Peter Ciaccio ist ist methodistischer Pastor. Seit Kurzem ist er Ehrenbürger der sizilianischen Hafenstadt Palermo. Er sei »spiritueller Bezugspunkt für die Kommune« gewesen.
Peter Ciaccio, Pastor der Methodistischen Kirche in Italien, erhielt am 26. Oktober 2020 die höchste Auszeichnung Palermos: Er wurde Ehrenbürger der sizilianischen Hauptstadt. Dort hatte er von 2011 bis 2013 in der waldensischen und methodistischen Gemeinde »La Noce« und 2013 bis 2020 in der waldensischen Gemeinde »Via dello Spezio« seinen Dienst versehen. Seit wenigen Monaten wirkt er im norditalienischen Triest an der Grenze zu Slowenien. Der Geehrte ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Ehrung für starkes Engagement

Palermos Oberbürgermeister Leoluca Orlando ehrte Pastor Ciaccio in einer Feier im Rathaus für »das starke Engagement auf jeder Ebene, örtlich und international, im Bereich der Ökumene, des Schutzes der Menschenrechte und der Religionsfreiheit«. Orlando hob hervor, dass Ciaccio die öffentliche und private Dimension seines Auftrags sowie den Glauben und den bürgerschaftlichen Einsatz miteinander verbunden habe. Er habe auch danach gestrebt, Risse im gesellschaftlichen Gefüge zu heilen. Die Auszeichnung werde auch dafür verliehen, »dass Sie ein spiritueller Bezugspunkt für die Kommune Palermo waren, gekennzeichnet durch begeistertes und aktives religiöses und bürgerschaftliches Engagement, durch tiefe Verbundenheit mit der Stadt und den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften«.

»Bemüht euch um das Wohl der Stadt«

In seiner Dankesrede zitierte der neue Ehrenbürger eine Stelle aus einem Prophetenbuch des Alten Testaments: »Bemüht euch um das Wohl der Stadt, in die ich euch wegführen ließ, und betet für sie. Wenn es ihr gut geht, wird es auch euch gut gehen.« (Jeremia 29,7) Er erläuterte: »Man kann seine besondere Identität pflegen und bewahren, aber man kann kein Fremder in der Stadt sein, in der man lebt. Diese Stadt, in der du dich als Fremder fühlst, ist jetzt deine Stadt und dein Wohl leitet sich von ihrem Wohl ab.«

Ciaccio stellte fest, dass die Stadt Palermo zumindest teilweise eines verstanden habe: »Vom Wohl der Ausländer hängt ihr eigenes Wohl ab.« In großen Teilen Italiens und Europas gebe es paranoide, destruktive und selbstzerstörerische Tendenzen gegenüber Menschen, die aus anderen Ländern kommen. Palermo hingegen heiße diese Menschen willkommen, die »jeden Tag für das Wohl der Stadt arbeiten«.

Hinweis auf andere Ehrenbürger Palermos

In seiner Rede wies Ciaccio auch auf andere Ehrenbürger der Stadt hin: den lutherischen Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratspräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland, sowie die Besatzungen der Schiffe »Sea Watch«, »Mare Jonio« und »Accursio Giarratano«. Sie hätten die Ehrenbürgerschaft Palermos erhalten, weil sie sich dafür einsetzten und dies auch weiterhin tun, »diejenigen zu retten, die auf dem Weg zu einem besseren Leben das Risiko eingehen, im Meer zu ertrinken«.

Erinnerung an andere Methodisten und Waldenser

Der neue Ehrenbürger erinnerte auch an andere Methodisten und Waldenser, die in Palermo schon gewirkt haben: Giorgio Appia war Gründer der waldensischen Gemeinde in Palermo im Jahr 1861 und Mitarbeiter Henri Dunants, des Gründers des Internationalen Roten Kreuzes. Appia eröffnete 1863 die erste Schule Palermos für alle, die auch den Ärmsten eine Schulbildung ermöglichte. Das war noch vor Einrichtung der öffentlichen Schulen in der Stadt.

Hundert Jahre später hatte Pastor Pietro Valdo Panascia als erster Vertreter einer Kirche die Stimme gegen die Verbrechen der Mafia erhoben. Er gründete auch das waldensische Diakoniezentrum »La Noce« in Palermo. Ciaccio wies auch auf Pastor Alfonso Manocchio hin, der in den 1980er-Jahren erkannte, dass es nicht nur Aufgabe der Kirche sei, sich um die Auswanderer zu kümmern, sondern auch für die Eingewanderten da zu sein. Außerdem erwähnte er die methodistische Nigerianerin und Palermitanerin Vivian Wiwoloku, die sich gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei einsetzt.

»Alles zum Wohl der Stadt«

Noch ein weiteres Thema griff der Geehrte auf: In Palermo seien Menschen mit homosexueller Orientierung willkommen. Dort könnten Lebenspartnerschaften geschlossen und gefeiert werden. Regenbogenfamilien sei es möglich, zum Wohl der Stadt beizutragen. Die ökumenische Mahnwache zur Überwindung von Homotransphobie (Angst vor Homosexualität und Transsexualität) sei eines der schönsten Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen den Bürgern Palermos über die Grenzen unterschiedlichen Glaubens und unterschiedlicher sexueller Orientierung hinweg. Das geschehe »alles zum Wohl der Stadt«.

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