ÖRKÖ: „Fehlt nur am politischen Willen“ – Auch Kirchen in Kärnten für sofortiges Handeln
„Was sich derzeit vor unseren Augen und mit Duldung aller EU-Mitgliedsstaaten abspielt, ist eine Schande“, so der ÖRKÖ-Vorstand.

Wien/Klagenfurt (epdÖ) – Der Druck der Kirchen in Österreich auf die Bundesregierung, die Notlage in griechische Flüchtlingslagern wahrzunehmen, nimmt weiter zu. Der Vorstand des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) hat in einer Aussendung am Freitag, 18. Dezember, die sofortige Evakuierung der Betroffenen auf den griechischen Inseln und die Aufnahme von besonders schutzbedürftigen Familien in Österreich gefordert. „Was sich derzeit vor unseren Augen und mit Duldung aller EU-Mitgliedsstaaten abspielt, ist eine Schande“, beklagte der ökumenische Verbund der heimischen Kirchen. In Österreich stünden bereits jetzt Quartiere für 3.000 Menschen zur Verfügung, die von Kirchengemeinden, politischen Gemeinden und Privatpersonen angeboten werden. „Es fehlt nur am politischen Willen.“

Vor allem müsse das Lager Kara Tepe auf der Insel Lesbos, das nach dem Brand von Moria provisorisch errichtet wurde, geschlossen werden, hieß es im Blick auf die dortige „Tragödie“: Laut der NGO „Refugee Support Aegean“ (RSA) sähen 7.000 Flüchtlinge ohne jeden Schutz gegen die Kälte dem Winter entgegen, rund ein Drittel davon Kinder in unbeheizten Zelten mit zu wenig Decken ohne jede schulische oder sonstige pädagogische Aktivitäten. Auf Lesbos und auch auf anderen Inseln müssten Menschen unter völlig menschenunwürdigen und lebensbedrohlichen Bedingungen leben, auch die Nahrungsmittelversorgung sei unzureichend, so der ÖRKÖ-Vorstand.

Der ÖRKÖ begrüßte ausdrücklich die Initiative „Courage – Mut zur Mitmenschlichkeit“ der Schauspielerin Katharina Stemberger. Die Initiative soll – in Anlehnung an die Notrufnummer 144 – als ersten Schritt 144 sichere Plätze für Flüchtlinge in Österreich schaffen.

„Retten wir Weihnachten, indem wir zumindest 100 besonders schutzbedürftige Kinder aufnehmen“, appellierte der ÖRKÖ-Vorstand abschließend. „Zu Weihnachten feiern wir die Geburt eines Kindes. Wir sehen im verzweifelten, schutzlosen Kind, das sogar mit Selbstmordgedanken spielt, das Christuskind. Lassen wir es nicht im Stich.“

„Evakuierung kann keine Woche, keinen Tag mehr warten“

In einem offenen Brief hat auch der Ausschuss „Kirchen für Integration und Menschenrechte“, der römisch-katholischen Diözese Gurk-Klagenfurt und der Evangelischen Kirche Kärnten/Osttirol die sofortige Evakuierung von Kara Tepe eingefordert: „Die Evakuierung der Lager auf den griechischen Inseln kann keine Woche, keinen Tag mehr warten.“ Man bekräftige, „dass für viele in unserem Land eine moralische Grenze erreicht, wenn nicht bereits überschritten ist“. Zudem stünden ausreichend Unterkünfte zur Verfügung.

 

Foto: Diakonie.at