Der zweite Tag der EmK-Generalkonferenz war von einer Übung in »Christian Conferencing« bestimmt.

 

Der zweite Tag der Generalkonferenz begann mit der traditionellen Bischofsbotschaft. Der vom Bischofsrat beauftragte Bischof Gregory V. Palmer fand dabei Worte, welche die Delegierten bewegten und begeisterten. «Ich weigere mich, Entmutigung und Verzweiflung nachzugeben, nur weil es schwierig ist, die Kirche zu werden, die wir sein könnten», sagte er. Für ihn stünde aber nicht das Überleben der Kirche als Institution im Vordergrund. Zwar wäre genau dies die grosse Sorge vieler, aber er setzte einen anderen Akzent: «Wir haben den Eifer verloren, Gott zu folgen in der Heilung einer Welt, die physisch, spirituell und in ihren Beziehungen zerbrochen ist. Wir glauben nicht, dass wir berufen sind, andere einzuladen, mit uns dieses aussergewöhnliche Leben zu teilen, das wir durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit empfangen haben.» Den Mangel an Leidenschaft für die Erledigung des kirchlichen Auftrags brachte er auf den Punkt, indem er anfügte: «Wir müssen wieder die Berufung zu Vollzeitchristen entdecken.» Dies hätte auch Auswirkungen auf den Umgang miteinander: «Jeder hier ist ein Kind Gottes, und jedes Verhalten dagegen untergräbt das Evangelium.» Er rief nicht nur mit dieser Aussage zu einem von Demut geprägten Lebensstil auf und zeigte sich überzeugt, dass «Gebet der erste Weg dazu ist».

Es gelte zudem auch, ein erneuertes Vertrauen auf Gott einzuüben und zu praktizieren, als «Gefangene der Hoffnung, und sich vor Augen zu halten, was Eugene Peterson so ausdrückte: «Warten im Gebet ist die disziplinierte Weigerung, zu handeln, bevor Gott handelt.» Bischof Palmer schloss seine Botschaft mit den Worten: «Wir haben nichts weniger als das Versprechen des auferstandenen Christus, dass er mit uns sein wird. So lasst uns Gott vertrauen wie nie zuvor und GEHEN. Die Ampel steht auf grün.» Der positive Grundton, den Bischof Palmer im Hinblick auf die kommenden Tage gesetzt hatte, prägte später auch eine zweistündige Übung in «Christian Conferencing», einer besonderen Form des Beratens. »Christian Conferencing hat zum Ziel, dass wir in der Heiligung zusammenwachsen und Gottes Stimme in unseren Diskussionen suchen«, erklärte Patrick Streiff, der Bischof der EmK in Mittel- und Südeuropa. Das »Christian Conferencing« geht auf den Gründer der methodistischen Bewegung, John Wesley, zurück. Er rechnete diese Art der Beratung sogar zu den Gnadenmitteln (der öffentliche Gottesdienst, das Hören des Wortes Gottes – gelesen oder ausgelegt, das Abendmahl des Herrn, das Beten mit der Familie und im Verborgenen, das Forschen in der Schrift sowie Fasten und Enthaltsamkeit).

 In Portland tauschten sich 864 Delegierten in Kleingruppen über ihre persönlichen Lebensumstände, ihren Dienst in der EmK und ihre Vorstellung von der Aufgabe der EmK aus. Die Gespräche seien in einer vertrauensvollen, von gegenseitigem Respekt geprägten Atmosphäre verlaufen, schreibt Crystal Caviness von der Pressestellen der EmK. Dabei sei der Fokus von strittigen Fragen weg auf die tiefe Verbindung zwischen den einzelnen Menschen der EmK weltweit gelenkt worden. Bischof Streiff betonte, dass angesichts der Arbeit an der Kirchenordnung wichtig sei, die unterschiedlichen Bedingungen und Herausforderungen innerhalb der weltweiten EmK genau im Auge zu behalten. Diese Wirklichkeiten könnten in dieser Art des Tagens am besten zu Tage treten.

In der Geschäftssitzung wurde ausgiebig über den Konferenzablauf diskutiert. Dabei habe ihn die beeindruckende Predigt von Bischof Gregory V. Palmer begleitet, erzählt Kai-Uwe Dannenberg, der Delegierte der Norddeutschen Jährlichen Konferenz. Palmer habe den Delegierten bewusst gemacht, »was es eigentlich heißt, weltweite Kirche zu sein und wir als Christen miteinander arbeiten, um Gottes Willen umzusetzen«.

Einen wesentlichen Anteil an der Konferenz machen die Übersetzungen in mehrere Sprachen in allen Sitzungen aus, berichtet Dannenberg weiter. Beeindruckend sei für ihn die Geduld aller Beteiligten, sich trotz der Hindernisse auf den Weg zu machen, Fragen zu stellen und Antworten zu buchstabieren. »Ich wünsche mir, dass wir diese Gelassenheit beibehalten können, auch wenn es mit der verfügbaren Zeit etwas eng wird.« 

Kontrovers diskutiert wurde ein Antrag zur Änderung von Entscheidungswegen. Diese«Rule 44» hätte eine alternative Behandlung eines Antrags oder einer Gruppe von Anträgen vorgesehen: Statt sie in einem gesetzgebenden Ausschuss («legislative committee») vorzuberaten und dann dem Plenum zur weiteren Behandlung vorzulegen, wären sie Kleingruppen zu maximal 15 Personen zum Gespräch vorgelegt worden. Alle Delegierten hätten einer solchen Kleingruppe angehört und auf diese Weise gehört werden können. Die Kleingruppen hätten ein Papier angefertigt, das von jedem Gruppenmitglied durchgesehen und unterzeichnet worden wäre. Inhaltlich wäre es um Folgendes gegangen: Wie zentral ist das Thema des Antrags oder der Anträge hinsichtlich des Auftrags der Kirche? Wie wichtig ist das Thema für die Einheit der Kirche um des Auftrags willen? Welche Stellung nimmt das Thema hinsichtlich unserer Identität als Christen und Angehörige der EMK ein? Die Ergebnisse der Kleingruppen wären in einer besonderen Gruppe gesichtet und zusammengetragen worden. Anschliessend wäre dem Plenum eine Empfehlung vorgelegt worden, wie mit dem Antrag oder der Gruppe von Anträgen weiter verfahren werden sollte. Nachdem die Abstimmung über die «Rule 44» aber zuerst auf den nächsten Tag verschoben worden war, lehnten die Delegierten diese neue Arbeitsweise am Vormittag des 12. Mai 2016 aber relativ deutlich ab.

Reinhold Parrinello / Urs Schweizer / Volker Kiemle

(aktualisiert 13.05.2016 01:05)

Foto: Maile Braidfield

Weitere Informationen zur »Rule 44« (englisch): www.umc.org/news-and-media/alternative-process-offered-for-sexuality-debate

Quelle: emk.de