Geoffrey Wainwright war ein hervorragender methodistischer Theologe und sein Leben lang ein engagierter Ökumeniker. Er hat die methodistische Theologie und die Theologie insgesamt ungemein befruchtet und im Rahmen des Weltkirchenrates und vor allem im Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche (in diesem Dialog hat er als Ko-Vorsitzender den Methodistischen Weltrat vertreten) eine wesentliche und nachdrückliche Rolle gespielt. Ich habe Geoffrey Wainwright zum ersten Mal 1962 beim 2. Oxford Institute for Methodist theological Studies in Oxford getroffen. Er ist mir damals durch seine präzisen und oft herausfordernden theologischen Kommentare aufgefallen. Wir sind einander dann oft bei verschiedenen ökumenischen Veranstaltungen begegnet. Im Jahre 2000 hat er mich eingeladen, in der Dialogkommission mit der Römisch-katholischen Kirche mitzuarbeiten. Als Mitglied dieser Kommission habe ich dann die Kommission eingeladen, ihre Sitzung im Jahre 2004 in Österreich durchzuführen. Wir haben unsere Sitzungen im Stift Klosterneuburg abgehalten, wo wir eine Woche lang sehr gastfreundlich aufgenommen worden sind. Ich nenne hier einige Stationen aus dem Leben von Geoffrey Wainwright. Er wurde im Jahre 1939 in Monk Bretton, Yorkshire, England geboren. Er war ordinierter Pfarrer der British Methodist Church. Er studierte Theologie in Cambridge, Genf und Rom. Die theologischen Fakultäten in Genf und Cambridge haben ihm jede einen Doktortitel verliehen. Von 1964-1966 arbeitete er als Pfarrer in Liverpool. Dann ging er als Missionar nach Afrika und arbeitete in Kamerun als Pfarrer und theologischer Lehrer an der Protestant Theological Faculty in Yacunda, Kamerun, in den Jahren 1967 bis 1973. Von 1973 bis 1979 unterrichtete er als Theologieprofessor am methodistischen Queen‘s College in Birmingham. 1979 wechselte er an das Union Theological Seminary in New York, wo er den Lehrstuhl für Systematische Theologie inne hatte. Im Jahre 1983 nahm er eine Berufung der Duke University in North Carolina an und erhielt dort den Robert-Earl-Cushman-Lehrstuhl für Theologie. An der Duke Universität lehrte er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2012. Er war gleichzeitig Gastprofessor an der Notre Dame Universität, an der Gregoriana in Rom und an der theologischen Fakultät in Melbourne, Australien.

Sein ökumenisches Engagement ist beeindruckend.

Zwischen 1976 und 1991 war er Mitglied in der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Weltkirchenrates. Unter seinem Vorsitz wurde im Jahre 1982 das Weg weisende ökumenische Dokument, bekannt als Lima-Dokument, »Taufe, Eucharistie und Amt« erstellt und herausgegeben. Von 1986 bis 2012 war er Ko-Vorsitzender der Dialogkommission zwischen der Römisch-katholischen Kirche und dem Weltrat Methodistischer Kirchen.

Er hat viel publiziert.

Ich nenne hier einige seiner wichtigsten Bücher:

1971 Eucharist and Eschatology
1980 Doxology: The Praise of God in Worship, Doctrine and Life. Wohl sein wichtigstes und einflussreichstes Buch.
1995 Methodists in Dialog. Kingswoods Books 2007 Leslie Newbegin: A Theological Life and Embracing Purpose. Eine Biographie eines ökumenischen Pioniers.
2014 Faith, Hope and Love: The Ecumenical Trios of Virtues.

Am 17. März 2020 ist ein reiches Leben zu Ende gegangen.

Die letzten Jahre seines Leben waren überschattet von Altersgebrechlichkeit und zunehmender Demenz. Geoffrey Wainwright hat nie den Eindruck gemacht, unter Druck zu stehen. Er hatte Zeit für persönliche Gespräche und das gemeinsame Feiern im Gottesdienst war ihm besonders wichtig. Er hat deutliche Spuren hinterlassen. Wer sich immer ökumenisch engagiert, wird an Geoffrey Wainwright nicht vorbei gehen können.

Helmut Nausner, verfasst am 18. März 2020

Foto: Duke Universität