Über Rassismus in der Kirche und über das Potential, ein Vorbild für Veränderung zu sein, sprach Garlinda Burton in einem Interview zum Tag des Rassismus.
»Ich glaube, dass unsere Kirche und ihre Mitglieder die Kraft des Heiligen Geistes haben, um Rassismus zu einer Sache der Vergangenheit zu machen.« Das sagte Garlinda Burton in einem Interview anlässlich des Internationalen Tages des Rassismus im März. Burton ist evangelisch-methodistische Christin und seit dem vergangenen September die Interimsvorsitzende der international zuständigen Kommission für Glaube und ethnische Vielfalt (General Commission on Religion and Race) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).

In dem für die »Evangelische Mission Weltweit« (EMW, vormals Evangelisches Missionswerk) geführten Drei-Fragen-Interview beschrieb Burton das Versagen der Kirchen im Blick auf Rassismus. Der Glaube, so Burton, sei »um das Idol einer weißen, westlichen Vorstellung von Jesus Christus« herumgebaut worden, womit »drei Viertel der Weltbevölkerung als minderwertig« ausgegrenzt worden seien. Außerdem sei die Botschaft des Evangeliums missbraucht worden, »um Land zu stehlen, nicht-weiße Menschen zu versklaven und zu unterdrücken und sogar Götzenbilder von Jesus als weißem ›Herrn‹ zu schaffen«.

Am Beispiel einer Universität in den Vereinigten Staaten beschrieb Burton, wie Wiedergutmachung und Veränderung geschehen könne. Die in dem Interview nicht konkret benannte Universität habe einer Organisation, die sich um schwarze Jugendliche kümmere, zehn Millionen US-Dollar übergeben. Diese Summe sei, so Burton, eine »kleine Rückzahlung an die Erben ehemals versklavter Schwarzer, die die meisten der historischen Gebäude ohne Bezahlung gebaut hatten«. Sie ist der Meinung, dass noch viele solcher Anstrengungen nötig seien, »um das zurückzugeben, was im Namen des Rassismus gestohlen wurde, und um Buße zu tun und öffentlich zu erklären, dass wir Gottes Ruf folgen werden: ›Geht hin und sündigt nicht mehr‹«.

Gemeinden könnten in dieser Hinsicht in ihrer Umgebung viel bewirken, wenn sie »jenseits der Kirchenmauer das ganze Viertel, in dem ihre Kirche steht, als ihre Gemeinde betrachten«. Dort könnten sie sich »für das Wohl der Gemeinschaft engagieren«, indem sie »ethnische und kulturelle Barrieren durchbrechen und Partnerschaften bilden«. Burton ist überzeugt, »dass es dann im Umkreis von zwei Kilometern um eine methodistische Kirche kein einziges hungerndes Kind mehr geben würde, weil wir uns darauf konzentrieren würden, das auszurotten, was das ganze Volk Gottes umbringt«.