Die Generalkonferenz hatte einen historischen Moment und viel parlamentarischen Alltag. Die Zeit bis zur nächsten Generalkonferenz in Minneapolis wird kurz.

Gestern um 18:30 Uhr war die Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Portland (USA) Geschichte. Damit endete die 11-tägige Weltkonferenz, in der Entscheidungen für die weltweite EmK zu treffen waren, die in den nächsten vier Jahren wegweisend sein werden. Die Tagung hatte historische Momente. Dazu gehört die erstmals in der Generalkonferenz-Geschichte an die Bischöfe herangetragene Bitte, mit einem Vorschlag des Rates die Kirche in schwieriger Zeit zu leiten und einen gangbaren Weg vorzuzeichnen. Es gab aber auch die zu einer parlamentarischen Arbeitsweise gehörenden frustrierenden Momente, wenn zeitweise mehr über Fragen der Geschäftsordnung als zu inhaltlichen Beiträgen der anstehenden Beschlüsse diskutiert wurde. Jedenfalls steht die EmK vor einer vierjährigen Wegstrecke, in der wesentliche Änderungen erwartet werden. Es muss – so die Überzeugung vieler Delegierter – einen neuen Weg geben, der trotz unterschiedlicher Meinungen und Lebensumstände Chancen eröffnet, die internationale und theologische Einheit zu bewahren. Diese war zeitweise hochgradig gefährdet. Ein Weg zu versöhnter Verschiedenheit muss nun vom Bischofsrat und einer noch einzuberufenden Sonderkommission in den nächsten Jahren ausgelotet werden. Wie dieser Weg aussehen wird und ob ihn die meisten dann mitgehen werden, ist noch nicht ausgemacht.

604 Millionen-Dollar-Haushalt verabschiedet

In finanzieller Hinsicht war die Verabschiedung des Haushaltsplans für die nächsten vier Jahre der entscheidende Beschluss des letzten Tages. Mit 604 Millionen US-Dollar (rund 540 Millionen Euro) ist der Gesamtetat für die nächsten vier Jahre um eine Million Dollar gegenüber dem letzten Jahrviert leicht gestiegen. Die Erhöhung von fünf Millionen US-Dollar gegenüber dem ursprünglich beantragten Haushalt geht allein auf einen Beschluss zurück, den theologischen Ausbildungsfonds für die außerhalb der USA gelegenen Zentralkonferenzen zu stärken. Das Geld darf nur für die Förderung theologischer Einrichtungen, die Entwicklung von Studiengängen, zum Ausbau von Bibliotheken, für Stipendien sowie zum Ausbau der Kontakte zwischen den theologischen Schulen und zur Förderung innovativer Ansätze theologische Ausbildung eingesetzt werden.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen vieler Beschlussanträge, von denen viele mit den Sozialen Grundsätzen der EmK oder in anderer Weise mit Ethik zu tun hatten. Beispielsweise wurde ein Artikel, in dem es um Geldanlagen im Pensionsfonds der Generalkonferenz geht, um den Begriff der sozialen Verantwortung bei Geldanlagen erweitert. Eine Ergänzung, die Investitionen zum Zweck der Förderung endlicher und klimaschädlicher Resourcen wie Kohle, Öl oder Erdgas verhindern sollte, wurde jedoch abgelehnt. Ein Antrag zur „Inklusivität der Kirche“ im Artikel 4 der Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK wurde dagegen angenommen. Dort wird aufgezählt, dass alle Menschen in der EmK ihren Platz haben und keine Einzelperson oder Gruppe aufgrund von diskriminierenden Kriterien ausgeschlossen sein soll. Der Aufzählung solcher diskriminierender Kriterien sollen nun die Wörter „Geschlecht“ (Gender), „Alter“ und „ehelicher Status“ hinzugefügt werden. Gegen diesen Antrag erhob sich Widerstand besonders von afrikanischen Delegierten, weil dadurch bereits Entscheidungen hinsichtlich sexualethischer Fragen festgeschrieben wären, deren Diskussion noch anstehe. Mit einer knappen Zweidrittelmehrheit (68 Prozent) wurde die Änderung auf den Weg gebracht. Diese, die EmK-Kirchenordnung betreffenden, Beschlüsse bedürfen noch einer Zweidrittelmehrheit der stimmberechtigten Mitglieder aller Jährlichen Konferenzen der weltweiten EmK, bevor sie in Kraft treten können.

Aus deutscher Sicht waren Nominierungen für die Aufsichtsgremien von kirchlichen Werken und Kommissionen von Interesse. So wurde Tilmann Sticher als Mitglied im General Board of Church and Society bestätigt. Dort werden die Themen zu Gesellschaft und sozialer Gerechtigkeit behandelt. Barry Sloan wurde als Mitglied im General Board of Discipleship bestätigt, in dem die Fragen von Evangelisation und christlicher Nachfolge den Schwerpunkt darstellen. Christof Voigt wurde als Mitglied der Kommission für höhere Bildung und theologische Dienste (General Board of Higher Education and Ministry) gewählt und Klaus Ulrich Ruof für die Aufsichtskommission des Methodistischen Verlagshauses in den USA (United Methodist Publishing House).

Kleine Pflanzen der Zuversicht

„Wir gehen nicht getrennt auseinander, weil Gott mit uns noch nicht fertig ist“, erklärte die für die Region Mountain Sky zuständige Bischöfin Elaine Stanovsky im Eröffnungsgottesdienst am Morgen des letzten Sitzungstages. Beim halbstündigen Abschlussgottesdienst wirkte Anne Detjen mit, die als Delegierte der Norddeutschen Konferenz in Portland dabei war. „Bei der abschließenden Ansprache mitmachen zu dürfen, war mir eine besondere Freude“, sagte sie dazu. Ihr Resümee zur gesamten Generalkonferenz fällt positiv aus: „Als deutsche Delegation glauben wir, dass der durch den Bischofsrat angestoßene Prozess manche neue Gesprächsbereitschaft beginnen kann. Bereichernde Erfahrungen, neue Freundschaften und die Hoffnung, mit unseren Beiträgen in den Ausschüssen und in Gesprächen auch Impulse gesetzt zu haben, sind die kleinen Pflanzen der Zuversicht die ich in meinem Gepäck habe.“

Vier Jahre könnten eine kurze Zeit werden

Die nächste Generalkonferenz wird im Jahr 2020 in Minneapolis im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota stattfinden. Ob eine außerordentliche Generalkonferenz zum strittigen Thema Homosexualität einberufen, oder der ordentlichen Generalkonferenz 2020 unmittelbar vorgeschaltet werden wird, ist noch nicht entschieden. Laut Ordnung kann sowohl der Bischofsrat als auch die Generalkonferenz die Einberufung einer außerordentlichen Tagung beschließen. Ein Antrag scheiterte, der mit der Einberufung einer außerordentlichen Generalkonferenz bis spätestens zum Ende des Jahres 2018 einen Entscheidungsdruck bewirken sollte. Somit steht der EmK-Bischofsrat in der Verantwortung, die Kirche in dieser strittigen Frage weise zu leiten und zusammen mit der Sonderkommission zu einer hoffentlich einigenden Entscheidung zu führen. Vier Jahre scheinen eine lange Zeit zu sein. Aber auch diese Zeit könnte knapp werden.

Quelle: Klaus Ulrich Ruf, emk.de.

Foto: Die Delegation aus Mittel- und Südeuropa.

[Informationen].

www.umc.org
Fünfminütiger Videorückblick zur Generalkonferenz 2016 (englisch).