Bei der Podiumsdiskussion zur Neuausgabe von Wesleys Lehrpredigten waren sich die Teilnehmer einig: die Themen von Wesleys Predigten sind hochaktuell.

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei der Leipziger Buchmesse am gestrigen Freitag, wurde die Neuausgabe der Lehrpredigten John Wesleys erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Dazu brachte Friederike Ursprung, Redakteurin bei der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk, den Übersetzer und Herausgeber Manfred Marquardt ins Gespräch mit drei Personen, die Auszüge aus dem im April erscheinenden Werk vorab lesen konnten.

Christoph Barnbrock, Professor für Praktische Theologie an der Lutherischen Theologischen Hochschule der SELK in Oberursel, fand Wesleys Predigten »durchaus anstößig, aber konkret«. Wesley komme auf den Punkt. »Wer‘s liest, weiß, er ist gemeint«, war sein Fazit aus der Lektüre. Als lutherischer Theologe riet er »die Goldkörner zu entdecken und für den eigenen Glauben mitzunehmen«.

»John Wesley hat keine Berührungsängste mit der Welt, aber er hat klare Kriterien zum Umgang mit weltlichen Dingen«, war der erste Kommentar von Cornelia Coenen-Marx zu Wesleys Predigten. Der ehemaligen Sozialreferentin der EKD und Geschäftsführerin der »Kammer für soziale Ordnung« der EKD waren besonders die Stellen ins Auge gesprungen, in denen Wesley die biblische Botschaft auch mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen konkretisiert. Bei Wesleys Predigt zum Umgang mit Geld habe sie besonders »die Sachlichkeit der Thesen und die Einfachheit der Kriterien zur Konkretion« beeindruckt. Diese Themen könnten heute durchaus »gepostet und ins Netz gestellt werden, das würde zur Diskussion anregen«.

Für den Kirchengeschichtler Klaus Fitschen gehört die Wirkungszeit Wesleys gar nicht zum Schwerpunkt seines Lehrauftrags an der Universität Leipzig. Trotzdem war der Professor für Neuere und Neueste Kirchengeschichte geradezu von Wesleys Predigtstil beeindruckt. »Der Mann kann sich verständlich machen, was man heute nicht immer von Predigten sagen kann.« Und als lutherischer Theologe kommentierte er anerkennend: »Wesley gibt aber auch klar Rechenschaft über seine Kriterien.« Endlich gebe es diese Predigten »in einer schönen Aufmachung«.

Manfred Marquardt, vor seinem Eintritt in den Ruhestand Professor für Dogmatik und Ethik am Theologischen Seminar der Evangelisch-methodistischen Kirche (heute Theologische Hochschule Reutlingen) und langjähriger Rektor dieser Einrichtung, verschrieb sich als profunder Wesleykenner der Neuausgabe der Lehrpredigten John Wesleys. Marquardts Wunsch ist nun, »dass die Menschen in unseren Gemeinden Wesley als Gesprächspartner verstehen«. Das habe Wesley selbst so gewollt. »Seine Predigten waren und sind eine Einladung zum Gespräch und zum Vergleichen.« Deshalb sollten sich besonders Hauskreise und Bibelgesprächsgruppen mit den Lehrpredigten beschäftigen. »Es lohnt sich, die Predigten zu lesen«, sagt Marquardt, der nach über sechsjähriger Arbeit mit dem Druck des 800-seitigen Werkes seine umfangreichste Ruhestandsaufgabe abschließt.

Klaus Ulrich Ruof Foto:© Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit John Wesley.

Lehrpredigten, herausgegeben und neu übersetzt von Manfred Marqardt, 816 Seiten ISBN 978-3-8469-0248-6, Preis steht noch nicht fest, Verlag Edition Ruprecht

Die Lehrpredigten John Wesleys waren ab 1975 auf Beschluss des Rates der Zentralkonferenzen in Europa in einem 9-bändigen Sammelwerk erschienen. Dazu war eine Autorengruppe aus den beiden Zentralkonferenzen Ost- und Westdeutschland und der Schweiz gebildet worden. Deren Ergebnisse wurden unter der Endredaktion von Gotthard Falk, Robert Gebhart, Hartmut Handt, Karsten Mohr und Helmut Robbe sukzessive veröffentlicht. Nachdem die letzten Exemplare dieser Ausgabe seit 2007 vergriffen waren, stellte sich die Frage nach einer Neuausgabe. Manfred Marquardt nahm sich dieser Aufgabe an, die nach einer ersten Durchsicht mit dem Ziel einer Neuausgabe mit nur wenigen Änderungen zu einer Neubearbeitung und umfangreichen Neuübersetzung führte.

Quelle: emk.de