Everybody Wants to Go to Heaven...

Glaubensimpuls

Bild von Antje Klein
Antje Klein

Pastorin


Predigt am 11.10.2026 in der EmK Gemeinde Wien-Fünfhaus über den Song "Everybody Wants to Go to Heaven, But Nobody Wants to Die" in Verbindung mit Johannes 12,20-26 und Philipper 4,1-9 (Lesungen) 

Everybody wants to go to heaven, but nobody wants to die…

Mit dieser Liedzeile kehren wir, liebe Gemeinde, noch einmal an den Anfang des Gottesdienstes zurück: Das Lied (im Original von Loretta Lynn) habt ihr, liebe EmK-Country-Gospel-Band, ganz am Anfang gespielt. Ich hab es mir in der Vorbereitung auf diesen Sonntag ziemlich oft angehört, und wir hören noch einmal rein… (die Band hat es für uns noch einmal angespielt).

Ein cooles Lied, finde ich. Macht Lust, mitzusingen, mit eingängigem Refrain: "Everybody wants to go to heaven, but nobody wants to die… " Auf Deutsch: "Jeder will in den Himmel kommen, aber niemand will sterben." Ein Satz, der, so habe ich es jedenfalls im Internet gelesen, in den USA mittlerweile zu einem geflügelten Wort geworden ist. „Jeder möchte in den Himmel kommen, aber niemand will sterben.“

Irgendwie klar. Also mir jedenfalls. Ich will nicht sterben, auf jeden Fall jetzt noch nicht, aber in den Himmel kommen möchte ich schon einmal. Ich habe auch so Vorstellungen davon, wie das sein wird. Viele Bilder in mir drin. Himmel – ich stell mir jedenfalls vor, dass ich, dass wir dann ganz in der Liebe Gottes geborgen sind. Und das möchte ich schon. Irgendwann. Bis in die Ewigkeit. Aber jetzt noch nicht. 
 

"Everybody wants to go to heaven, but nobody wants to die." Natürlich ist das auch etwas plakativ formuliert: Jeder, jede, niemand. Es kann ja sein, dass das gar nicht stimmt. Wenn ich in den vergangenen Jahren hochbetagte Menschen besucht, begleitet habe, dann haben sie mir manchmal schon gesagt: "Ich möchte sterben." Manchmal hat sie noch etwas gehalten auf dieser Welt. Manchmal war noch was zu tun. Aber irgendwann war es so weit, und sie haben losgelassen. Sie waren im Frieden mit ihren Lebenstagen und dass die jetzt an ihr Ende kamen und konnten hinüber gehen, in den Himmel. Sich auf die Bank im himmlischen Garten setzen und Gott hat sie gefragt: "Na, angekommen?" So hab ich mir das manchmal vorgestellt. Diese Menschen sind alt und lebenssatt gestorben. Ihr Tod stand am Ende eines langen Prozesses. Eine wirkliche Wahl hatten sie wohl nicht: Willst du das? Das Leben hat einfach seinen Lauf genommen, und das Altwerden hat über die letzte Schwelle in die Arme Gottes geführt. Auch so ein Bild vom Himmel.

„Jeder möchte in den Himmel kommen, aber niemand möchte sterben.“ 

Im Internet habe ich nachgesehen, wie dieses Lied, wie diese Liedzeile gedeutet wird. Meistens offenbar nicht so, dass sie mit dem wirklichen Sterben etwas zu tun hat:

Diese Zeile „bedeutet, dass Menschen zwar die positiven Ergebnisse, den Erfolg, den Frieden oder ein besseres Leben wollen, aber den dafür nötigen Aufwand, Schmerz, die Anstrengung oder die Veränderung scheuen.“ Dazu gehören erstens der „Wunsch nach dem Ziel ohne den Weg: Alle sehnen sich nach einem glücklichen, stressfreien oder erfolgreichen Zustand (den 'Himmel'), aber niemand ist bereit, die harten Vorarbeiten, Risiken oder den Abschied von alten Gewohnheiten (den 'Tod') auf sich zu nehmen.“ Zweitens wird gedacht an die „persönliche Transformation …: Der 'Tod' steht hier oft für das Loslassen von Bequemlichkeit, Egoismus oder schlechte[n] Gewohnheiten. Um ein besserer oder erneuerter Mensch zu werden, muss das alte Ich symbolisch 'sterben'.“ Und drittens geht es um „Spiritualität und Glaube: Im religiösen Kontext erinnert der Ausspruch daran, dass das ewige Leben oder Gottes Segen oft mit Selbsthingabe, Glauben oder dem Tragen von Prüfungen und Verantwortung verbunden ist, anstatt nur die Belohnung zu erwarten.“ (So hat es meine Google-Suche ergeben.)

Hm. Auch wenn natürlich etwas Wahres dahinter steckt, klingt das so in meinen Ohren ziemlich moralisch. Ich habe nichts gegen Moral, gegen ein Ethos und Werte, die Menschen in der Welt verwirklichen möchten, im Gegenteil, ich finde, es gibt einiges, was wir auf dieser Welt moralisch, ethisch gesehen besser machen könnten, weil es uns als Menschen und auch als Christinnen und Christen aufgetragen ist. Und wir brauchen Moral, um miteinander leben zu können. Immer wieder müssen wir uns darüber verständigen! Was ist gut? Was bedeutet das, Gutes zu tun? Aber eine Moral, die diesen Satz so deutet, ist mir zu einfach und vor allem zu plakativ: Niemand will sich anstrengen? Jeder will das Ende, aber nicht den Prozess? Na ja. Ich sehe ja, wie viele Menschen sich anstrengen an jedem Tag. Eltern, die geduldig mit ihren Kindern sind, auch wenn das manchmal so schwer ist. Bei den Hausaufgaben, von denen es gestern wieder besonders viele gab. (Vorhin in der Kindergeschichte haben wir von diesen Hausübungen gehört – und was die Kinder so anstrengt, strengt ja oft auch die Eltern an!) Beim Streit mit dem Bruder und beim Ins-Bett-Bringen. Ich seh die Kinder, die ihr Bestes geben in der Schule, die sich anstrengen, die manchen Kommentar einstecken, von Mitschülerinnen oder von Lehrern, und die trotzdem hingehen, jeden Tag, und versuchen, zu bestehen. Ich seh die erwachsenen Kinder, die ihren alten Eltern helfen oder sie pflegen. Oft über Jahre hinweg. Ich seh die Menschen, die sich jeden Tag überwinden müssen, aus dem Bett aufzustehen, und sie tun es doch. Ich seh die Menschen in einer Gemeinde, die sich einsetzen und beitragen, dass etwas so werden kann wie es wird. Zum Beispiel bin ich froh, dass ich gestern Abend nicht alleine hier war! Und ich bin froh, dass ihr, liebe Band, ebenso wie alle Musikerinnen und Musiker, die sonst bei uns im Gottesdienst spielen, viel Lebenszeit fürs Üben, fürs Proben eingesetzt haben, ganz abgesehen vom Geld für Unterricht und Instrumente, und ja, man kriegt irgendwann mal die Hornhaut auf den Fingern bei einem Saiteninstrument, aber bis dahin tut es auch manchmal weh, und nicht immer ist das Üben eine Spaßveranstaltung. Wie schön, dass ihr das getan habt und wir euch heute hier hören können!
Ich weiß schon: Man kann es immer besser machen, sich immer mehr anstrengen, und irgendwie ist es gefühlt sowieso nie genug, so haben wir das auch gelernt, auch Generationen vor uns waren streng, zu sich selbst, streng zu uns, und wir sehen ja die weite Welt, und so bleibt manchmal eben das Gefühl: Also so richtig genug ist es halt noch nicht. Und die Anstrengung reicht nicht. Und das stimmt auch auf eine Art, denn noch sind wir nicht im Himmel. So ist das auf dieser Welt. Aber trotzdem. Wenn ich darüber so nachdenke, dann sehe ich das: Die Frucht, von der Jesus in unserem heutigen Evangeliumstext redet.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: 

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; 

wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. 

Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; 

und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, 

der wird’s bewahren zum ewigen Leben. 

Wer mir dienen will, der folge mir nach; 

und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. 

Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Johannes 12,24-26
Basis-Bibel

Everybody wants to go to heaven, but nobody wants to die: Von der Moral ins Leben

Natürlich ist das eine Liedzeile, und eine Liedzeile ist keine moralische Abhandlung, und kein Lied kann alle Aspekte einer ethischen Diskussion aufgreifen. Soll es auch gar nicht. Ein Lied ist ja vor allem zum Singen und Hören da. Um sich mitreißen zu lassen. Und das, finde ich, kann das Lied allerdings! Hören wir noch einmal den Refrain… (die Band hat uns das Lied noch einmal angespielt).

So, jetzt bin ich schon wieder ganz schön im Groove, weiß nicht, ob man das noch so sagen darf, dieses Wort, aber ich sag’s jetzt mal so. Gehen wir also noch einmal hinein, in das Lied und in das Leben jenseits der Moral. Das Lied ist mehr als sein Refrain, so wie das Leben mehr ist als das, was man durch Willenskraft und durch rechtes Handeln erreichen kann. 

Das Leben hat seinen eigenen Rhythmus. Das Leben ist wunderbar. Kein Wunder hängt einer am Leben. Das Leben ist ein Geschenk. Es ist das einzige Leben, das wir haben. 

Auch wenn es manchmal so schwer ist. Das Leben ist ein Geschenk. Gott will, dass wir leben. Gott sagt zu uns: "Dein Leben ist kostbar." 

Die beiden Strophen, die unser Lied hat, erinnern daran: 

Der Mann aus der ersten Strophe des Liedes sieht, sein Tod ist nahe. Da bittet er Gott noch um weitere Lebensjahre. Gott lächelt und schenkt ihm 15 weitere Jahre. Seine Lebenszeit ist noch nicht vorbei.  

Die zweite Strophe erzählt davon, dass nicht einmal Jesus sterben wollte. Jesus war tapfer bis in seinen Tod, aber er wollte nicht sterben. 

Deshalb erzählt mir das Lied nicht nur davon, wie ich mein Leben jetzt führen soll. Wie ich mich anstrengen soll und noch mehr anstrengen. Wie ich an das Ziel denken und deshalb so Vieles auf mich nehmen soll. Das Lied erzählt mir auch davon, wie kostbar das Leben in Gottes Augen ist. Und so halt ich mich an Jesus, das Weizenkorn, und ich vertrau darauf: Es bringt schon Frucht. Er bringt schon Frucht. Auch durch mich. Durch dich. Durch uns miteinander. Wir folgen ihm nach, wir geben, was wir können, und er tut seines dazu. Das Leben in Fülle kommt aus dem Leben in Jesus: „Well, I long for the day when I'll have new birth 'cause I love the livin' here on earth.“

Vielleicht ist das, was daraus wird, was ich geben kann, nicht immer so viel wie ich gerne hätte. Und bestimmt denke ich oft: Da geht noch mehr. Und das spornt mich dann auch wieder an, so wie beim Üben.  

Ins ewige Leben

Aber der Himmel ist keine Belohnung. Der Himmel ist Liebe und Gnade. Das glaube ich, weil das Weizenkorn längst für mich gestorben ist. Weil der, der das Weizenkorn ist, mich bewahrt zum ewigen Leben. 

Das Lied erzählt mir so über alle Moral hinweg davon, wie schön es ist, zu sagen: Ja. Ich will leben, jetzt und hier. Und irgendwann einmal sehen wir uns im Himmel. Irgendwann einmal bin ich dort geborgen. Jetzt noch nicht. 

Bis dahin ist meine Hoffnung und meine Bitte: 

"Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure, wird unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus." (Philipper 4,7)

Amen.

Danke EmK Country und Gospel Band aus Salzburg!

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