Le­bens­ge­stal­ten­des Lernen

Glaubensimpuls

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Bernhard Lasser

Laienprediger


Fünf Thesen zum Lernen in christlicher Gemeinschaft. 

Lernen in christlicher Gemeinschaft – oder was Christinnen und Christen mit Flamingos verbindet. 

Seit 2019 beschäftigt sich die Jährliche Konferenz der EmK Österreich mit den Fragen, die John Wesley im ersten Konferenzgespräch der methodistischen Bewegung gestellt hat: Was sollen wir lehren? Wie sollen wir lehren? Was sollen wir tun? Jede dieser Fragen sollte an einer Jährlichen Konferenz diskutiert werden.

Die ersten der beiden Fragen können sowohl theologisch als auch pädagogisch verstanden werden. So kam spätestens nach der Jährlichen Konferenz 2019 ("Was sollen wir lehren?") die Frage auf, ob wir denn genau wissen, was wir mit verschiedenen pädagogischen Begriffen wie Lernen und Bildung in unserer Kirche genau meinen. Die nun von der Kommission für liturgische, theologische und ethische Fragestellungen ausgearbeiteten Thesen entwerfen ein theologisch-pädagogisches Grundgerüst, in dem verschiedene Begriffe wie Lernen und Bildung in Bezug auf das Gemeindeleben und die Gottesbeziehung entfaltet werden. Die Thesen sollen besonders für die Arbeit des Kinder- und Jugendwerks sowie für die Erwachsenenbildung eine Grundlage sein, die Klarheit bezüglich der pädagogischen Begriffe ermöglicht.

Sehr wichtig bei der Auseinandersetzung mit den Thesen war uns die Gestaltung des eigenen Lebens aus dem Glauben. An der Jährlichen Konferenz 2021 wurde das von Pastor Frank Moritz-Jauk als Flamingo-Effekt bezeichnet. Flamingos sind rosa, weil sie Krebse und Algen fressen, die Farbstoffe enthalten. Auch Christinnen und Christen werden dann als solche erkennbar, wenn sie das, was ihnen die Bibel zu verstehen gibt, verinnerlicht haben und es nach außen hin sichtbar wird – so wie Flamingos nur rosa sind, wenn sie die entsprechende Nahrung fressen. 

Fünf Thesen zum Lernen

Le­bens­ge­stal­ten­des Lernen und die Gemeinde als Lern­ge­mein­schaft


  1. Der Mensch ist fähig zu lernen und befindet sich das ganze Leben auf einem Lernweg.
  2. Der Lernweg des Menschen ist eingebettet in das Miteinander von verschiedenen Menschen, die einander in der Gemeinde in ihrer ganzen Vielfalt begegnen.[1] Im Umgang miteinander ist immer die unantastbare Gottesebenbildlichkeit und Würde aller Menschen zu berücksichtigen.
  3. Gott selbst ist für den Menschen nicht greifbar. Er gibt sich aber immer wieder zu erkennen. Die biblischen Texte sind Zeugnisse solcher Begegnungen mit Gott. Sie werden somit zum zentralen Bildungsinhalt. In der Auseinandersetzung mit diesen Glaubenszeugnissen sind sowohl Lernen als auch Bildung möglich. Bei dem Lernen in der Gemeinde steht die Gottesbeziehung des Menschen im Mittelpunkt. Sich biblisches Wissen anzueignen ist kein Selbstzweck, sondern führt in oder vertieft die Beziehung mit Gott und den Mitmenschen. Das verändert die Gestaltung des eigenen Lebens, Denkens und Handelns. Wo Glaube und Handeln miteinander im Einklang sind, wird ein authentisches Zeugnis des Glaubens sichtbar.
  4. In der Bildung hat die Umwelt einen Einfluss auf den Menschen. Der Mensch lernt, die Umwelt zu verstehen. Ziel dessen ist es nicht, Einflüsse aus der Umwelt unkritisch zu übernehmen. Es ist die Aufgabe des Menschen, frei und verantwortlich zu leben. Schließlich nimmt der Mensch auch Einfluss auf seine/ihre Umwelt und gestaltet diese. Der Einfluss des jeweiligen Menschen auf seine/ihre Umwelt ist geprägt von seinen/ihren Überzeugungen. Nach christlichem Verständnis wachsen diese Überzeugungen aus dem Glauben.
  5. Am Ende des Matthäus-Evangeliums fordert Jesus seine Jünger*innen auf, alle Menschen in eine solche Lerngemeinschaft des Glaubens einzuladen. Das bedeutet, anderen Menschen von einem Leben aus dem Glauben zu erzählen und auch etwas zu vermitteln. Für das eigene Nachdenken und das Lesen der Bibel – und damit auch für das, was vermittelt werden soll – kann Röm 12,2 gelten: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ (Einheitsübersetzung) Der Umgang miteinander ist nicht mehr orientiert an der Gesellschaft, sondern an der Liebe Gottes zu den Menschen, die uns Orientierung im Umgang miteinander gibt. Das gilt selbstverständlich auch, wenn etwas vermittelt wird.   
     

[1] Vgl. Art. 4 und 5 der Verfassung der United Methodist Church.

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