Schon seit Monaten wurde rund um den Globus für die alle vier Jahre stattfindende Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche gebetet. Am gestrigen Dienstag, 10. Mai 2016, wurde die Tagung eröffnet. 864 Delegierte aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika sind derzeit in Portland (USA) versammelt, um über den Weg ihrer Kirche in die Zukunft zu beraten und rund 1000 Anträge zu missionarischen, strukturellen, finanziellen und sozialethischen Themen zu bearbeiten.

Kurz vor der offiziellen Eröffnung der Generalkonferenz war für die EMK-Gemeinde in Nyiregyhaza (Ungarn) ein Traum in Erfüllung gegangen. Schon seit Jahren hatten die Verantwortlichen eine kleine, der Grösse ihres Kirchenraums angepasste Orgel gesucht, weil ihr altes Instrument unzuverlässig geworden war. Viele Optionen waren geprüft und aus finanziellen oder praktischen Überlegungen schweren Herzens wieder verworfen worden. Bis auf dem EMK-Bezirk Kreuzlingen-Klingenberg (Schweiz) einige Personen begannen, sich Gedanken über eine nicht mehr benötigte, aber noch sehr gut erhaltene Pfeifenorgel zu machen, und bis sie vom Traum der Gemeinde in Nyiregyhaza erfuhren. Der Rest ist schnell erzählt: Anfang Mai fuhren vier Personen aus der Ostschweiz gleich selber mit ihrer Orgel nach Ostungarn, wo sie mit Freude empfangen wurden. Über alle Grenzen von Nationen, Kulturen und Sprachen hinweg reichten sie einander die Hand, um einander zu begegnen, zu ermutigen, zu helfen und auf diese Weise gemeinsam Kirche zu sein.

Das sieht auf den ersten Blick einfach nach einer netten Geschichte aus und scheint nur wenig mit der Generalkonferenz zu tun zu haben. Und es könnten unzählige weitere Erlebnisse auf der ganzen Welt erzählt werden, in denen sich die methodistische Verbundenheit nicht als theoretisches Konstrukt erwiesen hat, sondern als tragfähige Wirklichkeit. Aber letztlich geht es auch in Portland um genau diese Frage: Wie kann die EMK eine wirklich weltweite Kirche sein, in der sich die Menschen über die unterschiedlichsten Grenzen hinweg die Hand reichen, um gemeinsam die Mission zu leben, die ihnen von Gott anvertraut worden ist?

Bischof Warner Brown, Präsident des Bischofsrates der EMK, sagte in seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Generalkonferenz: «Auch wenn wir einander aufgegeben haben: Gott hat uns nicht aufgegeben.» Er sprach damit wohl nicht zuletzt auch die Art und Weise an, wie Menschen seiner Kirche in kontroversen Fragen miteinander umgehen. Aber während in diesen Tagen viele Einzelpersonen, Gruppierungen, und auch Medien mit dem Finger auf das zeigen, was trennt, erinnerte Bischof Brown daran: «Wir geben das beste Zeugnis ab, wenn wir eins sind in der Mission.»

Die kommenden Tage werden für die Generalkonferenz-Delegierten viel Arbeit und schwierige Entscheidungen bringen. Interessierte können die Tagung via Livestream verfolgen. Sie werden erleben, dass bei verschiedenen Themen völlig gegensätzliche Meinungen aufeinandertreffen. Und es muss sich zeigen – nicht nur in Portland, sondern überall, wo es Methodistinnen und Methodisten gibt – ob gelingt, was John Wesley in seiner Predigt zur Ökumenischen Gesinnung gesagt hat: «Wenn wir schon nicht einer Meinung sind, dann können wir wenigstens gemeinsam lieben.»

Quelle: Sekretariat des Bischofs Patrick Streiff, Schweiz / Reinhold Parrinello, Deutschland

Foto: © Paul Jeffrey, UMNS - Bischof Warner Brown bei seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Generalkonferenz 2016