Zeit gespart wird. 
Lebensmittel werden so hergestellt, dass sie möglichst schnell bereit sind - Fast Food ist weltweit immer noch ein Erfolgskonzept.
Und im Arbeitsalltag ist es oft am wichtigsten, dass Dinge schnellstmöglich erledigt werden. Zeit kostet Geld! 

Gottesbegegnungen sind zeitraubend. Sie durchbrechend unsere Abläufe und Routinen. Sie stellen unser Leben infrage und auf den Kopf. Das hat Folgen. 

Glaube ändert das Leben

Auch im Evangeliumstext lesen wir von diesen Folgen des Glaubens. Jesus trifft es mit diesen Worten eindeutig: »Wer zu mir gehören will, darf nicht an seinem Leben hängen.“
Denn ein Glaube an Gott wird das Leben verändern - immer wieder!

Die Jünger Jesu haben in den vorausgegangenen Bibelversen zwar erkannt, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Und aus diesem Bekenntnis wuchs für einen kurzen Moment Freude und Hoffnung. Aber im heutigen Abschnitt des Evangeliums mussten sie dann die Kehrseite auch erkennen: Wer sich für die Menschen einsetzt und für Menschlichkeit und Liebe, der*die riskiert dabei auch einiges. Und als Jesus gar von seinem bevorstehenden Leiden und der Hinrichtung spricht, da wollen es die Jünger gar nicht mehr so genau hören. Denn jetzt wird der Glaube unbequem.

Petrus, der kurz zuvor noch das Lob Jesu erhalten hatte und die Schlüssel des Himmelreichs versprochen bekommen hatte, der wird jetzt gerügt, weil er diese schwierige Seite des Glaubens nicht hören will. Wer an Gottes Seite und nach Gottes Willen lebt, sollte doch bitte nicht dafür leiden müssen. Das ist doch ungerecht, findet Petrus.

Auch in unserer Welt und in unseren menschlichen Vorstellungen hören wir immer wieder diese Art von Fragen und Kritik am christlichen Glauben. 

Wie kann denn ein guter Gott zulassen, dass Menschen leiden?

In Großbritannien gehen an diesem Wochenende (Anm.: 29.-30.8.2026) die Schlagzeilen rund, dass beim größten christlichen Festival des Landes in dieser Woche ein Metallschild umgefallen ist und einige Menschen verletzt hat - einen christlichen Pastor sogar tödlich.

Sofort hört man die Aufschreie: wie kann so etwas bei einem christlichen Event passiert sein? Hatten die Menschen vielleicht doch nicht den richtigen Glauben? Wieso hat Gott zugelassen, dass genau bei dieser Veranstaltung Schreckliches passiert? Gibt es Gott überhaupt oder ist alles nur ein Irrtum gewesen?

»Weg mit dir, Satan, hinter mich! Du willst mich von meinem Weg abbringen!“ - das ist die Antwort Jesu auf die Aussagen von Petrus. 
Jesus weiß genau, worauf er sich einlässt.

Wer sich für seinen Weg im Leben und durch den Glauben entscheidet, riskiert dabei etwas.
Mose riskierte sein Leben und sein Ansehen mehrmals, während er das versklavte Volk Gottes in die Freiheit führte.
Jesus riskierte mit seiner Kritik an den Obrigkeiten in Synagogen und Politik sein Leben - und musste dafür letztendlich auch sterben. 
Paulus verbrachte viel Zeit in Gefangenschaft, weil er sich für den Weg Jesu einsetzte. Er war mehrfach schlimm krank und wusste, was es bedeutet Hunger zu leiden.

Immer wieder mussten Menschen, die sich auf den Weg Jesu machten, dafür das Leben riskieren. So ging es auch Martin Luther und den Reformatoren. Ja, auch John Wesley wurde körperlich angegriffen und von fanatischen Christen seiner ursprünglichen Kirche verfolgt.

Glaube bringt Risiken

Wer sich für die Liebe und das Leben einsetzt, setzt dabei das eigene bisherige Leben aufs Spiel. 
Für uns heutzutage ist es zumindest in Österreich oder Deutschland normalerweise nicht so riskant, als Christ*in zu leben. 
Aber in einem kleineren Ausmaß riskieren auch wir immer wieder etwas für unseren Glauben. Beziehungen werden auf die Probe gestellt, wenn Glaube unterschiedlich verstanden und gelebt wird. Arbeitgeber sind nicht immer tolerant, wenn der Gottesdienstbesuch im Dienstplan Platz finden soll. Familienbudgets kommen an ihre Grenze, wenn Spenden für kirchliche oder karitative Zwecke zu Einschränkungen führen. 

Warum also entscheiden sich Menschen bei all diesen Schwierigkeiten trotzdem für ein Leben in den Fußspuren Jesu?

Glaube bringt Heil

„Wer sich aber zu mir bekennt und deshalb sein Leben verliert, wird es erhalten.“, verspricht Jesus seinen Jüngern. 
Im Glauben erfahren wir ungeahnte Kraft. Wir erleben die Wunder Gottes im Kleinen und manchmal auch im Großen. 
Wir spüren einen Halt und eine Hoffnung, die wirklich nicht von dieser Welt sind.

Wer sich bewusst für ein Leben in der Gemeinschaft Christi entscheidet, erlebt wie Mose einen heiligen Moment. Da wird etwas spürbar von der Wirkung des Glaubens, das nur von Gott stammen kann. 
Wir erleben einen göttlichen Schimmer in unseren Alltagsmomenten. John Wesley fühlte, wie sich sein Herz erwärmte durch die Liebe Gottes. 

Was nach weltlichen Maßstäben wichtig ist, verliert seine Anziehungskraft, wenn wir unser Leben auf Gott ausrichten. Das ist das Leben, das wir erhalten: ein Leben, das erfüllt ist vom Geist Gottes, von der Kraft Gottes, von der Hoffnung auf Gottes Güte und Treue.

Manche Ansprüche auf Macht und Einfluss verlieren wir sicher als Menschen, die im Sinne Gottes Leben. Aber wir gewinnen ein Leben in Gemeinschaft, in Solidarität, in Liebe.

Und diese Art von Leben und Glauben, die feiern wir heute ganz ausgiebig und jeden Sonntag! (Anm.: es folgte das Sommerfest der EmK Salzburg)
Amen.

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