Bei der Generalkonferenz gibt es noch keine großen Entscheidungen. Umso bedeutsamer sind die geistlichen Impulse.

Im Morgengottesdienst des Sitzungstages am gestrigen Freitag predigte Sally Dyck. Die für die Region Chicago zuständige Bischöfin stellte zum Ende ihrer Verkündigung die Frage in den Raum, »warum wir es nicht schaffen einfach zu gehen«, nach »draußen«, in »Veränderungen« oder »aufeinander zu«. Außerdem bezog die Bischöfin klar Stellung zum heftig umstrittenen Thema Homosexualität. Es gebe nur ein menschliches Verhalten, »das in unserer Kirche als unvereinbar mit der christlichen Lehre« festgeschrieben sei: die praktizierte Homosexualität. Warum das nicht auch für Mord oder Rassismus gelte, fragte sie nachdrücklich. Allerdings wollte sie der »Liste mit Unvereinbarkeiten« nichts hinzufügen, vielmehr wolle sie, »dass diese Liste leer ist«. Sie wolle »zu einer Kirche gehören, die Barmherzigkeit zeigt«. Im Anschluss an den Gottesdienst forderte die Botschaft der Laien dazu auf, »einfach unsere Geschichten zu erzählen, was uns an Jesus und am Methodismus begeistert«. Wie das ganz praktisch aussieht, erzählte ein 14jähriges Mädchen, das sich für sauberes Wasser in Burkina Faso engagiert. »Das war beeindruckend und es macht nachdenklich«, erzählt die Delegierte der Süddeutschen Konferenz, Christine Flick, und fragt sich: »Warum fällt uns das manchmal so schwer?«

Auch beim Finanzbericht, der laut Flick »anders, als wir das gewohnt sind« gewesen sei, habe der Generalsekretär und Schatzmeister der Generalkonferenz-Finanzkommission, Moses Kumar, »aufgerüttelt und Mut gemacht«. Der methodistische Nachrichtendienst United Methodist Reporter berichtet, dass Kumars Vortrag stellenweise mehr einer »Motivationsrede« glich als einem Finanzbericht. Das Budget für die nächsten vier Jahre beläuft sich auf 599 Millionen US-Dollar und ist damit um rund drei Prozent gegenüber dem vorherigen Haushalts-Jahrviert reduziert. Dies sei nur zu erreichen, wenn alle zusammenwirkten, was der Generalsekretär mit einem afrikanischen Sprichwort verdeutlichte: »Wenn du schnell sein willst, musst du alleine rennen. Wenn du weit kommen willst, musst du mit anderen zusammen rennen.« Erstmals sieht der Haushaltsplan eine klare Regelung und Berechnungsformel vor, wie sich die außeramerikanischen Zentralkonferenzen am Gesamthaushalt der Kirche beteiligen sollen. Entsprechend der Vorlage würde das für die europäischen Zentralkonferenzen zu einer Verringerung ihrer bisherigen Beiträge führen. Allerdings signalisierten die europäischen Zentralkonferenzen ihre Bereitschaft, dass sie gegenüber der Vorlage deutlich mehr zum Haushalt beitragen wollen, um damit die geringeren Beiträge anderer Konferenzen auszugleichen.

Die Ausschusssitzungen am Nachmittag des vierten Konferenztages dienten der Diskussion der verschiedenen Themen und Aufgabenbereiche aus den Kommissionen und Werken der weltweiten Kirche. Diese werden erst in den kommenden Tagen in die Plenumsdiskussion zur Beschlussfassung einfließen.

Neben dem eigentlichen Konferenzgeschehen wurde ein Treffen der deutschen Delegation mit der Delegiertengruppe aus Nigeria für Christine Flick zum »Highlight des Tages«. »Hier wurde unsere weltweite Kirche spürbar«, wie die Nürtingerin erzählt. Beim gemeinsamen Abendessen und in den persönlichen Gesprächen hätten sie »mehr voneinander erfahren und gelernt, als das in jeder Sitzung möglich ist«. Mit Bezug auf die abgelehnte »Regel 44«, mit der kontroverse Themen zunächst in Kleingruppen vordiskutiert werden sollten, meinte sie: »Wenn das im großen Rahmen nicht geht, dann aber doch im kleinen Rahmen. Auch viele kleine Schritte können die Welt verändern.«

Klaus Ulrich Ruof

Bild: Die österreichischen Teilnehmer an der Generalkonferenz

Quelle: emk.de