Die Demos pro und gegen Asylwerber am vergangenen Samstag in Graz haben die Kirchen in der Steiermark auf den Plan gerufen. Man wisse um die Herausforderung durch weltweite Migration, betonen die Vertreter der Kirchen. Aber: "Wir halten es für falsch, durch Stimmungsmache gegen die Betroffenen der Bevölkerung vorzugaukeln, mit einfachen Lösungen könnte man in unserem Land rasch wieder den Zustand einer völlig heilen Welt herstellen."

Die an vergangenen Wochenende in Graz demonstrierenden "europäischen Patrioten" stünden der Pegida-Bewegung nahe, so das steirische Ökumenische Forum Christlicher Kirchen in einer Aussendung. Diese würden gegen die drohende "Islamisierung des christlichen Abendlandes" antreten - mit den bekannten Parolen gegen den sogenannten "Asylwahnsinn" und für die Errichtung einer "Festung Europa".

Ähnliche Demonstrationen seien in den kommenden Tagen auch in anderen Städten der Steiermark geplant. "Die Vorstellung allerdings, dass sich Europa durch eine völlige Abschottung vom Rest der Welt aus den globalen Problemen fein heraushalten könnte, ist nicht nur naiv, sondern sie nährt eine gefährliche Illusion", so der katholische Bischof Wilhelm Krautwaschl, der evangelische Superintendent Wilhelm Miklas und Pastorin Anke Neuenfeldt von der evangelisch-methodistischen Kirche Graz.

"Abgesehen davon, dass die seit Jahrzehnten geübte Politik des Westens für einen Teil der Probleme auch selbst mit verantwortlich ist, die jetzt Menschen in arabischen und afrikanischen Ländern zur Flucht nötigen", sagten die drei kirchlichen Würdenträger in ihrer gemeinsamen Stellungnahme. Dass ein Abschotten zu einer heilen Welt und einem Unter-Uns-Bleiben führe, sei eine Fiktion. Auch würden gerade Hetzparolen das verhindern, was angeblich erreicht werden soll. "Ein wirklich friedliches Zusammenleben in Europa bedarf vielmehr der harten Arbeit und eines konsequenten Aufeinander-Zugehens von allen Seiten", so die drei.

"Als christliche Kirchen bekennen wir uns zum Auftrag Jesu, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst. In seinem Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat Jesus diesen Auftrag ausdrücklich auch auf Menschen verschiedener Religionen und Kulturen bezogen - und deutlich gemacht, dass dies mit Opfern verbunden ist", hieß es. Darum rufe man die Bevölkerung dazu auf, "sich mit uns gemeinsam der Herausforderung zu stellen, konstruktiv an einer friedlicheren Welt in Würde und Menschlichkeit zu arbeiten", so Neuenfeldt, Miklas und Krautwaschl am Freitag.

Die Erklärung der Kirchen kann hier im vollen Wortlaut abgerufen werden (Pdf)

Quellen: http://www.kleinezeitung.at/; Pastorin Anke Neuenfeldt

Tags: