Mut in Minneapolis
Glaubensimpuls

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk
Nachrichten aus Minneapolis – 24.-25.1.2026
Liebe Predigt-Leser*innen,
Ich bekomme Bilder nicht aus meinem Kopf, die ich in den Nachrichten gesehen habe.
Vielleicht habt ihr sie auch gesehen?
Berichtet wird von ca. 100 Geistlichen aus unterschiedlichen Konfessionen in den USA, die sich mutig auf den Weg nach Minneapolis gemacht haben, um dort gegen die brutale Vorgehensweise der Behörde ICE zu demonstrieren.
Sie standen vor dem Flughafen, um den Zugang zu blockieren und so die geplanten Abschiebungen von Menschen mit Migrationshintergrund zu verhindern.
Was für einen Mut und was für einen Zusammenhalt unter den verschiedenen Kirchen sehen wir dort!
Was für eine Liebe zu Menschen, die momentan unterdrückt werden (oft rein aus Verdacht und komplett zu unrecht).
Einheit der Christ*innen
Wir befinden uns Ende Jänner am Ende der weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen. Und ich muss zugeben: Was in Minneapolis als Beispiel der Einheit sichtbar ist, berührt mich mehr als alle (wunderbaren!) Gottesdienste, an denen ich in dieser Woche teilgenommen habe!
Auch in unserem Friedensgebet hier in der EmK in Salzburg haben wir uns über die Situation in den USA informiert und für alle gebetet, die dort derzeit in Angst leben.
Ich denke auch heute an sie und an ihre kirchlichen Netzwerke.
Ich denke an ihre mutigen Pastor*innen.
Wie hören sie die Worte aus Psalm 27?
Was werden sie wohl darüber predigen?
„Der Herr ist mein Licht und mein Glück.
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist der Schutz meines Lebens.
Vor wem sollte ich erschrecken?“
Angst & die Worte der Psalmen
Diese Psalmworte sind leichter gehört und gesagt, als tatsächlich im eigenen Leben angewandt!
Wer Menschen in Angst und Furcht versetzen kann, hat eine mächtige Waffe.
Angst kann Menschen in eine Schockstarre versetzen. Angst kann Menschen lähmen und gefügig machen.
Die Tyrannen unserer Weltgeschichte wissen das von jeher, dass genug Gewalt und Einschüchterung den Widerstand verhindern.
Auch die Psalmen in unserer Bibel nehmen an vielen Stellen das Thema Angst auf.
Oft lesen wir im Gottesdienst nur die tröstenden, angenehmen Verse der Psalmen.
Und doch wird gerade in den Psalmen die gesamte Palette der menschlichen Gefühle aufgenommen. Angst, Furcht, Trauer, ja auch Verzweiflung, haben dort einen Platz.
In Psalm 27 lesen wir von dem unglaublich großen Vertrauen, dass der/die Betende in Gott, den HERRN, legt:
"Wenn die Übeltäter an mich wollen,
mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde,
müssen sie selber straucheln und fallen.
Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert,
so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht;
wenn sich Krieg wider mich erhebt,
so verlasse ich mich auf ihn.“
In den Psalmen finden unsere eigenen Ängste, Sorgen und Zweifel einen Platz.
Wir leben hier in Österreich und Bayern vielleicht mit anderen Ängsten und Sorgen als die Menschen in Minneapolis oder in der Ukraine, oder im Iran. Aber auch wir machen uns Gedanken über Dinge, die uns beunruhigen.
Auch wir haben das Weltgeschehen und die Entwicklung der Menschheit und des Planeten nicht in der Hand.
Wir lassen uns verunsichern. Die Zeit scheint immer schneller zu laufen und eine Schreckensnachricht nach der nächsten verbreitet sich in Sekundenschnelle in unseren Nachrichten. Auch wir spüren den unglaublichen Druck, die Last des Weltgeschehens.
Die Kraft der Psalmen
Wie gehen wir mit diesen vielen Nachrichten um?
Was können wir tun, damit uns diese Sorgenlast nicht erdrückt?
Die Psalmen sind da ein besonderer Schatz unserer Bibel.
Sie waren schon zu ihrer Entstehung als poetische Texte, die gesungen werden können, verfasst.
Das gemeinsame Singen dieser Glaubenslieder kann eine starke Kraft in der Gemeinschaft vermitteln. Wir spüren Hoffnung, wenn wir miteinander von Gott singen. Wenn wir darauf vertrauen, dass sich das Leben auch wenden kann.
Wenn wir gemeinsam beten und wissen, dass wir nicht allein sind mit unseren Ängsten und mit unserer Hoffnung.
Sehnsucht nach Glaube & Gemeinschaft
Schon seit einiger Zeit entwickelt sich in manchen Ländern Europas der christliche Glaube auf eine eher unerwartete Weise:
Die junge Generation, die als „Generation Z“ bezeichnet wird (das sind die heutigen Jugendlichen ab 16 Jahren und jungen Erwachsenen), ist deutlich interessierter, den christlichen Glauben zu entdecken, als die Generationen davor. In Ländern, die zunehmend säkularisiert waren, wie Großbritannien oder auch Frankreich, kehrt sich der Trend um. Junge Menschen zeigen zunehmend Interesse an Gottesdiensten und wollen getauft werden und sich den Kirchen anschließen.
Was bewegt diese Umkehr? Woher kommt diese Art von neuer Erweckungsbewegung?
Sicherheit in einer unsicher wirkenden Welt
Ich denke, sie hat viel mit unserem Psalm und dem Weltgeschehen zu tun.
Die jungen Generationen heutzutage wachsen in einer Welt auf, die nicht mehr von den großen Hoffnungen der Nachkriegszeit geprägt ist.
Sie wachsen in einer Situation auf, in der ihnen klar wird, dass sich einiges grundlegend ändern wird.
Für manche sind die Sorgen politischer Natur – wachsender Extremismus, weniger Toleranz, Abgrenzung statt Aufeinander zugehen…
Für andere sind es Sorgen um das Klima: Extrem-Wetterereignisse nehmen stark zu, denen die Menschheit oft hilflos ausgeliefert ist. Die Wissenschaft liefert immer neue Prognosen über den Klimawandel und den Zusammenhang mit der Erderwärmung, die verheerende Folgen hat.
Wieder andere sehen Kriege und Gewalt in den Medien und fragen sich: Sind wir überhaupt sicher in dieser Welt?
Nun sind all diese Themen nicht nur für junge Menschen relevant, sondern betreffen uns alle. Aber gerade in der Kindheit und Pubertät, in der sich so vieles im Körper und Gehirn entwickelt, suchen junge Menschen Hoffnung und Stabilität.
Und wenn das eigene Umfeld, das eigene Land, ja die Welt keine Hoffnung bietet, woran kann man sich dann noch festhalten?
Die Telefonseelsorge und besonders die Kids Line berichten, dass die Fälle von Depressionen und Suizidgedanken unter Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren stark ansteigen.
Kein Wunder, wenn man mit diesen Ängsten und Sorgen aufwächst. Wenn es vielleicht kein Umfeld gibt, das glaubhaft auch nur irgendeine Zukunftsperspektive vermitteln kann, die Hoffnung macht.
Genau deswegen hat der Glaube, und besonders der christliche Glaube, eine neue Aktualität gewonnen. Die biblischen Texte vermitteln eine Hoffnung, die nicht in der Menschheit allein liegt. Sie nehmen die Grausamkeiten des Lebens auf und zeigen, dass unsere Hoffnung für die Welt nicht von dieser Welt ist.
Ändert euer Leben!
In Jesus Christus wurde diese Hoffnung in eine göttliche, ewige Perspektive und Zukunft besonders spürbar.
Im Evangeliumstext, der mit diesem Psalm in der Leseordnung steht (Matthäus 4,12-17), lesen wir, wie auch Jesus mit Sorgen über die Gefangennahme von Johannes dem Täufer konfrontiert war.
Und wir lesen, dass sich Jesus zunächst einmal zurückzog. Er ging zurück nach Galiläa und gewann so einen gewissen Abstand. Aber er versteckte sich nicht, sondern zog weiter und verkündete Hoffnungsbotschaften: „Das Volk, das in der Finsternis lebt, sieht ein großes Licht … Ändert euer Leben! Denn das Himmelreich kommt jetzt den Menschen nahe.“ (Mt 4,16-17, BasisBibel)
Ändert euer Leben, sagt Jesus.
Diese Worte gelten auch uns.
Leben im Licht der Hoffnung
Auch wir sind eingeladen, im Licht unseres Glaubens zu leben. Uns nicht von den Ängsten und Sorgen der Welt lähmen zu lassen.
Wenn mir die Nachrichten zu viel werden, die ich aus aller Welt höre, dann muss ich sie besser dosiert lesen oder anschauen. Aber ich kann sie nicht einfach ignorieren – auch das wäre eine Reaktion, die mich lähmt.
In unserem ökumenischen Friedensgebet der EmK Salzburg nehmen wir jede Woche eine bestimmte Region oder bestimmte Menschen in unseren Fokus. Wir schauen nicht weg, sondern wenden uns ihrer Situation zu. Und dann legen wir sie von uns ab und bringen sie vor Gott im gemeinsamen Gebet.
Wir bestärken einander in der Hoffnung, die uns unser Glaube schenkt.
Wir erinnern einander an die Zusagen Gottes in den biblischen Texten.
Wir ermutigen einander, auf unsere Mitmenschen im Sinne Jesu zuzugehen.
Glaube ist Liebe...
Wer Jesus nachfolgt, lässt sich von seiner Liebe anstecken.
Und diese unglaubliche Liebe für die Mitmenschen, die sich in einer Betroffenheit für ihr Leiden ausdrückt, die ist stärker als alle Angst.
Liebe kann die Welt verändern – da bin ich mir sicher!
Liebe kann Herzen verändern und Situationen wenden.
Gott ist die Liebe – und wer in der Liebe lebt, lebt durch den Glauben.
John Wesley, der selbst auch nicht unter den leichtesten Bedingungen lebte, hat es so ausgedrückt: „Glaube ist Liebe, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Er ist die fröhlichste und heiterste Sache der Welt. Er ist völlig unvereinbar mit Griesgrämigkeit, Missmut und Hartherzigkeit.“
Wir müssen nicht alles in der Hand haben in unserer Welt – sondern wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns alle in und an der Hand hat!
Lassen wir uns die Hoffnung und die Freude nicht nehmen.
Sondern leben wir jeden Tag fest verankert im Licht der Liebe Gottes, wie es Jesus Christus uns lehrt.
Amen.
Fotos der Geistlichen beim gemeinsamen Gebet am Flughafen und Artikel der United Methodist News: https://www.umnews.org/en/news/us-pastors-stand-against-federal-crackdown
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