Die Familie Gottes

Glaubensimpuls


Betrachtung zum Monatsspruch für den Februar aus 5. Mose 26,11: “Dann sollst du fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat: du, die Leviten und die Fremden in deiner Mitte.”

Die Gemeinde, der ich in Wien als Pastor diene, hat die Geburt Jesu mit zwei Gottesdiensten am Heiligen Abend gefeiert, einmal im Kerzenschein und einmal als Abendmahlsgottesdienst.

Am Tag danach sind meine Frau und ich in die USA geflogen, um die Feiertage fortzusetzen mit unseren erwachsenen Kindern, den Eltern meiner Frau und weiteren Mitgliedern der erweiterten Familie. Es war ein fröhliches Zusammentreffen. Weil es meist geschneit hat und bitterkalt war, haben wir viel Tage und Abende versammelt um einen Tisch im Haus der Schwiegereltern verbracht. Wir haben Weihnachtslieder gehört, einander lustige Geschichten erzählt, heiße Schokolade getrunken, Berge von selbstgemachten Keksen gegessen, einander erzählt, was in letzter Zeit geschehen ist, und darüber nachgedacht, was Gott Gutes für uns und unsere Familien getan hat. Es waren kostbare Momente, die wir zu selten erleben.

Zur selben Zeiten war in den Nachrichten der USA zu hören und zu sehen, wie viele Immigranten die Feiertage verbracht haben: versteckt in den Häusern und Wohnungen, verängstigt darüber, dass die Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde sie auf der Straße anhalten könnten, oder dass sie an ihren Arbeitsorten festgenommen werden, getrennt von ihren Kindern, die in den USA geboren sind. Diese Taktiken sind das Resultat von Maßnahmen und politischen Ansichten, die Angehörige gewisser Gruppen von Einwanderern als von Natur aus gefährlich erachten und weswegen es verdienstvoll sei, sie zu deportieren.

Wir neigen dazu, die Menschen als Familienangehörige anzusehen, die uns durch Abstammung verbunden sind oder die mit uns in einem Haus leben. Der Verfasser des 5. Buches Mose zeichnet uns ein anderes Bild von Familie, ein Bild, das eine größere Gemeinschaft einbezieht, Menschen, die vielleicht nicht direkt mit uns in Verbindung stehen, aber denen gegenüber wir eine Verantwortung tragen, um für sie zu sorgen und sie zu beschützen.

Vielleicht hatte Jesus dieses Bild in seinem Kopf, als er am Kreuz hing und seine Mutter  und seinen Lieblingsjünger unter sich stehen sah und zu ihnen sagte: Frau, das ist dein Sohn, … mein Jünger, das ist deine Mutter.“ (Johannes 19, 26 und 27) Danach, so wird uns erzählt, nahm der Lieblingsjünger Maria in sein Haus auf, als ein Mitglied seiner erweiterten Familie.

Als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu beachten wir das Gebot, Gott und unsere Nächsten zu lieben – nicht nur unsere Familienmitglieder und diejenigen, die wie wir aussehen oder wie wir handeln. Es geht auch um diejenigen, die uns in irgendeiner Weise fremd sind: Ausländer, Migrantinnen, Personen mit einem anderen Lebenshintergrund, mit anderen Traditionen, Nachbarn, die bedürftig sind oder in Angst.

Jesus hat sich auf die samaritanische Frau am Brunnen eingelassen. Christinnen und Christen in Minnesota heißen Migrantenfamilien aus Somalia willkommen. Jeden Dienstag bieten die methodistischen Gemeinden in Wien ukrainischen Flüchtlingen und anderen bedürftigen Menschen warme Mahlzeiten und herzlich christliche Gemeinschaft an. Die Familie Gottes ist größer als wir uns vorstellen.

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