Rektor Wilhelm Nausner feiert am 17. März seinen 85. Geburtstag.

Leider gibt es keine Biographie über das reiche Leben von Rektor Wilhelm Nausner, obwohl es sich sicher lohnen würde, all das, was er erlebt und getan hat, systematisch zusammenzutragen und aufzuschreiben. Als Kind und Schüler ist er in der Nazi-Zeit mit den Verführungen, denen begeisterungsfähige junge Menschen ausgesetzt waren, aufgewachsen. Als Jugendlicher war er konfrontiert mit dem Krieg und seinen Folgen, und gegen Kriegsende musste er am eigenen Leib erfahren, was Vertreibung und Flucht bedeuten, als er aus Königsberg nach Linz musste. Wilhelm Nausner hat das geteilte Europa und den Kalten Krieg erlebt und Brücken zwischen Ost und West gebaut. Er hat mit kommunistischen Führern, orthodoxen Bischöfen und vielen kirchlichen Würdenträgern zum Wohl der Kirchen verhandelt. Durch seine Kontakte und Verbindungen hat er unzähligen Menschen in Not geholfen und, wo er nur konnte, Gutes getan. Er war ein Kirchendiplomat in geheimer Mission, der als Laie in die Länder des Ostblocks reisen konnte, die dem Bischof damals verschlossen waren. Er war ein wichtiger Mitgestalter der KEK (Konferenz Europäischer Kirchen) und hat als Netzwerker, wie das heute neumodisch heißt, Beziehungen geknüpft zwischen Kirchen und über den Eisernen Vorhang hinweg. Bei alldem war er stets ein besonnener Friedensstifter zwischen kirchlichen Streithanseln. Und als dann der Eiserne Vorhang Geschichte war, half er mit am Aufbau der Evangelisch-methodistischen Kirche in den Staaten des ehemaligen Ostblocks. Das Auto, mit dem er viele tausende Kilometer zurücklegte, war meistens voll beladen mit Medikamenten und Computerausrüstung und vielen anderen nützlichen Utensilien.

Dass Wilhelm Nausner in der Stadt Immanuel Kants die Schule besucht hat, sollte wie ein Omen für seine Zukunft sein. Er hat sich autodidaktisch zum Philosophen und Theologen entwickelt, was mich an den bekannten Satz von I. Kant erinnert: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Er ist über die Maßen belesen und seine Bibliothek zeugt von seinem Bildungshunger. Sein Leben ist geprägt von einer tiefen methodistischen Frömmigkeit, gewürzt mit der Kierkegaardschen Idee des Christentums. Was Sören Kierkegaard und John Wesley im weitesten Sinn verbindet, ist die Überzeugung, dass Christentum und Vernunft zusammengehören und der christliche Glaube in der Liebe tätig ist. Glaube zeigt sich immer in seinen Taten. Und deshalb ist es auch kein Wunder, dass sein Christsein stets ein diakonisches war und die Diakonie sein Herzensanliegen.

Lieber Willy, jetzt hast du ein biblisches Alter erreicht und blickst auf ein reiches, erfülltes Leben zurück. Und ich denke, dass du ähnlich wie David Steindl-Rast sagen kannst: „Dankbarkeit ist kein Gefühl, sondern die Haltung dem Leben gegenüber.“ Ich selbst bin dir besonders dankbar, dass ich so viel in den Begegnungen mit dir lernen durfte. Gott behüte dich und deine liebe Frau Helene.

Lothar Pöll

Foto: Mathias Lauringer/Servitas

Ein ausführlicher Beitrag zum 85. Geburtstag von Wilhelm Nausner verfasst von Bischof i.R. Heinrich Bolleter.