Gedankenstrich September 2026
Glaubensimpuls

Bischof Mittel- und Südeuropa

Auch in diesem Sommer packten Kinder, Jugendliche und Erwachsene in vielen Ländern unserer Regionalkonferenz ihre Rucksäcke und Taschen, um für einige Tage ihr gewohntes Zuhause gegen das Lagerleben einzutauschen. So auch in der Schweiz, wo ca. 1100 Personen das 10-tägige Schweizertreffen der Jungschar erlebten. Es stand unter dem Thema «Ein tierisches Treffen». Im Mittelpunkt standen biblische Geschichten, in denen Tiere die Hauptrolle spielen. In Gleichnissen, beispielsweise, hat Jesus ja sehr anschaulich von Spatzen, Füchsen, Kamelen und anderen Tieren erzählt.
Vielleicht hätte er, wenn er Elefanten, Delphine, Schimpansen oder afrikanische Wildhunde gekannt hätte, auch von ihnen erzählt, und davon, wie sie aufeinander achten und füreinander sorgen. Von den Elefanten, die verletzte Herdenmitglieder in ihre Mitte nehmen und so schützen. Oder die steckengebliebenen Kälbern gemeinsam aus dem Schlamm helfen. Von den Delphinen, die geschwächte Artgenossen gemeinsam an der Wasseroberfläche halten, damit sie nicht ertrinken. Von den Schimpansen, die das Futter nach der Jagd teilen und nach Kämpfen die Verlierer trösten. Von den afrikanischen Wildhunden, die alte und kranke Tiere nicht einfach ihrem Schicksal überlassen, sondern mitversorgen.
Vermutlich hätte Jesus auch mit diesen Beispielen aus der Tierwelt von Gottes neuer Welt erzählt, und er hätte die Verhaltensweise der Tiere als Bild dafür gebraucht, wie in Gottes neuer Welt auch die Menschen liebevoll miteinander umgehen und ganz besonders auf die Schwächsten achten.
In einer Welt, wo an manchen Orten vermeintlich «Starke» rücksichtslos ihre Macht missbrauchen, um sich auf Kosten anderer Menschen und der Schöpfung zu bereichern, durch die Verfolgung ihrer politischen Ziele die Gesellschaft tief spalten, jene diskriminieren und entwürdigen, die nicht ihre Überzeugungen teilen oder schlicht anders sind, angesichts all dessen ist es dringend nötig, die gute Botschaft von Jesus laut und deutlich zu sagen und vor allem zu leben.
Ich bin von Herzen dankbar, dass das im Schweizertreffen und in allen anderen Camps einmal mehr geschehen ist. So viele unterschiedliche Menschen zusammen! In einer so tollen, friedvollen Atmosphäre. Ein so grossartiges Miteinander! Da wurde – im Unterschied zu vielen Orten auf dieser Welt – Gottes Liebe erlebbar. Diese Gegenerfahrung brauchen wir, diese Kontrast-Erfahrung braucht die Welt!
Bischof Stefan Zürcher
Foto: «Storchennest» im Schweizertreffen der Jungschar (© www.str.jemk.ch)
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