Eine Predigt zu Apg. 2,1-21

Glaubensimpuls

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Eine Pfingstpredigt zum Lied "Heiliger Geist, rühr mein Herz an" von Charlotte Schwarz

Es gibt ein geflügeltes Wort, das sagt: Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde als wir ahnen und verstehen können!“  Wie wahr! Vielleicht fallen Euch gleich Erlebnisse ein, die Ihr Euch nicht wirklich erklären könnt. Es gibt gewisse Dinge, die nicht zu verstehen sind und die man einfach stehen lassen muss.

Trösten wir uns, denn Petrus ist es sicherlich auch so ergangen: Das Pfingstwunder geschah auf eine Art und Weise, die er sicher nicht erwartet hatte.

Wir haben es vorher in der Lesung gehört: ein Sturm erhebt sich und Feuerzungen fallen vom Himmel, die Apostel beginnen in fremden Sprachen zu reden, und alle, die das hören, geraten außer sich!

Petrus nutzt nun diese Stunde, um zu evangelisieren – zum 1. Mal in seinem Leben! Viele Menschen kommen durch seine flammende Predigt zum Glauben an Jesus und werden getauft.

Was hier geschehen ist, ist am Wandel des früheren Petrus zum geisterfüllten Petrus zu erkennen. Das große Wunder für mich ist nicht, dass die Jünger jetzt in fremden Sprachen reden konnten. Das Wunder ist, dass sie nun erkannten, wer Jesus wirklich ist!  Manche Menschen sagen, Pfingsten sei die Geburtsstunde der Kirche. Ich würde sage: Pfingsten ist die Geburtsstunde der Erkenntnis, wer Jesus wirklich war und ist! Alles andere ist eine Folge davon. Diese Erkenntnis, bewirkt durch den Hlg. Geist, führt zur Buße, zum Glauben und zum Zeugnis für Jesus.

Wenn wir die Apg. weiterlesen, erfahren wir die weiteren Auswirkungen der Geistausgießung. Es ist eine spannende Geschichte, wie Menschen sich verändern, wie ihr eigenes Leben neu wird, wie sich das Zusammenleben von Menschen neu gestalten lässt, weil die Kraft des Hlg. Geistes zu wirken beginnt!

Der Hlg. Geist ist ein Geschenk Gottes, für uns alle. Aber er muss in uns wirksam werden. Wir brauchen die Kraft des Hlg. Geistes. Und um die dürfen und sollen wir immer wieder bitten. Sie kann dort wirken, wo sie erwartet wird, wo Menschen für sie offen sind, wo um sie gebetet wird. Gottes Geist will ja etwas in uns bewirken, in unserem täglichen Leben, das dadurch spannender, reicher und glücklicher wird.

Welche Veränderungen durch den Hlg. Geist in unserem Leben geschehen können, möchte ich mit Euch in einem Lied aus Finnland betrachten, das wir in unserem Gesangbuch haben. Jede Strophe ist eine persönliche Bitte an den Hlg. Geist, wir werden sie zwischendurch singen.

Vers 1: Heiliger Geist, rühr mein Herz an, mache mein Leben neu, dass ich Jesus vertrauen kann. Bleibe mir immer treu.

Wenn ich etwas erbitte, dann erwarte ich auch etwas! Ist es mein Wunsch, dass der Geist Gottes mich anrührt? Durch eine Berührung entsteht Bewegung. Möchte ich, dass mein Leben in Bewegung kommt, ja, dass mein Leben neu wird? Altes muss dann verabschiedet werden, damit Neues entstehen kann.  Aber es wird nur soweit möglich sein, wie ich dies wirklich wünsche und zulasse! Das Neue wird immer wieder sein, dass ich Jesus in jeder Lebenslage vertraue, dass er mir immer treu bleibt! Auch in großer Not und Sorge, in Enttäuschungen, die ich erlebe und im Angesicht des Todes. Auch wenn ich selbst versage im Leben – dann vertrauen können, dass Jesus mich trotzdem nicht verlässt, dass er bei mir bleibt und mich liebt. Wir haben gerade auch in dieser Corona-Zeit Jesu große Treue zu uns erlebt, wir sind auch unter erschwerten Bedingungen Gemeinde geblieben, durch seinen Hlg. Geist! Dieses Vertrauen will er in uns festigen, immer wieder!

Vers 2: Hlg. Geist, rühr mein Herz an, leuchte mir, Gotteslicht.
Zeige mir mein Lebensziel, schenke mir deine Sicht.

In einer Welt, in der es so viele Irrlichter gibt und auch der Satan als „Engel des Lichts“ die Menschen irreführt, ist es eine wichtige Bitte, dass Jesus, das wahre „Licht der Welt“, unser Licht ist. Denn es geistern heute besonders viele „Irrlichter“ durch die Welt, viele sind „Verschwörungstheorien“! Der beste Schutz vor ihnen ist Jesu Licht, der unseren Verstand erleuchtet und uns unser Lebensziel zeigt! Um es zu erkennen, brauchen wir seine Sicht. Gewiss hat Gesundheit besonders jetzt einen ganz hohen Stellenwert – uns ist mehr als je bewusst geworden, wie fragil und verletzlich wir Menschen sind! Letztendlich aber ist unser Lebensziel das Ewige Leben bei Gott!

           Ich lade Euch ein, mit uns nun die 1. und 2. Str. des Liedes 260 zu singen!

Vers 3: Hlg. Geist mach mich mutig, von meinen Zweifeln frei, dass ich Gott fröhlich diene, anderen Nächste/r sei.

Zweifeln gehört zum Menschsein, die einen zweifeln mehr, die anderen weniger, und man kann an allem und jedem zweifeln – hin bis zur Verzweiflung. Es gibt zwar dieses bekannte Wort „Bezweifle alles – wenigstens 1 mal“. Nun, ich habe es für mich so verstanden, dass ich etwas hinterfragen und nicht einfach unbedacht schlucken muss, was mir im Leben so vorgesetzt wird, sondern dass ich ruhig auch kritisch darüber nachdenken darf, und, warum auch nicht, es bezweifeln darf. Wenn es echt ist, wird es Bestand haben. Aber es gibt Zweifel, die uns ängstigen und lähmen. Gerade auch, wenn unsere Zuversicht in Gottes Gegenwart erschüttert wird durch Lebensumstände, die wir nicht ändern können. Wir kennen das, denke ich. Der Hlg. Geist will uns von diesen lähmenden Zweifeln befreien. Als Christen sind wir zur Freiheit berufen! Der Hlg. Geist schenkt uns den Mut, uns auf diese Freiheit einzulassen. Dieses „befreit sein“ befähigt mich, „fröhlich Gott zu dienen“, wie es dieses Lied so schön ausdrückt! Und das geschieht im Dienst an unseren Nächsten. Oder noch besser sagt es das Lied: dass ich den anderen Nächste/r sei. Das verlangt also, dass ich aktiv werde! Ich wende mich meinem Mitmenschen in tätiger Nächstenliebe zu. Dazu brauche ich wirklich oft Mut und Freude, die mir/uns Gott im Hlg. Geist schenken will, wenn wir ihn darum bitten!

         Vers 4: Heiliger Geist, komm, erleuchte mein Herz durch deine Kraft, die die     
         Menschen verbindet, Gottes Familie schafft.

Mein Herz . . . wie ist es denn?
Manchmal hab ich es auf der Zunge – manchmal ist es verschlossen
und wird ganz hart
Manchmal kann es mir, wie der Volksmund sagt, „in die Hose rutschen“
Oder ich erschrecke über die Abgründe in meinem Herzen
Es zerspringt mir vor lauter Freude –
Oder ein Kummer zerreißt mir das Herz

All dies können wir körperlich spüren, auch wenn es im Lied ja nicht in 1. Linie um das Organ geht. Aber wir sagen, dass das Herz der Sitz unserer Gefühle ist, unseres Glaubens, unseres Vertrauens in Gott. Der Hlg. Geist soll die Leuchtkraft für unser Herz sein. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ sagt St. Exupéry. Aber um zu sehen, mit dem Herzen zu sehen brauchen wir Licht. Wenn wir wirklich unsere Mitmenschen mit dem Herzen sehen wollen, muss der Hlg. Geist unser Herz erleuchten. Diese „Erleuchtung“ hat eine Quelle: es ist die Kraft des Hlg. Geistes.

Das nahm zu Pfingsten seinen Anfang, der V 44 im Pfingstbericht sagt es:

„… und alle, die gläubig geworden waren, bildeten eine Gemeinschaft.“ Der Hlg. Geist will Gemeinschaft stiften, „Gottes Familie schaffen“. Das ist das, was wir hier erleben! Auch wenn wir immer wieder für einige Zeit räumlich getrennt waren, wir sind Gottes Familie geblieben und werden es bleiben, weil der Hlg. Geist uns zusammengeführt hat und uns zusammenhält! In aller Freiheit, die wir haben, denn es ist ein Geist der Liebe, der uns eins macht!

              So lasst uns jetzt die Str. 3 und 4 vom Lied 260 singen.

Hören wir zum Schluss den Vers 5: Hlg. Geist rühr mein Herz an, mach mich zum Lob bereit. Wirke in uns und durch uns heute und allezeit.

Ich glaube, dass wir das wirklich alle möchten: Gott loben! Manchmal fällt uns das Loben nicht leicht, manchmal meinen wir, dass wir nicht die richtigen Worte dazu finden. Dann helfen uns Psalmen oder gute Texte, und vor allem Lieder, jetzt dürfen wir auch wieder singend Gott loben, wenn auch noch unter der Maske! Aber immerhin! Und v.a. dürfen wir den Hlg. Geist bitten, unser Herz anzurühren, dass es Gott loben kann. Und wenn er in uns und durch uns wirkt, dann wird unser Leben ein Lob Gottes. Das war das wahre Pfingstwunder, dass der Hlg. Geist die betenden Menschen, die die Kraft Gottes erwarteten, so berührt und zu brennenden Menschen verwandelt hat, dass durch ihr Zeugnis und ihr Leben viele Menschen zum Glauben an Jesus kamen. Das setzt sich bis heute fort!

Auch heute und an jedem Tag unseres Lebens kann sich für jede/n von uns immer wieder ein Pfingstwunder ereignen. Bitten wir Gott darum, dass er uns „entflammt“, auch wenn wir keine Feuerzungen sehen! Dass wir die „Ruach“, den Atem Gottes spüren, die Kraft, die er uns schenken will. Dass wir einander und unsere Mitmenschen mit dem Herzen verstehen, miteinander reden in der Sprache des Herzens, denn dies ist die Sprache der Liebe.

Paulus sagt im 1. Kor. Brief, dass die Liebe die höchste Geistesgabe sei.

Bitten wir Gott um alles, was wir in diesem Lied vernommen haben, dann wird es unser Pfingstgebet!

Heiliger Geist!
Gib, dass ich Jesus vertrauen kann,
schenke mir deine Sicht,
dass ich Gott fröhlich diene, um anderen Nächste zu sein.
Erleuchte mein Herz mit deiner Menschen-verbindenden Kraft.
Und wirke in mir und durch mich heute und allezeit.

AMEN

 

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