Damit aus Fremden Freunde werden

Glaubensimpuls

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Esther Handschin

Pastorin, Erwachsenenbildung


Liedbetrachtung zu EM 567 "Damit aus Fremden Freunde werden" 
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Der Anlass zum Lied

„Damit aus Fremden Freunde werden“ lautete das Motto des Landesmissionstages der Badischen Landeskirche im Jahr 1982. Da es dazu keine geeigneten Lieder gab, wurde Rolf Schweizer (1936-2016) gebeten, ein Lied dazu zu schreiben. Er war zu diesem Zeitpunkt Bezirkskantor in Pforzheim und Landeskantor für Mittelbaden.

Hier wird das Lied mit allen sechs Strophen von Detlev Korsen gesungen, der sich in der Kirche von Huntlosen, südlich von Oldenburg, mit der Gitarre begleitet.

Jede Strophe beginnt mit der gleichen Aussage: „Damit aus Fremden Freunde werden“. Im Stabreim mit dem gleichen Anlaut Fremde/Freunde wird zugleich die Veränderung im Status der Beziehung angedeutet: Fremde können zu Freunden werden, wenn man mit ihnen Kontakt aufnimmt, sich mit ihrer Geschichte beschäftigt und auf sie eingeht.

Schweizer, der von Haus aus kein Theologe sondern Musiker war, bettet diese Veränderung in die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen ein. Ohne dass Gott je beim Namen genannt wird, richtet sich das Lied mit „Du“ an das göttliche Gegenüber. Dass Gott im christlichen Verständnis gemeint ist, wird im Lauf des Liedes durch die genannten Ereignisse mehr und mehr ersichtlich. Diesem „Du“ ist in jeder Strophe ein „Wir“ oder besser ein „Uns“ gegenüber gestellt. Die Heilsgeschichte Gottes steht nicht für sich selbst, sondern immer in Beziehung zu uns Menschen.

Miteinander in Beziehung zu treten, dazu dient auch der Friedensgruß im Gottesdienst. In der Gethsemanekirche von Würzburg, aus der ein Fernsehgottesdienst übertragen wurde, singen Chor und Gemeinde das Lied im Anschluss an den Friedensgruß. Das Tempo ist etwas schnell geraten, sodass das Lied fast etwas „lüpfig“ wird, wie man in der Schweiz sagt.

Ein Gang durch die sechs Strophen

In Strophe 1 ist die Menschwerdung Gottes angesprochen: „kommst du als Mensch in unsre Zeit“. Damit aus Fremden Freunde werden, begibt sich Gott selbst in menschlicher Gestalt in diese Zeit und Welt. Er geht an Leid und Armut nicht vorbei, sondern lebt in Jesus so wie wir. Die erste Strophe endet in der letzten Textzeile wieder mit einer Begründung: Gott hat seinen Weg zu den Menschen gewählt, „damit die Botschaft uns erreicht“. Wir Menschen verstehen Gott erst dann, wenn er uns selbst als Mensch auf Augenhöhe begegnet.

Wie nahe uns Gott auf diese Weise kommt, beschreibt Strophe 2: Gott geht als unser Bruder durch das Land. Wo wir anderen Menschen begegnen, sehen wir in ihrem Antlitz Gott selbst. Gleich zu Beginn der Bibel heißt es, dass wir Menschen nach Gottes Ebenbild geschaffen sind. Alle Menschen stammen von demselben Menschenpaar, Adam und Eva, ab. Von daher dürfte es keinen Rassismus geben, denn alle Menschen sind einander Schwestern und Brüder und Gott begegnet uns in allen Rassen. Das ist ein Zeichen der Menschenfreundlichkeit Gottes.

Strophe 3 geht auf den Weg Jesu ein. Er wurde am Kreuz hingerichtet. Christinnen und Christen deuten diesen Tod als gelebte Liebe. Das ist ein neuer Weg des Friedens und der Versöhnung. Und zugleich ist dieser gewaltlose Weg ein Beispiel, „Auftrag und Gebot“, wie Rolf Schweizer dichtet. Diese Strophe ist dem Frieden gewidmet. Es folgen zwei weitere Strophen, eine zur Gerechtigkeit und eine zur Bewahrung der Schöpfung.

Wir werden von Gott beschenkt, erzählt uns die vierte Strophe, mit Lebensglück und Brot. Gottes Hilfe zur Rettung der Menschen vor dem Hunger liegt in den Gütern und Gaben, die er uns anvertraut. Die Frage, die indirekt an uns gerichtet wird, das ist diejenige, ob wir auch fähig sind, diese Güter gerecht miteinander zu teilen.

Dies kann nur gelingen, wenn wir mit der Erde, Gottes Schöpfung achtsam und klug umgehen. Die Schöpfung ist uns anvertraut, dichtet Rolf Schweizer in der fünften Strophe. Um diese Erde zu bewahren, sind wir auf Gottes Hilfe angewiesen und wir dürfen nicht vergessen, dass wir selbst von dieser Erde genommen sind und als Staub zu ihr zurückkehren. Gott hat uns nach seinem Ebenbild geformt.

Das Lied schließt mit einer Strophe zur Einheit und Einigkeit der Kirchen und der Menschen. Sie haben Gottes Geist als Gabe erhalten, um die Grenzen zwischen den Völkern zu überwinden und mit der Vielfalt und Unterschiedlichkeit zurecht zu kommen.

Dass das Lied die Grenzen der Völker überwunden hat, ist hier zu hören.

In Japan scheint das Lied auch den Fingerpfeifer Kazu Sasahara inspiriert zu haben.

Die Anliegen von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung

Rolf Schweizer hat mit diesem Lied die Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einem kirchlichen Kontext angesprochen, noch bevor diese vom Weltkirchenrat auf seiner 6. Vollversammlung in Vancouver 1983 zum Thema gemacht worden sind. Der dortige Vorschlag zu einem Friedenskonzil wurde von einem Delegierten aus der DDR ausgesprochen. Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007) hat dann beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf von 1985 unter dem Motto „Die Erde ist des Herrn“ (Ps 24,1) den Konziliaren Prozess angestoßen, der zu den drei Europäischen Ökumenischen Versammlungen 1989 in Basel, 1997 in Graz und 2007 in Sibiu geführt hat. Sie nahmen das Anliegen der Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten auf.

 

Die Melodie

Nicht nur dieser dichte und kompakte Text stammt von Rolf Schweizer. Als Musiker war es ihm ein leichtes, eine passende Melodie dazu zu komponieren. Er hat dafür einen schwingende 6/4-Takt gewählt. Die erste und dritte Melodiezeile sind – bis auf den Anfang – einander gleich gestaltet und auch die zweite und vierte Melodiezeile enthalten mit dem vollen dritten und siebten Takt das gleiche Tonmaterial.

 

Der Satz

Auch der Satz zu diesem Lied in unserem Gesangbuch stammt von Rolf Schweizer. Er war einer der wenigen Komponisten, dem man die grundlegenden Vorgaben für die Sätze des Gesangbuchausschusses geben konnte und der sie problemlos erfüllt hat: 1. soll der Satz Freude machen, um ihn vierstimmig zu singen; 2. darf er für Tastenspieler (Orgel oder Klavier) nicht zu schwer sein, sodass er auch von Laien gespielt werden kann; 3. muss der Satz so gestaltet sein, dass er von einem Bläserchor gespielt werden kann.

Rolf Schweizer hat seine musikalische Laufbahn als Kind in einem dörflichen Blasmusikverein begonnen. Auf der Kirchenmusikschule wurde er als Kantor im Orgelspiel und in der Chorleitung ausgebildet. Dass er dazu auch noch theologisch tiefgreifende Texte verfasst hat, zeugt von seiner vielfältigen Begabung. „Die Wahrheit einer Kunst liegt nicht allein in deren perfekter Virtuosität, sondern in ihrer geistigen, handwerklichen und und humanen Redlichkeit“, so Rolf Schweizer.

Für die Bläser*innen, die er in der Badischen Landeskirche zu betreuen hatte, hat er zu seinem Lied auch eine Fantasie für Doppelchor geschrieben, ausgeführt vom Südbadischen Blechbläserensemble.

Von den Regionalteilen ins Ergänzungsheft

Nebst dem methodistischen Gesangbuch war das Lied bislang in verschiedenen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs zu finden, so in Österreich, Hessen-Nassau, Bremen oder Baden. Auch die Römisch-katholische Kirche der Schweiz hat das Lied unter Nr. 594 (KG) ins Gesangbuch aufgenommen. Es wird allerdings mit einem überholten Datum der Entstehung aus dem Jahr 1987 ausgewiesen.

Mit der Zuordnung als neues Wochenlied zum 21. Sonntag nach Trinitatis, dessen Themenschwerpunkt bei der Feindesliebe liegt, wurde das Lied im Ergänzungsheft zum Evangelischen Gesangbuch (EG.E) unter der Nummer 31 für alle evangelischen Gemeinden der Landeskirchen Deutschlands zugänglich gemacht. So konnte man das Lied auch in Sachsen im Jahr 2021 zum musikalischen Wochengruß machen.

Aus urheberrechtlichen Gründen können hier keine Texte aus dem Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche 2002 abgedruckt werden. Dieses kann jedoch bei blessings4you bestellt werden.

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