O komm, o komm, du Mor­gen­stern

Glaubensimpuls

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Esther Handschin

Pastorin, Erwachsenenbildung


Liedbetrachtung zu EM 144 "O come, o come, Emmanuel"

Mit seinem Refrain „Freut euch, freut euch, der Herr ist nah. / Freut euch und singt Halleluja!“ ist dieses Lied dem 3. Adventssonntag zuzuordnen, der nach der katholischen liturgischen Ordnung „Gaudete – Freut euch!“ heißt. Diese Aufforderung ist der Epistellesung für diesen Sonntag aus Philipper 4,4-7 entnommen, wo es unter anderem heißt: „Freuet euch! … Der Herr ist nahe!“

Die evangelische liturgische Ordnung setzt die Akzente der Adventssonntage etwas anders. Da gehört dieses Lied als Wochenlied der neuen Ordnung zum 4. Adventssonntag. Die Motivation des Textautors Otmar Schulz (*1938) diesen Liedtext zu schreiben, war: „um endlich die fröhlich-ausladende Melodie singen zu können“. Darum wird zunächst ein Blick auf die Melodie geworfen.

Sie erklingt hier für Cello (Steven Sharp Nelson) und Flügel (Jon Schmith) on den Piano Guys vor der Kulisse eines Filmstudios der Mormonen, die an diesem Ort Filme produzieren, die in Jerusalem spielen.

Die Gestalt der Melodie

Der Beginn der Melodie wird durch einen aufsteigenden Dreiklang in Moll gebildet. Die Melodie lässt somit aufhorchen und nach oben blicken. Zu Beginn der zweiten Melodiezeile erklingt nach einem Auftakt derselbe Dreiklang in der Gegenrichtung. Gegen Ende der ersten und dann nach jeder folgenden Melodiezeile erklingt ein Melisma, d.h. mehrere Töne werden auf einer Textsilbe gesungen. Diese Melismen laden die Sängerinnen und Sänger dazu ein, ihre Stimme zu entfalten. Es besteht nicht die Notwendigkeit, sich ganz genau an den Pulsschlag zu halten. Und damit verrät die Melodie etwas von ihrer Herkunft aus dem gregorianischen Gesang.

Der Mittelteil, die Melodiezeilen drei und vier, bilden das Verbindungsstück und den Übergang zum abschließenden Refrain. Am Ende der dritten Zeile wird der tiefste Punkt der Melodie auf einer langen Note erreicht. In der ersten Strophe der deutschen Textfassung erklingt an diesem Punkt das Wort „Nacht“. Charakteristisch für den Anfang der Melodiezeile 3 ist auch die fallende Quarte zu Beginn. Es ist der größte Tonsprung innerhalb einer Liedzeile in sich. Ein Quartsprung nach oben führt dann in die vierte Zeile und damit in eine höhere Stimmlage, die mit dem Melisma mit der gleichen Tonfolge wie in der ersten Zeile endet.

Der Höhepunkt wird mit dem höchsten Ton zu Beginn der fünften Melodiezeile erreicht. Dieser Spitzenton wird von der vorhergehenden Zeile mit einem Quintsprung erreicht. Das ist der größte Tonsprung innerhalb des Liedes und er fordert sängerisch etwas Kraft. Damit wird der Freude Ausdruck verliehen, um die es geht. Zugleich befindet sich hier die einzige Stelle, wo der Rhythmus der Zeile anders verläuft als sonst. Es folgt nicht pro Viertelnote eine gesungene Silbe, sondern die Melodie wird zweimal durch eine punktierte Halbe Note wie angehalten, um dann durch das nächste Melisma wieder ins Fließen zu kommen. Insgesamt bilden die Haupttöne dieser fünften Melodiezeile wiederum einen fallenden Dreiklang, aber dieses Mal in Dur. Daran schließt sich die letzte Melodiezeile an, die eine Wiederholung der zweite Melodiezeile ist und zurück ins Moll führt. Mit diesen letzten beiden Zeilen, wo der Text von Strophe zu Strophe als Refrain wiederholt wird, verrät die Melodie, dass sie am Übergang von der metrisch offenen Gregorianik zur Melodiegestaltung der Neuzeit steht, wo sich die Metrik an einem durchgehen Puls orientiert.

Mit der Version in lateinischer Sprache von „The Ten Tenors“ kann man dem Verlauf der Melodie noch einmal gut folgen. Trotz der instrumentalen Untermalung lässt sich nachvollziehen, dass die Melodie auch ohne Begleitung gesungen werden kann.

Die Herkunft der Melodie

Das Versmaß von 6 Zeilen zu 8 Silben ließe den Text auch mit anderen Melodien kombinieren, z.B. mit „Ich bete an die Macht der Liebe“ (EM 123), so in einigen lutherischen Gesangbüchern in den USA. Es hat sich jedoch weitestgehend die Melodie mit dem im englischen Sprachraum üblichen Melodienamen VENI EMMANUEL durchgesetzt, nicht erst seit der Faszination für Gregorianik zu Beginn der 2000er Jahre.

Gedruckt erschien die Melodie erstmals im 1854 vom britischen Komponisten, Chorleiter und Priester der Kirche von England Thomas Helmore (1811-1890) herausgegebenen Melodienbuch „The Hymnal Noted“. Er gab dort an: „aus einem französischen Missale in der Nationalbibliothek von Lissabon“. Diese Quelle lässt sich bis heute nicht nachweisen. Deshalb wurde darüber spekuliert, ob die Melodie nicht von Helmore selbst stammen könnte, quasi in altem Stil geschrieben. Doch 1966 fand Mary Berry (1917-2008), eine Ordensfrau mit dem Ordensnamen Mother Thomas More und Spezialistin für Gregorianik, die als Musikwissenschaftlerin in der französischen Nationalbibliothek herumstöberte eine wichtige Handschrift. In einem Processionale, also einer Sammlung für Gesänge, die bei Prozessionen anlässlich von Begräbnissen gesungen wurden, war die Melodie VENI EMMANUEL enthalten. Die Handschrift stammte aus einer Franziskanerinnengemeinschaft aus dem 15. Jahrhundert. Da es sich nicht um die von Helmore angegebene Quelle handelt, ist Mary Berry der Meinung, dass die Melodie vielleicht um einiges älter sein könnte.

Hier ein Video, das Mary Berry in Aktion zeigt mit der von ihr geleiteten Schola Gregoriana of Cambridge bei einer Messfeier 1997 in Rom. Die Musik beginnt ab 2:17. Die Tonqualität lässt etwas zu wünschen übrig. Ab 7:34 ist Mary Berry auch kurz von vorne zu sehen.

Für das Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche 2002 wurde der vierstimmige Satz aus dem United Methodist Hymnal #211 übernommen, den Thomas Helmore dazu geschrieben hat.

Hier wird der Satz von Familie Ashton gesungen, zunächst unisono, ab der zweiten Strophe vierstimmig.

Liturgische Quellen: die O-Antiphonen

Um zu den Grundlagen des Textes zu gelangen, ist zunächst ein Ausflug in die liturgische Tradition des Stundengebets notwendig. Ab etwa dem 9. Jahrhundert findet man in der westlichen Kirche einen liturgischen Brauch gegen Ende der Adventszeit. Ab dem 17. Dezember wurde das „Magnificat“, der Lobgesang der Maria, das bei jedem Abendgebet/Vesper erklingt, mit einer jeweils anderen Antiphon eingeleitet. Die Antiphon ist ein Gesang, dessen Text auf einem, manchmal auch mehreren Bibelversen beruht, und der als Einleitung und Abschluss eines Psalms oder Canticums (einem Psalm ähnlicher Text aus dem Neuen Testament, z.B. das Magnificat) gesungen wird. Je nach Anlass oder Kirchenjahreszeit werden unterschiedliche Antiphonen zum selben Psalm verwendet, um so einen bestimmten Aspekt zu unterstreichen.

Die Texte der sieben Antiphonen (sieben steht für die Fülle und die Vollendung) am Ende der Adventszeit beginnen alle mit dem Ausruf „O“, daher werden sie O-Antiphonen oder auch Große Antiphonen genannt. An zweiter Stelle folgt ein Begriff, der dem Alten oder dem Neuen Testament entnommen ist und der als Titel auf den Messias, den kommenden Herrn bezogen wird. Nach dem Titel wird dieser textlich erläutert und entfaltet. Es folgt schließlich jeweils eine Bitte, die jedes Mal mit dem Imperativ „Veni – komm“ eingeleitet wird und sich auf den ersten Teil der Antiphon bezieht.

Die O-Antiphon für den 21. Dezember (der Tag der Wintersonnenwende und mit der kürzesten Sonnenscheindauer) lautet folgendermaßen:

„O Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit; komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.“

Hier die auf Lateinisch gesungene 5. O-Antiphon mit dem Notentext in Choralnotation nach der römischen Tradition:

Beim Orden der Dominikaner hat sich eine eigene Tradition ausgebildet. Sie erklingt hier, verbunden mit einer daran anschließenden dreistimmigen französischen Fassung.

Mit den O-Antiphonen hat es noch eine besondere Bewandtnis, die die Feinheiten der liturgischen Traditionen zeigt. Die Anfangsbuchstaben der messianischen Titel bilden – in umgekehrter Reihenfolge – ein sogenanntes Akrostychon, d.h. ein Buchstaben- und Wortspiel, das auf das baldige Erscheinen des Herrn hinweist.

O Sapientia – O Weisheit

O Adonai – O Herr

O Radix Jesse – O Wurzel Jesse

O Clavis Davidica – O Schlüssel Davids

O Oriens – O Morgenstern

O Rex gentium – O König der Völker

O Emmanuel – O „Gott mit uns“

Von unten nach oben gelesen heißt es nun ERO CRAS: „Ich werde morgen (da) sein“, oder auch: „Ich bin die Zukunft“. Damit wird auf das Leitmotiv des Advents hingewiesen, dass Christus bald erscheinen wird, einerseits mit dem Fest von Weihnachten und andererseits mit seiner baldigen Wiederkunft. Mit jedem Tag vom 17. bis 23. Dezember wird damit die Erwartung auf das Fest gesteigert.

Hier erklärt Pater Johannes noch einmal alles, sehr eloquent und in 8 Minuten (aus dem Jahr 2019):

Die O-Antiphonen in der katholischen Liturgie heute

Die O-Antiphonen sind aus der Liturgie des klösterlichen Stundengebets in die heutigen Gottesdienste der Pfarrgemeinden übernommen worden, allerdings haben sie dabei einen anderen Platz erhalten. Sie werden nicht zur Einleitung des Magnificats in der Vesper gesungen, sondern werden – bei den täglichen Messfeiern – als Halleluja-Verse vor dem Evangelium verwendet.

Um die lateinischen Texte in eine Form zu bringen, die für den Gemeindegesang gut nachzuvollziehen ist, gab es schon 1631 eine deutsche Fassung von David Gregor Corner (1585-1635), der sein Leben als Abt von Stift Göttweig beschloss.

Aus mehreren dieser Fassungen – maßgeblich war die von Heinrich Bone (1813-1893) von 1847 – wurde für das Gotteslob von 1975 das Lied „Herr, send herab uns deinen Sohn“ zusammengestellt. Es besteht aus 9 Strophen. Die erste und die letzte Strophe bilden einen Rahmen, der an jedem Tag gesungen wird. Dazwischen wird die jeweilige O-Strophe für den betreffenden Tag eingefügt, sodass daraus ein dreistrophiges Lied entsteht. Im Gotteslob 1 steht das Lied noch ohne Kehrvers und mit einer Melodie aus dem Andernacher Gesangbuch von 1608. Für das Gotteslob 2 von 2013 wurde die uns nun bekannte Melodie VENI EMMANUEL übernommen mit dem Kehrvers „Freu dich, freu dich, o Israel, / bald kommt zu dir Immanuel.“ verbunden. Man kann auch den Text des Refrains auf Lateinisch singen: „Gaude, gaude, Immanuel / nascetur pro te, Israel – freue dich, freue dich, Immanuel wird für dich, Israel, geboren.“

Es ergibt daher liturgisch keinen Sinn, alle Strophen hintereinander zu singen, wie das in diesem Karaoke-Video der Fall ist. Dafür kann man den Text aller O-Strophen mitlesen und die darin erwähnten Bilder für den Messias meditieren.

Das Reformierte Gesangbuch der Schweiz (Nr. 362), das Katholische Gesangbuch der Schweiz (Nr. 304) und das Christkatholische (altkatholische) Gesangbuch der Schweiz (Nr. 525) haben diese Fassung, die die deutsche Texttradition mit der englischen Melodietradition mischt, schon 1998 gemeinsam erstellt. Aber das erste Wort wurde geändert. Auf Wunsch der Frauen-Subkommission zum Reformierten Gesangbuch (siehe Herkunftsangaben zu EM 83) wurde bei der ersten und bei der letzten Strophe das „Herr“ durch „Gott“ ersetzt, was bei diesem Lied sachlich gut möglich ist.

Das Reformierte und das Christkatholische Gesangbuch geben auch einen Hinweis darauf, wie das Lied mit den Rahmenstrophen 1 und 9 sowie jeweils einer O-Strophe dazwischen zu singen ist.

Hier eine Fassung zur Anregung, wo man dieses Lied auch noch singen kann. Ich grüße damit einen ehemaligen Chorkollegen. Er unterrichtet inzwischen Dirigieren und Chorleitung an der Kirchenmusikschule St. Gallen. Er singt ab 0:55:

Der englische Traditionsstrom

In der englischsprachigen Welt hat sich eine andere Tradition der Übertragung der O-Antiphonen durchgesetzt. Sie geht auf eine lateinische Version zurück, die erstmals in Köln 1710 im „Psalteriolum Cantionum Catholicarum“ vorliegt, ein Gesangbuch das vielfach aufgelegt und in Schulen der Jesuiten verwendet wurde. Der lateinische Hymnus, „Veni, veni Emmanuel“, vermutlich aus der Barockzeit, umfasst nur fünf Strophen und beginnt mit der letzten O-Antiphon. Es folgen die Inhalte der 3. (Wurzel Jesse), der 5. (O Morgenstern), der 4. (Schlüssel Davids) und der 2. Antiphon (O Adonai – O Herr). Später, zu einem noch unbekannten Zeitpunkt, wurden die beiden noch fehlenden Strophen in Lateinisch ergänzt. Bisher ältester Beleg dafür sind die „Cantiones sacrae“ von Joseph Hermann Mohr von 1878.

Diese fünfstrophige lateinische Fassung ist in der Chorszene gut bekannt durch die Vertonung von Zoltán Kodály (1882-1967) als „Adventi ének“ (Adventlied, 1963) bekannt. Sie wird mit ungarischem Akzent gesungen vom MediChoir Hallgatói Kórus Debrecen unter der Leitung von Anett Veres.

John Mason Neale (1818-1860) nahm diesen lateinischen Hymnus als Vorlage für seine Übersetzung ins Englische. Neale, Priester der Church of England und als solcher in der Oxford-Bewegung der anglikanischen Kirche engagiert, fand den Text von „Veni, veni Emmanuel“ im zweiten Band des „Thesaurus Hymnologicus“, den der deutsche Hymnologe Hermann Adalbert Daniel 1844 herausgebracht hatte. 1851 publizierte Neale diesen lateinischen Text in den „Hymni Ecclesiae“ (Hymnen der Kirche). Im selben Jahr erschien dann die Übersetzung ins Englische unter dem Titel „Draw nigh, draw nigh, Emmanuel“ in „Mediaeval Hymns and Sequences“. Das war die textliche Grundlage zu der Thomas Helmore wenige Jahre später, 1854, die in Lissabon aufgefundene Melodie beisteuerte. Eine weitere Überarbeitung des Textes erfolgte für „Hymns Ancient and Modern“ von 1861. Nun erschien das Lied mit der einprägsamen und gut zu singenden ersten Zeile „O come, o come, Emmanuel“. Auch alle weiteren Strophenanfänge beginnen nun in der Fassung von Neale mit „O come“. Besonders gut klingt in der englischen Sprache das „Rejoice“, das den Refrain eröffnet.

Hier singen die St. Michael’s Singer zusammen mit den Coventry Singers mit Neales Text zum Mitlesen:

Die Oxford-Bewegung, zu der auch John Keble, John Henry Newman oder Edward B. Pusey gehörten, versuchte über das Gesangbuch „Hymns Ancient and Modern“ ihr Anliegen, mehr die Verbindungen zum Katholizismus und den östlichen Kirchen zu suchen, zu stärken. So finden sich in diesem Gesangbuch viele Übersetzungen von griechischen, lateinischen, russischen oder auch syrischen Hymnen ins Englische. Vor dem Wirken der Oxford-Bewegung ab den 1830er Jahren sang man in anglikanischen Gottesdiensten entweder bereimte Psalmen oder die Lieder von Charles Wesley (1707-1788) oder Dissentern (Glaubensgemeinschaften außerhalb der Kirche von England, wie z.B. Presbyterianer oder Kongregationalisten) wie Isaac Watts (1674-1748). Mit dem Gesangbuch „Hymns Ancient and Modern“, das immer wieder neu aufgelegt und revidiert wurde, etablierte sich in der Kirche von England ein neues Liedgut, das auf alte Traditionen zurückgriff.

Da die Übersetzung von John Mason Neale nur fünf Strophen zu den O-Antiphonen umfasste, wurden auch im Englischen die beiden fehlenden Strophen ergänzt durch eine Übersetzung von Henry Sloane Coffin (1877-1954). Überdies schuf Thomas Alexander Lacey (1853-1931) eine weitere Übersetzung für „The English Hymnal“ von 1906. So findet man im englischen Sprachraum verschiedene Versionen des Liedes

Für das United Methodist Hymnal von 1989 wurde eine siebenstrophige Fassung noch einmal vom Professor für Liturgie und Homiletik am Wesley Theological Seminary in Washington, Laurence Hull Stookey (1937-2016), sprachlich überarbeitet. Stookey gehörte zusammen mit drei weiteren methodistischen Liturgiewissenschaftlern (Hoyt Hickman, James White und Don Sailers) zu denen, die wesentlich des Revised Common Lectionary entwickelt haben. Diese Leseordnung in unserer Kirche und zwanzig weiteren, meist englischsprachigen,  Kirchen verwendet. Auch das Gottesdienstbuch „Book of Worship“ der United Methodist Church von 1992 wurde von den vier Theologen geprägt. Ihr ökumenisches Interesse ließ sie viele gemeinsame Wurzeln entdecken und führte zu einer breiteren Rezeption von Liturgie in unserer Kirche.

Im United Methodist Hymnal sind bei #211 die 7 O-Antiphonen auch als Lesetext abgedruckt. Die Bitte „Komm und …“ wird jeweils von der Gemeinde gemeinsam gesprochen.

 

Die deutsche Fassung

Der baptistische Theologe Otmar Schulz, der auch für evangelische Landeskirchen in Deutschland tätig war, hat seine deutsche Fassung 1975 geschaffen und 1982 noch einmal überarbeitet. Sie nimmt Gedanken aus der 5. (O komm, du Morgenstern) und der 3. Antiphon (O Wurzel Jesse => „aus Davids Stamm“) auf, ist aber keine Übersetzung.

Die erste Strophe entfaltet mit der Anrufung des Morgensterns die Lichtsymbolik. Der Morgenstern soll als Bote des anbrechenden Morgens die Nacht vertreiben (Zeile 3) durch sein klares Licht (Zeile 4).

Die zweite Strophe entfaltet das Bild des Friedens. Der Messias, geboren aus dem Stamm Davids (Zeile 1), ist der Friedenskönig und Friedensbringer (Zeile 2). Wie dieser Friede uns zukommt, wird durch ein einfaches „Osterlamm“ auf das Geschehen von Karfreitag und Ostern bezogen. Die Wirkung des Friedens ist die Befreiung von jeglicher Schuld und Knechtschaft (Zeile 3), ein Anklang an Galater 5,1.

Die dritte Strophe ruft in Erinnerung, dass mit dem Advent auch das zweite Kommen Christi gemeint ist. Es wird dann vollendet sein, wenn uns nichts mehr von ihm trennt (Zeile 2) und alle das Lied der Freien singen werden (Zeile 4), wie es z.B. in Jesaja 35,10 heißt.

Eingeleitet von Landesbischof Friedrich Kramer für die Evangelische Kirche von Mitteldeutschland singt die Uta- und Ekkehard-Kurrende der Domsingschule Naumburg.

Übersetzungen in andere Sprachen

Wie bei vielen Liedern aus dem englischsprachigen Raum gibt es zu diesem Lied eine ganze Reihe von Übersetzungen in andere Sprachen. Im Liederbuch des Ökumenischen Rates der Kirchen, Cantate Domino von 1974 gibt es Übersetzungen ins Französische, Spanische, Portugiesische, Suaheli, ins Arabische und Japanische. Im ökumenischen Liederbuch „Colours of Grace“ sind darüber hinaus noch eine niederländische und eine schwedische Fassung zu finden.

Hier eine langsame und meditative Fassung mit der niederländischen Übersetzung von Willem Barnard (1920-2010) und dem Sela-Ensemble, aufgenommen in der Sint Janskerk von Gouda.

Auch in der Welt des Pop und Rock hinterließ das Lied seine Spuren. So hat die irische Singer-Songwriterin Enya eine Version aufgenommen oder die finnische Metal-Sängerin Tarja Turunen. Der Ruf nach Erlösung, der Wunsch nach Veränderung sind bleibende Themen und eine Melodie, die wie kaum eine andere Weise „Sehnsucht“ ausdrückt, fasziniert noch immer, auch nach 500 Jahren.

Zum Abschluss die Metal-Fassung von „Theocracy“:

Aus urheberrechtlichen Gründen können hier keine Texte aus dem Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche 2002 abgedruckt werden. Dieses kann jedoch bei blessings4you bestellt werden.

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