Warum amerikanische Methodisten nicht mehr »Rote Socken« sagen sollen und was das mit Europa zu tun hat. Die Generalkonferenz ist im Beschlussmodus.

Nach den turbulenten Debatten vom Mittwoch, waren die Diskussionen bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Portland (USA) am gestrigen Donnerstag geprägt durch die Bearbeitung von Anträgen. Viele davon betrafen nur die EmK in den USA, wie eine schwedische Delegierte kritisch anmerkte. Auffallend schnell wurden die Delegierten durch die anstehenden Tagesordnungspunkte geführt, weil alle merken, dass die noch zur Verfügung stehende Zeit für die beiden letzten Sitzungstage knapp bemessen ist.

Gemeinsames Engagement statt Gegnerschaft

Am Morgen des Sitzungstages wurden 29 Missionare aus 11 Ländern ausgesandt, um in 16 Partnerländern ihren Dienst auszuüben – darunter auch in Estland, Russland und Makedonien. Der Generalsekretär des Internationalen Missionswerks der EmK und frühere Missionssekretär der deutschen EmK-Weltmission, Thomas Kemper, wirkte bei dieser Aussendung mit. Erstmals fand eine solche Feier zur Aussendung in die Mission im Rahmen einer Generalkonferenz statt. Die Predigt hielt John Yambasu. Sehr persönlich erzählte der für Sierra Leone zuständige Bischof, wie er als Kind ohne Schuhe in die Schule und oft ohne Essen ins Bett musste. Jetzt als Bischof gehe es ihm besser, aber er lebe in der Nähe von Armen. »Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist«, betonte er. Die Kirche sei beauftragt nach draußen zu gehen. Dafür könne sie aber keine weitere Gegnerschaft brauchen, sondern gemeinsames Engagement und das Hören auf Jesus.

Ächtung diskriminierender Sprache

Ein aus europäischer Sicht eher inneramerikanischer Antrag über »amerikanische Ureinwohner erniedrigende Namen« (Names Demeaning to Native Americans) wurde mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Damit soll bewusst gemacht werden, dass Maskottchen, Symbole oder Namen vor allem von Sportmannschaften (beispielsweise der Name der Baseball-Mannschaft »Boston Red Socks« – »Rote Socken aus Boston«; d. Red.) amerikanische Ureinwohner diskriminieren. Solche Diskriminierungen sollen aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verbannt werden. Der konkrete Anlass dieser Entscheidung betrifft die europäische Situation zwar nicht direkt. Allerdings werden auch im deutschen Sprachbereich Begriffe im Zusammenhang mit “Zigeuner”, “Türken” oder “Asylanten” verwendet, die Ausdruck einer abgrenzenden, verletzenden oder diskriminierenden Haltung sind , weshalb dieser Beschluss auch zur Sensibilisierung in der europäischen Situation beitragen kann.

Weiterhin »die Welt verändern«

Ein Antrag aus den USA wollte den im Artikel 120 der »Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK« beschriebenen Auftrag der Kirche erweitern. Demgegenüber wurde im Konferenzplenum sogar der Antrag gestellt, den dort beschriebenen Auftrag um die Wörter »um die Welt zu verändern« zu kürzen. Der dänische Pastor und Abgeordnete Joergen Thaarup unterstützte letzteren Antrag mit dem Hinweis, dass » der Missionsbefehl diese Wörter nicht enthält«. Nach nur kurzer Aussprache beschließen die Delegierten mit deutlicher Mehrheit, den Artikel 120 unverändert zu belassen. Stefan Schröckenfuchs, den Delegierten der österreichischen Konferenz, veranlasste diese kurze Debatte zur Bemerkung im Plenum, wie es sein könne, »dass wir soeben nur wenige Minuten über den Auftrag der EmK verhandelt, aber sehr viel Zeit für weniger Wichtiges verbracht haben«. Die vorsitzende Bischöfin Minerva Carcano bittet ihn daraufhin um ein kurzes Gebet »für die Kirche«.

Ein besonderer Moment für die Delegierten aus Deutschland war die viel beachtete Einspielung eines Videos über die EmK-Gemeinde im süddeutschen Metzingen. Christine Flick, die Delegierte der Süddeutschen Konferenz, führte in den sogenannten »Augenblick lebendiger Gemeinden« (Vital Congegration Moment) ein. Dabei werden ermutigende Beispiele vorgestellt, wie sich Gemeinden aus allen Teilen der Welt entwickeln und mutige Schritte nach draußen wagen. Die Metzinger Gemeinde hat dafür ihre ursprünglichen Kirchenräumlichkeiten in eine Kletterhalle umgewandelt und trifft sich zu Gottesdiensten in einer Gastwirtschaft. Mit deutschen Gummibärchen als „Konversationshilfe“ moderierte der Konferenzvorsitzende Bischof Robert Hoshibata die Überleitung zur Pause.

Ehrung der in den Ruhestand tretenden Bischöfe

Im Laufe des Sitzungstages wird die Besetzung für den »Ausschuss für Angelegenheiten der Zentralkonferenzen« beschlossen. Dazu gehören für die deutsche Zentralkonferenz Bischöfin Rosemarie Wenner sowie Anne Detjen und Christine Flick. Für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa wurden Bischof Patrick Streiff, Petr Prochazka und Christine Schneider-Oesch in den Ausschuss berufen. Außerdem wurden 18 demnächst in den Ruhestand tretende Bischöfe und Bischöfinnen geehrt. Darunter auch Rosemarie Wenner, die für die EmK in Deutschland zuständige Bischöfin, sowie der für Liberia zuständige Bischof John Innis und Wenners Nachfolger im Amt als Präsident des Bischofsrats, Warner H. Brown, der dieses Amt erst zum Auftakt der Generalkonferenz an seinen Nachfolger Bruce Ough übergab.

Quelle: Klaus Ulrich Ruof, emk.de

Foto: Christine Flick, eine Delegierte der Süddeutschen Konferenz, führte in den sogenannten »Augenblick lebendiger Gemeinden«. © Maile Bradfield, UMNS

Link zur Videopassage über Metzgen