Der Himmel auf Erden – Gedanken zur Ewigkeit

Glaubensimpuls

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Dorothee Büürma

Pastorin, Erwachsenenbildung


Eine Predigt zu Offenbarung 21 & 22, gehalten im Gottesdienst der EmK Salzburg, der am 15.5. live übertragen wurde

Liebe Leser*innen,

Werdet ihr auch ab und zu per E-Mail oder Telefon zu Meinungs-Umfragen eingeladen?

Ich bekomme häufig Umfragen von einer britischen Firma, der ich ab und zu Meinungen rückgemeldet habe. Das an sich ist jetzt nichts besonderes, aber das Thema, um das es in den Umfragen in letzter Zeit geht, hat mich angesprochen: Das ewige Leben. Bei so einem Thema wollte ich unbedingt mitreden! 

Dann kam mit den Fragen jedoch recht schnell die Ernüchterung: denen geht es gar nicht um das, was ich mir als gläubige Christin unter "Ewigkeit" und „Leben in Fülle“ vorstelle. Denen geht es um die Entwicklung von modernen Technologien, die das Leben künstlich verlängern. Oder um die Vision, dass es irgendwann vielleicht möglich ist, den eigenen Körper einfrieren zu lassen, um dann Jahrzehnte oder Jahrhunderte später wieder zum Leben erweckt zu werden. Ewiges Leben bedeutet also eine außergewöhnlich lange Zeitspanne auf dieser Erde zu sein.
Das hat mich persönlich dann ehrlich gesagt nicht mehr so angesprochen. Das sind nicht meine Vorstellungen von Lebensqualität und Ewigkeit. 
Meine Vorstellungen vom ewigen Leben gründen sich stattdessen auf verschiedenen Bildern, die uns in der Bibel kleine Eindrücke geben von Gottes Ewigkeit.

Ein zentraler Text für das christliche Verständnis von Ewigkeit ist für den heutigen Sonntag (15.5.) als Lesung vorgesehen. Mit ihm möchte ich das Bild der Ewigkeit, des neuen Lebens und der Hoffnung unseres Glaubens beleuchten.

Ich lade euch ein, mir in dieser Predigt auf eine Reise der Träumereien, der Sehnsüchte, der Schwärmerei zu folgen. Den Leitfaden dazu gibt uns das Buch der Offenbarung.

Besonders die Verse 1-6 aus dem 21. Kapitel der Offenbarung sind vielen Menschen sehr bekannt. Es sind Verse, die wir gern bei Beerdigungen auswählen, weil sie uns Hoffnung geben in einer Zeit der Trauer. Auch ich verwende diese Bibelverse oft und gern, wenn es mal wieder schwierig ist im Leben. 
Es tut doch gut, zu hoffen. Und das Ende vom Buch der Offenbarung ist nahezu überschwänglich mit Bildern gefüllt, die Hoffnung geben.

Da geht es um einen neuen Himmel und eine neue Erde. Nicht das, was wir schon kennen, sondern eine Neu-Schöpfung Gottes sozusagen. Im Bild der Offenbarung begegnet uns diese Ewigkeit als himmlische Stadt Jerusalem, die zu den Menschen herab kommt. Und mit ihr, Gott selbst, der seine Wohnung, sein Zelt unter den Menschen errichtet.

Diese ewige Stadt wird die neue Erde sein – das Meer wird nicht mehr gebraucht. Stattdessen fließt aus der Quelle des Lebens das Wasser, das den Durst stillt.
In dieser himmlisch-irdischen Stadt Gottes ist alles perfekt geplant. Ihre Maße sind in Länge, Breite und Höhe identisch. Sie wird von einer Mauer umringt, die aus edlen Steinen besteht. Und die Stadt selbst ist aus reinem Gold, so rein wie durchsichtiges Glas (21,18 und 21). 
In biblischer Vollkommenheit besitzt die Stadt zwölf Tore in der Mauer. Jedes Tor ist aus einer einzigen Perle gemacht. Diese Tore stehen offen (und das ist wichtig, dazu später mehr!).
Die Straßen der Stadt sind natürlich aus Gold. Alles glänzt und scheint.
Die Stadt braucht keinen Tempel, keine Kirche, kein „Gotteshaus“ mehr, denn Gott wohnt unter den Menschen und Gottes Licht durchflutet die Stadt. Es ist in ihr nie dunkel, es gibt keine Nacht. Gottes Licht leuchtet in der Stadt und das Lamm (= Jesus Christus) ist der Leuchter.
Neben der Hauptstraße fließt ein Fluss, der aus der Quelle des Lebens von Gott entspringt. Dieser Fluss fließt durch die Stadt und neben dem Fluss wachsen Bäume, die einen Überfluss an Früchten tragen. Ihre Blätter bringen Heilung. 

In dieser himmlischen, ewigen Stadt ist alles gut und schön. Alles Unrecht und Leid, alle Schmerzen, aller Betrug – also all das, was man „das Böse“ nennt – muss vor den Toren der Stadt bleiben. Hinein kommt nur das, was gut, liebevoll, rein ist. Alles Böse wird vom „See aus Feuer“ vor der Stadt verbrannt. Es soll nicht in dieser Vision der Ewigkeit existieren können.

Man beachte jedoch: Die Tore der Stadt stehen weiterhin offen. Ein steter Zug von gereinigten Menschen, von Menschen, die sich von allen Lasten und allem Übel befreit haben, zieht durch die Tore ein. Und sie bleiben offen, damit noch mehr Menschen in die Stadt kommen können.

Diese Erkenntnis der offenen Tore und der stetigen Bewegung von Menschen zu Gottes Ewigkeit hin hat mir letzten Sommer der methodistische Pastor und Dozent Robert Hunt auf einem Sommerseminar vor Augen geführt. Und sie hat mich sehr beeindruckt.

An dieser Stelle soll auch unsere Gedankenreise in die himmlische Stadt eine Denk-Pause einlegen:

Mal ganz ehrlich: Die vielen Beschreibungen von goldenen Straßen und kostbaren Edelsteinen und Perlen lassen mich komplett unberührt. 
In meiner Vorstellung einer glücklichen Ewigkeit brauche ich diesen Glanz nicht. Die materielle Seite dieser Vision macht auf mich keinen großen Eindruck.

Ich mag es etwas schlichter, wenn ich ehrlich bin. Mir gefallen zum Beispiel Kirchenräume, die auf ganz schlichte Art und Weise, ganz ohne teure Dekorationen Raum für den Glauben geben. 

Doch es geht in der Offenbarung ja auch nicht um einen konkreten Bauplan für die Stadt der Ewigkeit. Die Vision des Johannes soll ihn nicht zum Bauleiter des himmlischen Jerusalems machen. Auch wir brauchen keine Stadtpläne zeichnen oder Häuser in dieser himmlischen Stadt planen. Es geht nicht darum, dass wir Menschen in Gottes Ewigkeit etwas schaffen oder bauen müssen.

Vielmehr vermittelt diese Vision einen Eindruck, der aus Gefühlen entsteht. 
Es geht in der Hoffnungsbotschaft der Offenbarung um Gutes, um die spürbare Gegenwart Gottes, um ein Aufgenommen- und Angenommen-Sein. Um Zufriedenheit und Freude. Um Gutes, um Gemeinschaft mit allen und mit Gott.
Kein bösartiger Gedanke hat Platz in dieser Ewigkeit Gottes. Keine Lüge, kein Betrug, kein Egoismus, keine Schmerzen, keine Trauer kommen in diese ewige Gemeinschaft mit Gott und mit den Mitmenschen hinein. Dazu gibt es dann doch die Mauern und die Tore und das reinigende Feuer vor der Stadt.

Wenn ich mir das alles also nicht bildhaft vorstelle, sondern auf der Ebene der Gefühle, die die Offenbarung in mir weckt, dann gibt mir diese Ewigkeit Hoffnung.
Und zwar viel mehr Hoffnung als die Aussicht, mich gegen Ende meines irdischen Lebens eingefroren der Nachwelt zu vermachen!!

Ich möchte aber hier noch etwas weiterdenken.

Die Offenbarung wurde zur Zeit des römischen Reichs von Johannes in Gefangenschaft verfasst. Sein Leben war sehr schwierig und für ihn waren diese Worte Gottes eine Vision, an die er sich mit aller Kraft hängen konnte.

Die restlichen Kapitel der Offenbarung sind voller Sehnsüchte nach Befreiung von Unterdrückung und nach Gerechtigkeit. Das Böse, in dem Fall die politischen Unterdrücker aus Rom, wird an einigen Stellen durch Symbole wilder Tiere o.Ä. beschrieben. 

Die Offenbarung wurde nicht an erster Stelle für uns Christ*innen des 3. Jahrtausends als Antwort auf unsere Fragen zum ewigen Leben verfasst.
Aber sie gibt uns eine konkrete Hoffnung, an die wir uns wie Johannes auch klammern können.

Die konkreteren Worte zum Thema finden wir in den Evangelien, wenn Jesus dazu Stellung nimmt. Er spricht vom Reich Gottes, vom Himmelreich, das nicht nur in weiter zeitlicher Ferne liegt, sondern das schon in diesem Leben angebrochen ist. Als Christ*innen müssen wir uns nicht auf eine Zukunft jenseits des Todes vertrösten lassen. Das neue Leben mit Gott beginnt schon heute und hier:
„Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander!
Genauso wie ich euch geliebt habe, sollt ihr einander lieb haben.
Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“

Unser Auftrag als Gemeinde ist es, dieses Gebot umzusetzen. Ganz praktisch, wie schon John Wesley vorgeschlagen hat, durch "Gutes tun, Böses meiden und mit Gott verbunden bleiben". 

Wesley führt diese Gedanken fort und fügt den Auftrag zur „Liebe der Kirche" hinzu: Den Himmel auf Erden ernst nehmen, bedeutet die Kirche als Teil der himmlischen Wirklichkeit Gottes wahrzunehmen. Dazu gehört, dass wir die Kirche als Ganzes aufrichtig lieben, ihren Mitgliedern Gutes tun, immer wieder für die Gemeinschaft beten. Es bedeutet, der Kirche den Respekt zu schenken, den wir Gottes Ewigkeit schenken wollen.

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