Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele.

Glaubensimpuls

Bild von Stefan Schröckenfuchs
Stefan Schröckenfuchs

Pastor, Superintendent


Monatsspruch Mai 2026, Hebräer 6,19

Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unserer Seele. (Hebräer 6,19)

 

Alle in einem Boot 

Es war im September 1999, irgendwo an der dalmatinischen Küste vor Kroatien. Eine Gruppe junger Erwachsener ist mit dem Schiff „Noah“ unterwegs zwischen den zahlreichen Inseln und Buchten der kroatischen Adria. Es ist ein einwöchiger Segeltrip, begleitet von einem erfahrenen Skipper, der Schiff und Küste kennt. Die meisten anderen lernen – wie ich – den Umgang mit dem 50 Tonnen schweren Zweimaster erst vor Ort: Leinen losmachen, auslaufen, Segel setzen, Wenden und Halsen, Segel einholen und nicht zuletzt: Anker fallen lassen und Anker wieder lichten.

Die Ankermanöver werden im Lauf der Woche zu einer vertrauten Übung. Denn vor Anker zu liegen ist in Kroatien im Jahr 1999 noch kostenfrei. Anlegen in der Marina kann man dagegen nur gegen eine Gebühr. Und da alle ein enges Budget haben, verbringen wir die meisten Nächte in ruhigen Buchten, mit dem weiten Sternenhimmel über dem Kopf und dem beruhigenden Plätschern des Wassers, das meistens nur sanft gegen den Bootsrumpf schwappt.

Ankerwache

An einem Abend jedoch ist der Wind etwas stärker, und so lernen wir ein weiteres wichtiges Manöver kennen: die Ankerwache. Ihre Aufgabe: darauf achten, ob der Anker wirklich hält oder das Boot abtreibt und in Gefahr steht, auf Grund zu laufen oder gegen einen Felsen zu prallen.

Doch wie kann man überhaupt feststellen, ob der Anker hält? Der Anker liegt ja tief unter Wasser am Grund des Meeres, den man nicht sieht. Außerdem ist er weit vom Boot entfernt: Mindestens 20–30 Meter Ankerkette sollen gemeinsam mit dem Anker auf Grund liegen. Und dann ist es auch noch Nacht. Was bleibt, ist somit nur, sich an der Umgebung zu orientieren: Verändert sich der Abstand zum Ufer? Gibt es Lichter in Ufernähe, an denen man sich orientieren kann? Oder zumindest einen markanten Baum? All das sind Hinweise, anhand derer wir einschätzen sollen, ob der Anker tatsächlich fest im Grund verankert geblieben ist.

Für den Skipper wird es dennoch zu einer kurzen Nacht. Denn immer wieder ändert sich für das ungeübte Auge das Bild. Der Skipper jedoch beruhigt: Der Anker hält fest am Grund. Nur der Wind hat sich gedreht – und mit ihm die Ausrichtung des Schiffs. Und so liegt unser Schiff auch am nächsten Morgen noch sicher in seiner Bucht.

Ein Hoffnungs-Anker

Auch der Monatsspruch für den Mai verwendet das Bild vom Anker. Die Hoffnung, die wir haben, ist für unser Leben wie ein sicherer und fester Anker. Hoffnung als Anker, ein Hoffnungsanker. Das ist ein spannendes Bild. Denn ein Anker gibt für sich allein keinen Halt. Um Halt geben zu können, braucht er einen tragfähigen Grund. An der Küste Kroatiens ist dieser Grund eine Mischung aus Sand und Felsplatten. Der Fels bietet wenig Halt, denn hier rutschen ein Anker leicht ab. Sandige Buchten dagegen sind zum Ankern ideal, denn hier können sich die Ankerflunken in den Boden graben und finden so Halt.

Meistens sieht man den Grund jedoch nicht. Ob der Grund tragfähig ist, lehrt die daher nur die Erfahrung (die es heute auch in gedruckter oder digitaler Form als Seekarte gibt).

Gott als sicherer Ankergrund 

Auch der Autor des Hebräerbriefes verweist auf den tragenden Grund – den man letztlich nicht sieht: Der Anker der Hoffnung „reicht hinein bis ins Innerste des himmlischen Heiligtums, den Raum hinter dem Vorhang. Dorthin ist uns Jesus als Wegbereiter vorausgegangen.“ Das Innerste des Tempels, das sogenannte Allerheiligste, ist im Grunde ein unbetretbarer Raum. Es ist der Ort, an dem (im Verständnis der Theologie des Tempels zur Zeit Jesu) Gott gegenwärtig ist. Nur der Hohepriester darf diesen Ort betreten – und auch nur an einem Festtag des Jahres. 

Es geht also um die Gegenwart Gottes - es geht um Gott selbst. Zu Gott selbst ist Jesus mir „vorausgegangen“. Und er lädt mich ein: folge mir nach! Jesus, so lässt sich dieses Bild wohl verstehen, zeigt mir also, wo dieser tragende Grund ist; ja mehr noch, er hat den Weg zu diesem Grund erst und endgültig für mich zugänglich gemacht. Durch sein Vorausgehen kann ich ihm nachfolgen und meine Hoffnung direkt in Gott selbst festmachen. Und bei Gott findet auch meine Hoffnung den wirklich tragenden Grund. 

Danke, Skipper! 

Auch ohne Tempel und Allerheiligstes gilt für uns: Gott als den Grund für unseren Hoffnungsanker können wir als solchen nicht sehen. Wir können nur vertrauend der Einladung Jesu folgen und den Anker fallen lassen. Es geht darum, das Wagnis der Hoffnung einzugehen. Das ist ein Wagnis! Wie gut der Anker des Schiffs Noah im dalmatischen Grund hält, wusste unsere Segelgruppe erst nach einem ersten (freundlicherweise leichten) Sturm. Darum war es wichtig, bei diesem ersten Törn einen erfahrenen Skipper zur Seite zu haben, der die Erfahrung bereits gemacht hatte und  sagen konnte: Hier ist ein guter Grund, darum sei gewiss: Der Anker hält! 

In meinem Glauben hilft mir die Zusage meines "sturmerprobten" Skippers Jesus, der mich ebenso ermutigt: Sei unbesorgt. Der Anker hält – auch jetzt im Sturm. 

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