Die Theologische Woche 2016, veranstaltet von der Theologischen Hochschule / D-Reutlingen, stand unter dem Motto „Glauben leben in einer Welt religiöser Vielfalt“.

Eine chronologische und umfassende Darstellung der durchaus komplexen Vorträge wird die Hochschule selbst übernehmen: Es wird, wie es sich gehört, eine Veröffentlichung geben. Ich kann mich daher auf eine Auswahl persönlicher Eindrücke und Highlights beschränken.

Insgesamt war es, meiner Ansicht nach, eine hochinteressante, sehr professionelle Veranstaltung in einem guten Format, mit exzellenten Referenten und, Absage bedingt, leider wenig Referentinnen. Wieder einmal habe ich die flachen Hierarchien unserer Kirche genossen. Besonders die Professorenschaft unserer Hochschule ist trotz ihrer hohen Kompetenz nahbar, interessiert und somit gelingt gute Kommunikation.

Aus den drei Themenbereichen: Wo stehen wir als ChristInnen, wie ist es um unsere Mission bestellt und wo befinden wir uns im Dialog mit den abrahamitischen Religionen (Judentum und Islam), möchte ich jeweils ein persönliches Highlight herausgreifen.

Im ersten Themenbereich berichte ich vom Workshop „Alltagsgleichnisse für Menschen außerhalb der Kirche“ geleitet vom Zürcher Pastor Christoph Schluep. Ausgehend von Jesus und der Prämisse, dass Gleichnisse verständlich und in die Lebensrealität der zuhörenden Menschen angesiedelt werden müssen, hat Pastor Schluep ein Format entwickelt, dass in 3 Minuten Alltagserlebnisse mit christlichen Botschaften verknüpft. Sehr einfach, lustig, sehr ehrlich, selbstentlarvend, charismatisch. Inmitten des theologischen Gewittersturms der Hochintelligenz ein sanfter Wind der Herzen bewegen kann. Nachahmenswert!

Aus dem oft mißtrauisch beäugtem zweiten Thema, dem Thema Evangelisation und Mission, möchte ich ein Faktum hervorheben, welches wir vom Generalsekretär des General Board of Global Ministries, Thomas Kemper, gehört haben. Das Hilfswerk unserer weltweiten Kirche (UMC) stellt bei Hilfsmaßnahmen 10% der aufgewendeten Mittel für den Wiederaufbau von „places of worship“ bereit. Deshalb Anbetungsstätten genannt weil sie eben nicht nur die Errichtung von Kirchen umfassen! Wenn in einem Katastrophengebiet nur Muslime leben, dann kann mit diesem Geld, stammend von einer christlichen Hilfsorganisation, auch eine Moschee gebaut werden. Ein radikaler, aber konsequent zu Ende gedachter Ansatz, was wirkliche Hilfeleistung bedeutet.

Vom dritten Tag und zum drittem Thema entscheide ich mich für eine sehr interessante Frage von Matthias Morgenstern: Ob denn das Christentum überhaupt eine abrahamitische Religion ist? Die Geschichte von der Bindung/Opferung des Abrahamsohnes (Gen 22, 1-18) kommt in allen drei Religionen vor. Aber die Bedeutung von Abraham ist doch radikal anders. Entferne Abraham aus der Religion und den Juden geht ihr Stammvater verloren, die Muslime müssen auf ihr zentrales Heiligtum die Kaaba, erbaut von Abraham und seinem Sohn Ismael, in Mekka verzichten und die Christen? Hätte Maria nicht dennoch Jesus geboren?

Frank Moritz-Jauk