Von 28.-31.5.2015 tagte die Jährliche Konferenz (Synode) der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich in Wien. Mehr Bilder finden Sie hier.

Mit einem festlichen Gottesdienst begann am Donnerstag, 28. Mai 2015 die 86. Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), dieses Jahr im 15. Wiener Bezirk unter dem Titel „Und er lehrte sie“. Pfarrer Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, betonte in seiner eindrücklichen Predigt, dass christliches Handeln immer aus dem Hören des Wortes Gottes heraus geschehen muss.

Pastor Lothar Pöll erwähnte in seinem Bericht als Superintendent besonders das evangelische „Jahr der Bildung“ 2015 als wichtige Station auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 sowie auf die gute Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Österreich insgesamt. Auf der Website reformationundbildung.at kann man sich über Aktionen, Veranstaltungen und Angebote zum Jahr der Bildung informieren. Den Gemeinden dankte der Superintendent herzlich dafür, dass die Umlagen an die Zentralkasse im vergangenen Jahr gewissenhaft bezahlt wurden. Die Anstrengungen der Gemeinden, die nötigen finanziellen Mittel einzunehmen, machen sich bezahlt. Lothar Pöll ermutigt die Gemeinden in wirtschaftlichen und organisatorischen Belangen möglichst viel Selbständigkeit zu erlangen. Pastorinnen und Pastoren müssen sich in Zukunft vermehrt um Verkündigung, Verwaltung der Sakramente und Seelsorge kümmern können. Bischof Patrick Streiff kündigte an, dass Stefan Schröckenfuchs ab 1. September 2016 Lothar Pöll, der Ende 2016 sein Pensionsalter erreichen wird, als Superintendent nachfolgen soll. Pastorin Kathy Young beendet ihren Dienst in der englischsprachigen Gemeinde aufgrund ihrer Pensionierung. Ihr folgt Pastor Matthew Laferty nach.

Das Diakonie Zentrum Spattstraße arbeitet als Sozialwerk der EmK in sehr verschiedenen Bereichen. Geschäftsführerin Mag.a Andrea Boxhofer berichtet in diesem Jahr vor allem vom neuen Leitbild, dem Fortbildungsprogramm für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dem Ausbau der Begleitung von Mädchen mit Essstörungen und der Sanierung des Kindergartens. 

Methodistisches Anliegen Ökumene

Dass Ökumene ein urmethodistisches Anliegen ist, war auch im vergangenen Jahr deutlich merkbar. Die EmK engagierte sich bei verschiedensten ökumenischen Veranstaltungen. Superintendent Lothar Pöll ist derzeit auch Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRKÖ) in Österreich. Der ÖRKÖ hat zu verschiedenen sozialpolitischen Themen wie Flüchtlingspolitik in Österreich und der EU, der Situation der Christen im Nahen Osten oder dem Völkermord an Armeniern vor 100 Jahren klar Stellung bezogen. Die gemeinsame Stimme der christlichen Kirchen wird von politischen Gremien wie auch von Medien wahrgenommen. Zur Verurteilung von religiös begründeter Gewalt gab es ein gemeinsames Statement der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften. Katherine Jolly, die in ihrer Zeit als Vorsitzende des Ökumenischen Jugendrats viel frischen Wind in die Arbeit eingebracht hat, wird die Vertretung bei der nächsten Vollversammlung abgeben. Die JK-Österreich dankt ihr herzlich für ihr Engagement.

Neben der Vernetzung mit anderen Kirchen und Religionen ist auch die weltweite Vernetzung innerhalb der methodistischen Tradition eine wesentliche Dimension unseres kirchlichen Lebens. Die verschiedenen Kontexte, in denen methodistische Kirchen sich engagieren, bereichern unsere Perspektive in Österreich. Ein Beispiel ist die Vernetzung von MitarbeiterInnen und Mitarbeitern durch den Europäisch-methodistischen Kinder- und Jugendrat (EMYC). EMYC wird in Zukunft noch enger mit DMYP zusammenarbeiten, der Abteilung der United Methodist Church (UMC), die für die weltweite Arbeit mit Jungen Menschen zuständig ist.

Die gute Arbeit der Österreichischen Bibelgesellschaft ermöglichte es im vergangenen Jahr zum Beispiel, dass vielen Flüchtlingen Bibeln in ihrer Muttersprache zur Verfügung gestellt werden konnten. Auch die Führungen und Ausstellungen im Bibelzentrum finden große Resonanz. Am 9. April konnte die 40.000ste Besucherin begrüßt werden.

Der Kirchenvorstand hat Mag. Thomas Fux zum Leiter der Eigentumsverwaltung ab 1. Juli 2018 bestellt. Das Haus im 8. Wiener Bezirk in der Trautsongasse 8 wurde verkauft. Mit dem Erlös werden u.a. Wohnungen geschaffen, die dem sozialen Auftrag der Kirche besser entsprechen. Der Kirchenvorstand wurde ordnungsmäßig entlastet und dankt den Mitgliedern der Jährlichen Konferenz für das entgegengebrachte Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.

Glaube und Bildung

Ein Höhepunkt der Jährlichen Konferenz war der Ökumenische Eröffnungsgottesdienst der Langen Nacht der Kirchen am Freitag Abend: Vertreterinnen und Vertreter der Schwesterkirchen, Konferenzmitglieder und weitere Geschwister aus der EmK feierten gemeinsam mit interessierten Gästen einen feierlichen Gottesdienst, in dem Bischof Patrick Streiff predigte. Anschließend fand nach ausreichender Stärkung eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema „Bildungsgerechtigkeit“ statt.

Dr. Michael Nausner, Prorektor der Theologischen Hochschule Reutlingen, berichtete, dass die Zahl der Studierenden wächst. Vom 2.-6. Oktober 2016 wird eine theologische Woche zum Thema „Glaube und Mission im interreligiösen Kontext“ stattfinden. Es gibt eine neue Verwaltungsstruktur und Baupläne. Einmal in der Woche kommen Flüchtlinge zum Gespräch mit den Studierenden und Lehrenden.

Reges kirchliches Leben

Die Laien berichten von ihren regelmäßigen Sitzungen. Unter anderem haben sie ein Informationsblatt für LaienvertreterInnen zur Orientierung herausgegeben.

Das Reformationsjubiläum 2017 beschäftigt die evangelischen Kirchen mit der Frage „Was bedeutet es, evangelisch zu sein?“. Es gab eine Gemeindebefragung, an der auch fast alle Gemeinden der JK-Österreich teilgenommen haben. Die Gemeinden werden angeregt 2017/2018 einen Glaubenskurs anzubieten, um über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Die Herbsttagung von 16.-18.10.2015 wird der Frage nachgehen, was das „evangelisch“ in Evangelisch-methodistische Kirche bedeutet. Referent Michael Bünker, Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche, wird uns dabei durch seine Sichtweise bereichern.

Das Kinder- und Jugendwerk legte ein neues Konzept vor. Es gab einen intensiven Austausch darüber, was zentrale Punkte in der Arbeit mit Teenagern und Jugendlichen sind.

Der Grundkurs Mitarbeit in der Verkündigung wird im September abgeschlossen. Der Aufbaukurs beginnt sofort im Anschluss. Diese Kurse werden von den Teilnehmenden sehr geschätzt.

Superintendent Wilfried und Jean Nausner berichteten über die wachsende Arbeit in Makedonien und Albanien. In beiden Ländern geschehen politisch umwälzende Ereignisse. Wilfried und Jean Nausner ist es wichtig, eine eigenständige Kirche, die von den MitarbeiterInnen geleitet und gestaltet wird, aufzubauen. Sozialprojekte schaffen Perspektiven für Menschen in Not.

Möglichkeit zur Begegnung zwischen KonferenzteilnehmerInnen und Gästen bot das Gartenfest, bei dem unter anderem fröhlich zur Live-Musik von Pallawatsch getanzt wurde.

Abschlussgottesdienst

Die Jährliche Konferenz endete mit dem Abschlussgottesdienst, zu dem auch viele BesucherInnen aus anderen EmK Gemeinen gekommen sind. Bischof Patrick Streiff predigte über Jesu Auftrag an seine Jünger, alle Menschen zu lehren, was Jesus geboten hat (Mt 28,19-20). Dabei machte Patrick Streiff unter Bezugnahme auf ein Gedicht von Charles Wesley klar, wie wesentlich die Verbindung von Erkenntnis und lebendigem Glauben für Bildung im umfassenden Sinn ist. Die Hoffnung der Brüder John und Charles Wesley ist auch die Hoffnung unserer Kirche heute: Wo Menschen sich in die Nachfolge Jesu rufen lassen und bereit sind von ihm zu lernen, dort beginnt der wichtigste Bildungsprozess im Leben eines Menschen, nämlich Gottes Bild immer ähnlicher zu werden.

Dienstzuweisungen

Bischof Streiff verlas im Schlussgottesdienst auch die Dienstzuweisungen. In zwei Gemeinden kommt es in diesem Jahr zu Veränderungen: Pastor Martin Siegrist wird ab September seinen Dienst in der EmK Linz aufnehmen. Pastorin Esther Handschin wurde mit dem Dienst in Wien-Floridsdorf beauftragt. Wie bisher wird sie auch für die Gemeinde Salzburg verantwortlich sein, jedoch ihren Dienst als Religionslehrerin beenden.

 

Im Bilder: Eröffnungsgottesdienst zur Langen Nacht der Kirchen im Rahmen der Jährlichen Konferenz 2015. (c) Ben Nausner. 
Bericht Anke Neuenfeldt und Martin Siegrist