Welche Art von Ernte ist Gott wichtig?

Glaubensimpuls

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Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Erntedankpredigt über die Schöpfung, über Weinberge, Honig, das Leben - und Mt 21, 33-46 & Psalm 19 

Mt 21, 33-46  Das Gleichnis von den Pächtern des Weinbergs

»Ich erzähle euch noch ein Gleichnis: Ein Grundbesitzer legte einen Weinberg an. Er baute eine Mauer darum, hob eine Grube als Kelter aus und errichtete einen Wachturm. Dann verpachtete er ihn und ging auf Reisen. Als die Zeit der Weinlese kam, schickte der Besitzer seine Knechte zu den Pächtern. Sie sollten seinen Anteil an der Ernte abholen. Aber die Pächter packten die Knechte: Den einen verprügelten sie, den anderen töteten sie und den dritten steinigten sie. Daraufhin schickte der Besitzer noch einmal Knechte – mehr als beim ersten Mal. Aber die Pächter machten mit ihnen genau das Gleiche.

Schließlich schickte er seinen Sohn zu ihnen, denn er sagte sich: ›Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.‹ Doch als die Pächter den Sohn kommen sahen, sagten sie zueinander: ›Er ist der Erbe. Kommt, wir töten ihn, dann gehört sein Erbe uns.‹ Sie packten ihn, warfen ihn hinaus vor den Weinberg und töteten ihn. Wenn nun der Weinbergbesitzer kommt, was wird er mit diesen Pächtern machen?«

Sie antworteten Jesus: »Er wird diese Verbrecher töten und den Weinberg anderen Pächtern geben. Die werden ihm zur Zeit der Weinlese seinen Anteil an der Ernte abliefern.«

Weiter sagte Jesus zu ihnen: »Ihr kennt doch die Stelle in der Heiligen Schrift: ›Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Grundstein geworden. Der Herr hat ihn dazu gemacht. Es ist ein Wunder in unseren Augen.‹Deshalb sage ich euch: Gott wird euch das Reich Gottes wegnehmen. Er wird es einem Volk geben, das Früchte hervorbringt, die dem Reich Gottes entsprechen. Wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert. Und auf wen dieser Stein fällt, wird zerdrückt.«

Die führenden Priester und die Pharisäer hörten sich die beiden Gleichnisse an. 
Sie verstanden, dass Jesus von ihnen sprach. Deshalb hätten sie ihn am liebsten verhaften lassen, aber sie fürchteten sich vor der Volksmenge. Denn die Menschen hielten Jesus für einen Propheten.

(Dieser Text ist zitiert aus der BasisBibel)

Es ist die Zeit der Weinernte oder Weinlese, wie man sagt - auch bei uns in Österreich oder in Deutschland. Da passt es ja gut, dass wir letzte Woche (Anm: am 27.9.) und heute (4.10.) wieder Gleichnisse hören, die vom Weinberg erzählen.

Weinberge und Weinstöcke heute und zu biblischen Zeiten

Vor nicht allzu langer Zeit bin ich in Wien in den Weinbergen spazieren gegangen. Ich hatte gar nicht erwartet, dass es in Wien so viele Weinstöcke und so viele kleine Heurigen gibt! Da hab ich wieder einmal etwas gelernt! Leider war der Boden noch sehr staubig und trocken - ein Zeichen des vergangenen Sommers, der hierzulande wirklich sehr trocken war. Was mich überrascht hat: die Weinstöcke standen fest verwurzelt im Berg und trugen trotz der Trockenheit des Sommers ihre Früchte. Es waren keine Bewässerungsanlagen zu sehen - trotzdem haben es die Weinstöcke geschafft zu wachsen und standhaft zu bleiben.

Weinstöcke sind in der Bibel ein wichtiges Symbol für Standhaftigkeit und Verankerung im Leben und im Glauben. Sie wuchsen zur Zeit Jesu in den Weinbergen und Weingärten ihrer Besitzer und waren wertvolle Besitztümer.


Weinberge wurden meist auf einem Hügel oder an einem Berghang angelegt. Üblicherweise wurde um den Weinberg ein Zaun oder eine Mauer gezogen und im Weinberg ein Wachturm gebaut,  um den Weinberg besser überblicken und z. B. vor wilden Tieren oder Dieben schützen zu können.  Meist wurde im Weinberg eine Grube, die sogenannte Kelter, zum Auspressen der Trauben angelegt. So konnten die geernteten Trauben direkt vor Ort weiterverarbeitet werden.


Ein Weinberg braucht viel Pflege. Versäumt man es, den Boden zu hacken und die Reben zu beschneiden, bekommt man nur kleine, saure Trauben.  Eine große Rolle spielt die Bewässerung des Weinbergs: Besonders im Winter brauchen die Weinstöcke viel Wasser, damit der Boden gut durchfeuchtet ist, wenn im Frühjahr die Blätter erscheinen und die Triebe wachsen. Ist das Wasser im Boden verbraucht, ehe das Wachstum abgeschlossen ist, werden die Blätter und jungen Triebe welk und vertrocknen. Zudem muss man die Erde zwischen den Weinstöcken aufhacken, um das Unkraut unter Kontrolle zu halten. Das Unkraut nimmt sonst den Reben die Feuchtigkeit weg und behindert ihr Wachstum. 
Weinberge sind also arbeitsintensiv. Sie brauchen Betreuung und Pflege.

Die Geschichte vom Weinberg - eine Deutung mit 1. Mose (Genesis) 1:

Schauen wir vor diesem Hintergrund auf das Gleichnis, das Jesus erzählt:
Da geht es um einen reichen Mann, der sich einen Weinberg anlegt. Er hat ein passendes Grundstück erworben und macht sich an die Arbeit, dieses in einen Weinberg zu verwandeln. In der Erzählung ist es die harte Arbeit des Besitzers, die den Weinberg zum Leben bringt.  
Und als die Arbeit getan ist, möchte sich der Besitzer zurücklehnen und von den Erträgen seines Weinbergs leben. Also verpachtet er ihn an Menschen, die Arbeit suchen, damit sie den Weinberg pflegen und die Früchte ernten.

Vielleicht entdeckt ihr schon die Parallelen zu den Schöpfungsgeschichten im 1. Buch Mose? Zu Gott, der als Schöpfer die Welt formt und mit Leben füllt? Als die schöpferische Arbeit getan ist, ruht Gott und betrachtet alles, was er gemacht hat. Er genießt die Früchte seiner Arbeit und überlässt das Bewirtschaften der Erde den Menschen.
Sowohl im Fortlauf der Schöpfungsgeschichte, als auch im Gleichnis vom Weinbergbesitzer nimmt die Geschichte jedoch einen ungünstigen Lauf.

Die Menschen im Garten Eden werden gierig und wagen es, die Grenzen zu überschreiten, die Gott ihnen gesetzt hatte. Sie sind nicht zufrieden mit dem, was sie haben, sondern sie wollen mehr.

Die Pächter im Weinberggleichnis sind auch nicht zufrieden mit dem Anteil an Erträgen ihrer Arbeit, der ihnen zusteht. Sie wollen sich nicht an die Abmachung mit dem Weinbergbesitzer halten, sondern alles für sich behalten und nichts abgeben von der Ernte.
Auch hier spüren wir die Gier der Menschen, die zu Unheil führen wird.

Menschliche Gier und göttliche Gnade

Im Garten Eden erkennen die ersten Menschen ihren Fehler und verstecken sich vor Gott. Sie merken, dass sie falsch gehandelt haben. Und das paradiesische Leben ist nicht mehr wie es war. 
Im 1. Buch Mose wird erzählt, dass Gott die Menschen aus dem Garten Eden verstößt. Sie müssen jetzt anderswo auf der Erde hart arbeiten, um sich mit Nahrung zu versorgen und davon leben zu können.
Wie das Leben immer wieder Herausforderungen für die Menschen bringt, davon erzählen die weiteren Geschichten in unserer Bibel.

Was nicht erzählt wird, aber in der jüdischen Literatur vorkommt, ist die Weitererzählung von der Geschichte vom Garten Eden.
Da gibt es eine Fortsetzung dieser Geschichte von Adam und Eva. Nachdem Gott sie aus dem Paradies verstoßen hat, spürt Gott, dass der Garten sich leer anfühlt ohne die Menschen. Und Gott fühlt sich einsam ohne sie. Die Tiere können die menschliche Gesellschaft nicht ganz ersetzen. Und so wird erzählt, wie sich Gott selbst auf den Weg macht, den Garten Eden verlässt und die Menschen suchen geht.
Mir gefällt diese Fortsetzung der Geschichte. Sie erklärt, warum Gott immer wieder barmherzig ist mit seinem Volk, auch wenn es noch so viele schlechte Entscheidungen trifft.

Im Gleichnis vom Weinberg erzählt Jesus, wie der Besitzer letztendlich den eigenen Sohn zu den bösen Pächtern schickt - doch auch ihn bringen sie um.

Im Matthäusevangelium wird hier schon deutlich, dass Jesus selbst dieser Sohn des Besitzers ist, der sein Leben hingeben wird. Doch das wird nicht das Ende sein.
Jesus zitiert im Gleichnis folgenden Vers:  ›Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,  ist zum Grundstein geworden. Der Herr hat ihn dazu gemacht. Es ist ein Wunder in unseren Augen.‹“

Jesus warnt die religiösen Machthaber seiner Zeit davor, ihn einfach zu verwerfen. Denn Gott selbst wird entscheiden, was er aus der Situation macht, in die sich die Menschen gebracht haben.

Und nun geht es nicht mehr um Weintrauben und die Ernte der Früchte im Weinberg.
Nun geht es um die Ernte in unserem Leben. Was für uns Menschen unwichtig ist, kann mit Gottes Hilfe zum Grundstein für neues Leben werden.

Was für eine Ernte wünscht sich Gott von uns?

Wenn wir zurückblicken auf unser Leben: welche Früchte können wir erkennen?  
Wo konnte etwas wachsen und gedeihen, auf das wir stolz sind?
Und welche Früchte sind es, die für Gott wertvoll sind?
In welche Ernte lohnt es sich zu investieren?
Was sind denn Früchte, die dem Reich Gottes entsprechen?

Der Psalmist gibt uns dazu ein paar Anhaltspunkte:
„Die Weisung des Herrn ist vollkommen: Sie schenkt neue Kraft zum Leben.“

Da geht es also um Dinge, die Kraft geben im Leben. Darum, Menschen Mut zu machen. Ihnen zu ermöglichen, sich selbst als wirkmächtig zu erleben. 
Ich habe hier besonders die Bewohner*innen vom Diakoniewohnheim für Menschen mit Behinderungen vor Augen.

Mit viel Liebe und Fürsorge werden sie nicht von früh bis spät bedient, sondern sie werden mit ihren Fähigkeiten eingebunden in Arbeitsbereiche wie die Werkstatt, oder die Küche des Kulinarium Caterings. Für jede einzelne Person werden Aufgabenbereiche erstellt, sodass sie alle mit ihren ganz eigenen Fähigkeiten etwas erschaffen und beitragen können.

Wenn ich dort Andachten leite, in meiner Rolle als Seelsorgerin, dann freut es mich immer besonders, wenn ein Mensch im Rollstuhl, der stumm und teilweise gelähmt  ist, mit seinen Augen über einen Bildschirm fährt und uns so mithilfe einer Maschine Gebete vorliest. Als er das erste Mal seine Fürbitte in der Andacht hörte, war er so begeistert, dass er sie gleich dreimal vorgelesen hat!

„Die Anweisungen des Herrn sind einfach:  Sie erfüllen das Herz mit Freude.
Die Gebote des Herrn sind eindeutig: Sie lassen die Augen leuchten.“

Wenn ich sehe, wie Menschen eine Aufgabe erfüllen können und sich einbringen können in ihr Umfeld, dann sehe ich auch die Freude und das Strahlen in ihren Augen.

Wenn ich sehe, mit welcher Freude wir Gottesdienste feiern oder auch Feste feiern, dann sehe ich auch uns alle strahlen. Das ist für mich und für uns als Gemeinde die Ernte, die dem Reich Gottes entspricht.

Möge uns diese Freude immer wieder leiten. Amen.

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