Gedankenstrich Januar 2026
Glaubensimpuls

Bischof Mittel- und Südeuropa

Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Offenbarung 21,5)
Ein ermutigender Zuspruch, die Jahreslosung 2026! Und treffend in einer Zeit, in der in der Welt so manches drunter und drüber geht. Wie gut, dass Gott nicht wegsieht. Wie gut, dass er angefangen hat, die in Unordnung geratenen Dinge neu zu ordnen und Schalom zu schaffen – die Welt heil und ganz zu machen. »Siehe, ich mache alles neu.« Er ist dran und wird vollenden, was er begonnen hat! Ob wir es wahrnehmen? Ob wir ihm zu vertrauen wagen?
Beim Recherchieren zur Jahreslosung bin ich auf folgende Aussage gestoßen: »Siehe, ich mache alles neu. Mach mit.« – Mmh, war mein erster Gedanke, ich soll mitmachen beim Neumachen? Schön und gut, aber nein, mir landet da zu schnell auf meiner To-do-Liste, wozu nur Gott in der Lage ist, und was doch seine Sache ist! Ich mache neu, sagt Gott doch!
Mein zweiter Gedanke: Falsch ist die Aufforderung mitzumachen allerdings nicht. Sind wir gemäß Paulus nicht Mitarbeitende von Gott? Das betonen wir Methodistinnen und Methodisten doch auch, wenn wir sagen, dass Gottes Gnade uns befähigt, mit ihm zu wirken. Nur, das ist in dieser unmittelbaren Aufforderung etwas gar verkürzt dargestellt. Zumindest muss daran erinnert werden, was Paulus auch sagt, nämlich dass, wer zu Christus gehört, selbst schon Teil des Neuen ist, das Gott schafft. Dann sieht die Sache schon anders aus. Als verwandelte, neue Geschöpfe sind wir befähigt, tastend einzuüben und immer besser mitzutun, was Gott am Herzen liegt, wofür sein Herz brennt, was er schafft.
Gott macht alles neu. Wer will da – als neuer Mensch mit einem verwandelten Herzen – mit seinen (begrenzten) Möglichkeiten nicht mitmachen, Jesus auf seinem Weg folgen und – ich zitiere aus dem Vision Statement der weltweiten EMK – »kühn lieben, bereitwillig dienen, entschlossen vorangehen«? Kühn lieben: Gott von Herzen lieben und sich den Menschen zuwenden und sie annehmen, egal wer sie sind. Bereitwillig dienen: Sich mit den Schwächsten in gegenseitiger Fürsorge auf den Weg machen. Entschlossen vorangehen: Sich den Strukturen des Bösen, der Ungerechtigkeit und Unterdrückung widersetzen und sich für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung einsetzen.
Von Herzen wünsche ich, dass wir im neuen Jahr vom Wirken Gottes so ergriffen und bewegt werden, dass wir dankbar und fröhlich mitmachen, wo Gott Neues schafft. Gerade auch dort, wo alles noch beim Alten zu bleiben scheint.
Bischof Stefan Zürcher
Foto: Pixabay