Gottes Geist verändert die Herzen

Glaubensimpuls

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Stefan Schröckenfuchs

Pastor, Superintendent


Predigt aus dem TV- und Radiogottesdienst über die nachhaltige Wirkung des Heiligen Geistes 
Superintendent Stefan Schröckenfuchs predigt in der EmK Salzburg im Rahmen eines TV-Gottesdients

Predigt zu Apostelgeschichte 2,37-47 und Römer 5,3b-5, gehalten im TV- und Radiogottesdienst am 24.5.2021 in der EmK Salzburg.

Liebe Gemeinde, 

Pfingsten! Was für ein Ereignis! 

wir feiern Pfingsten! Und ich frage mich immer wieder: Was ist da damals, vor knapp 2000 Jahren, eigentlich passiert? Was hat das Pfingstwunder, was hat der Heilige Geist, nachhaltig bewirkt?

Am Anfang der Apostelgeschichte kann man zwischen den Zeilen lesen, dass die Jünger Jesu nach Ostern die Botschaft von der Auferstehung erst einmal für sich behalten haben. Die Jünger haben sich zwar zum Gebet getroffen. Aber nach außen war da erst einmal noch gar nichts los. Doch am Pfingsttag gehen die Jünger, allen voran Petrus, in die Öffentlichkeit, und ergriffen vom Heiligen Geist verkünden sie laut, dass Jesus von den Toten auferstanden sei. Noch am selben Tag schließen sich 3.000 Menschen der ersten christlichen Gemeinde an. Und in den Tagen darauf werden es immer mehr. 

Ich habe erst vor ein paar Tagen mit einigen Gemeindemitgliedern über diesen Text gesprochen. Und eines meiner Gemeindemitglieder hat plötzlich mit einem Augenzwickern gemeint: Das muss ja gewesen sein wie damals in Woodstock. 

Woodstock, dieses legendäre Festival im Jahr 1969, zu dem abertausende Menschen gekommen sind – viel mehr als von den Veranstaltern erwartet. Alles war chaotisch, es hat geregnet, es gab zu wenig Platz. Und dennoch gilt Woodstock als der Inbegriff eines friedlichen Mega-Events. 

Nun bin ich ein wenig zu jung, um mich selbst an Woodstock erinnern zu können. Ich denke aber, dass man diesen Vergleich wohl mit etwas mit Vorsicht genießen muss. Dennoch ist mir bei diesem Vergleich erst so richtig bewusst geworden: Die Bibel erzählt hier eigentlich von einem Mega-Event. 

3000 Leute, und das vor knapp 2000 Jahren in Jerusalem – da war schon ordentlich was los! Und die Leute hören Petrus nicht einfach nur zu. Sie sind so begeistert, dass sie sich der „Jesus-Bewegung“ anschließen wollen!  

Ja, die Menschen fragen voller Erwartung: Was sollen wir jetzt tun? Und als Petrus sagt: „Ändert euer Leben!“, da tun sie es. In aller Konsequenz! Sie beginnen gemeinsam zu leben. Sie brechen das Brot und sie beten miteinander. Und sie tun Wunder. 

Das für mich größte Wunder ist dieses: Sie verteilen sogar ihren Besitz. Wer ein Grundstück oder etwas anderes hat, verkauft es. Den Erlös bekommen die, die bedürftig sind. Jeder bekommt so viel, wie er braucht. Es gibt genug für alle. Und bei all dem sind sie voller Freude. Was für ein unfassbares Event. 

Doch eigentlich ist es viel mehr als ein Event. Pfingsten war – anders als Woodstock – nicht nach 3 Tagen vorbei. Pfingsten war die Geburt der Kirche. Und die Kirche ist auch nach fast 2000 Jahren immer noch da. Begonnen hat es mit diesem kraftvollen Ereignis, das die Menschen mitgerissen hat. Ein Ereignis, bei dem ein Stück vom Himmel auf der Erde sichtbar geworden ist. Das Reich Gottes war – wie Jesus es gesagt hat – plötzlich zum Greifen nah. 

Pfingsten! Wie lange hält das an?

Tausende schließen sich zusammen, ändern ihr Leben, sind einfach glücklich und froh. Tausende sind erfüllt vom Heiligen Geist! Als skeptischer Mensch frag ich mich: Wie lange hält eine solche Begeisterung an? 

Wer frisch verliebt ist, der hat oft den Bauch voller Schmetterlinge. Die Welt um ihn herum ist rosarot. Und alles, was er sieht, scheint perfekt und ist wunderschön. Doch mit der Zeit kommt der Alltag, in dem sich die Liebe bewähren muss. Sonst ist die Romantik rasch wieder vorbei. 

Das gilt wohl auch für die Entstehung der Kirche. Die Beschreibung des Pfingstwunders erzählt von großer Begeisterung.  Alles erscheint ideal, alle sind mit Feuer und Flamme dabei. Doch diese erste Begeisterung war doch sicher auch irgendwann wieder vorbei. 

Wäre Pfingsten nur ein „Mega-Event“ gewesen, dann hätte die Geschichte der Kirche wohl nicht lange gedauert. Und wäre die Wirkung des Heiligen Geistes nur, dass man euphorisch alles liegen und stehen lässt, wie hätte er dann bewirken können, dass eine Gemeinschaft entsteht, die über die Jahrtausende besteht? 

Dem Heiligen Geist muss noch eine größere Rolle zukommen als die, dass er einen Menschen für einen Moment mit überschwänglicher Freude erfüllt. Schon für die ersten Christen kamen sehr rasch Zeiten der Bewährung. Es gab Krisen, in denen sich der Glaube an Jesus als tragfähig erweisen musste. 

Gottes Geist trägt in Zeiten der Bedrängnis

Einerseits waren das Krisen, die von innen kamen: Die Gemeinde in Jerusalem ist in ihrer euphorischen Gütergemeinschaft recht schnell wirtschaftlich verarmt. Den „Himmel auf die Erde“ zu bringen war für die Jünger eine großartige Sache. Doch der Rest der Welt war dazu keinesfalls bereit. Die Großzügigkeit und Solidarität mit den Armen hatte zur Folge, dass die Gemeinde bald selbst auf die Solidarität anderer angewiesen war. Und die Christen mussten erkennen, dass sie sich weiterhin auch mit sehr weltlichen Fragen herumschlagen müssen, z.B. wo man wohnt, wenn man sein Haus verkauft hat. 

Schlimmer war aber die an vielen Orten aufflammende Feindschaft und Verfolgung von Christinnen und Christen. Wie Jesus, so eckten auch die Christen mit ihrer Mahnung an, die Welt müsse sich ändern. In dieser Zeit musste sich zeigen, dass der Glaube an Jesus mehr bewirkt als nur ein Glücksgefühl, das rasch wieder vergeht. Es musste sich zeigen, dass er die Gläubigen auch in Zeiten der Bedrängnis trägt. 

Einer der biblischen Autoren, die von dieser Erfahrung berichten, ist der Apostel Paulus. Er war zunächst ja ein leidenschaftlicher Feind und Verfolger der Christen. Bis er schließlich selbst zu Christus bekehrt wurde. Von da an war er wohl der aktivste christliche Missionar. 

Im Lauf seiner Tätigkeit ist er ständig mit Herausforderungen und Ablehnung konfrontiert gewesen. Man hat ihn verlacht und verleumdet. Man hat ihn vertrieben und versucht ihn zu ermorden. Und am Schluss hat man ihn ins Gefängnis gesperrt. 

Doch trotz aller Widerstände und Anfeindungen wurde Paulus weder mutlos noch bitter. Er hatte etwas, das ihn getragen hat. Und was ihn getragen hat, das hängt für Paulus zusammen mit der Wirkung des Heiligen Geistes! In seinem Brief an die Gemeinde in Rom, dem vermutlich letzten Brief, den Paulus verfasst hat, schreibt er in Kapitel 5:

"Wir dürfen auch auf das stolz sein, was wir gegenwärtig erleiden müssen. Denn wir wissen: Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben. Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren. Die Bewährung lehrt zu hoffen. Aber die Hoffnung macht uns nicht zum Gespött."

Paulus blickt hier zurück auf die vielen schwierigen Situationen, in die er gerade wegen seines Glaubens an Jesus geraten ist. Doch er sagt nicht klagend: So sehr hab ich mich bemüht und am Ende bringt mir das alles nur Verdruss. Sondern er sagt: Auch das Schwere, das ich aushalten musste, wurde für mich ein Gewinn, weil ich dadurch nämlich erfahren habe, wie sehr mich die Gemeinschaft mit Jesus Christus trägt. Ich habe gelernt, dass ich mit der Hilfe Gottes einiges aushalten kann. Das hat mir den Mut gegeben, mich auch neuen Herausforderungen zu stellen – also mich zu bewähren. Die bestandenen Bewährungsproben haben dann meine Hoffnung gestärkt. Und darum weiß ich: Als einer, der auf Christus hofft, steh ich am Ende nicht blöd da. 

Gottes Geist füllt Herzen mit Liebe 

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Mensch so auf seine nicht leichte Lebensgeschichte zurückblicken kann. Warum ihm dies möglich ist, das begründet Paulus selbst so:  (Vs 5b)

„Denn Gott hat seine Liebe in unsere Herzen hineingegossen. Das ist durch den Heiligen Geist geschehen, den Gott uns geschenkt hat.“

Bedrängnisse auszuhalten; Standhaft zu bleiben; sich bewähren; und in alldem hoffnungsvoll zu sein… all das ist mir möglich, weil Gott mir seine Liebe geschenkt  hat – durch seinen Heiligen Geist.

Eine Wirkung des Heiligen Geists ist also, dass er die Herzen der Menschen mit Gottes Liebe erfüllt. Diese Liebe kann das Herz eines Menschen nachhaltig verändern. Denn wo die Liebe Gottes wohnt, bleibt für manch anderes kein Platz. Anderes wie Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit oder Bitterkeit. Oder auch Angst, Bosheit und Hass. Wo Gottes Liebe ein Herz ausfüllt, haben diese Dinge fortan keinen Platz. 

So kann der Heilige Geist Menschen nachhaltig verändern.

John Wesley‘s „Pfingstereignis“ 

Einer, der diese Erfahrung in seinem Leben sehr deutlich gemacht hat, war John Wesley, der Begründer der methodistischen Bewegung. In seinem Tagebuch hält er just am 24. Mai 1738 - also genau heute vor 283 Jahren - diesen Moment fest. 

Er schreibt, dass er abends in eine religiöse Versammlung in der Aldersgate Street in London ging. Doch als der Prediger einen Text von Martin Luther über den Römerbrief liest, da spürt Wesley, wie sein Herz warm wird. Er spürt die Liebe Gottes in seinem Herzen - und er spürt, dass er nun endlich Christus ganz und gar vertraut.  

John Wesley war bis zu diesem Tag ein Christ, der stets alles vor Gott richtig machen wollte. Doch nach dieser Erfahrung wurde aus ihm ein Mensch, der spürbar von der Liebe Gottes ergriffen war.

Er hat dafür gebrannt, allen Menschen von der Liebe Gottes zu erzählen. Und stets hat er sich dafür eingesetzt, dass „Nächstenliebe“ nicht nur ein leeres Wort bleibt. Mit anderen hat er sich für Arme, Kranke, und Obdachlose eingesetzt. Und so tun es Methodistinnen und Methodisten bis heute. 

Die Zuwendung zu Notleidenden ist eine Frucht der Liebe Gottes; und die Liebe Gottes empfangen wir durch den Heiligen Geist.  

Wie Gottes Geist auch heute wirkt 

Auf diese Weise erlebe ich das Wirken des Heiligen Geistes auch heute: Ich sehe sein Wirken, wenn Menschen solidarisch sind und miteinander teilen, was sie haben. Ich sehe es, wenn Menschen sich um Bedürftige kümmern oder wenn sie denen eine Stimme geben, die man sonst überhört. Ich sehe es, wenn Menschen heute ihr Leben ändern und anfangen, einfacher zu leben, damit sie die Lebensgrundlagen der nächsten Generationen nicht weiter zerstören. Ich sehe es, wenn Menschen über ihren Schatten springen und ihre Vorurteile überwinden, damit andere nicht diskriminiert werden. 

Ich sehe es, wenn Menschen ihren Glauben und ihre Hoffnung teilen und wenn sie sich daran freuen! Und ich sehe es, wenn Menschen die Kraft geschenkt bekommen, auch durch schwere Zeiten hindurch zu glauben, zu lieben, zu hoffen.

Die Gabe des Heiligen Geistes ist ein großartiges Geschenk. Weil der Geist Gottes Menschen fähig macht zu lieben. So können sie das Leben in all seinen Facetten bestehen. Und so hinterlassen sie gute Spuren in unserer Welt. 

Amen 

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