Mit einem eindringlichen Appell gegen den weltweit zunehmenden Rassismus endete in Berlin die Tagung des Internationalen Bischofsrats der EmK.

Der Internationale Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) tagte vom 1. bis 7. Mai erstmals in Europa. Man habe Berlin bewusst gewählt, erklärte der Leiter des Büros des Bischofsrats, Bischof Peter Weaver. »Die Stadt ist ein Symbol für Einigung und Versöhnung nach einer Zeit der Teilung und des Leidens.« Auch deshalb prägte der weltweite Einsatz für unterdrückte Menschen und Versöhnung weite Teile der Tagung.

»Wir haben es hier mit der Macht der Dunkelheit zu tun«, erklärte der Präsident des Bischofsrats, Bischof Warner Brown, angesichts rassistischer Gewalt in den USA und anderswo. »Deshalb dürfen wir nicht länger schweigen.« In den USA waren in den vergangenen Monaten etliche unbewaffnete junge Afro-Amerikaner durch gewaltsame Polizeieinsätze zu Tode gekommen – meist ohne Folgen für die Polizisten. Zahlreiche EmK-Bischöfe haben bereits öffentlich zu friedlichen Protesten aufgerufen. Es sei aber wirkungsvoller, wenn der ganze Bischofsrat eine Erklärung abgebe, sagte Bischof Gregory W. Palmer aus Ohio. Dem folgte der Rat in der Überzeugung, dass Schweigen angesichts von Rassismus und Angst alles nur noch schlimmer mache. In der Erklärung gegen Rassismus fordern die Bischöfe alle Menschen in der EmK weltweit dazu auf, »über die eigenen rassistischen Vorurteile und den Missbrauch von Privilegien Buße zu tun«. Weiter heißt es in der Erklärung: »Als Kirche verpflichten wir uns erneut dazu, uns gegen Rassismus und für Menschlichkeit zu engagieren.« Menschliches Miteinander könne nicht im Hinwegsehen über kulturelle und ethnische Unterschiede entstehen, »sondern indem wir die Vielfalt achten und allen Menschen mit Wertschätzung begegnen«.

Einwanderung fordert auch Europa heraus
»Gewalt und Unruhen sind die Sprache der Ungehörten«, sagte Bischof Julius Calvin Trimble (US-Bundesstaat Iowa). In vielen amerikanischen Städten sei das Verhältnis zwischen der Polizei und schwarzen Jugendlichen schon lange gestört. Die Kirchen vor Ort müssten hier vermittelnd eingreifen und die Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Europa stehe dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie die USA. »Es gibt immer mehr Einwanderer, und das macht den Menschen Angst.« Hier müssten die Kirchen den Menschen helfen, Unterschiede zu verstehen, sagte Trimble.
Die Bischöfe nahmen zudem vier Bereiche in den Blick, auf die sich die EmK auch in den kommenden Jahren konzentrieren will: die Gründung von Gemeinden und die Belebung bestehender Gemeinden, die Ausbildung von Leitungspersonen, die Förderung globaler Gesundheitsprogramme und die Bekämpfung der Armut. Dazu wurden Aktionspläne besprochen und weiterentwickelt.

Raus aus der warmen Stube!
Am Beginn der Tagung stand ein ökumenischer Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Dabei hob Martyn Atkins, Generalsekretär der Britischen Methodistischen Kirche, in seiner Predigt hervor, dass mit der aufkommenden christlichen Mission, von der das Neue Testament erzähle, eine »zentrifugale Bewegung« eingeleitet worden sei. »Gottes Geist bewegt die Menschen dazu, mitzumachen und in alle Welt hinauszuziehen.« Christen würden nicht in die warme Stube eingeladen, sondern sollten sich fertig machen und zur Tür hinausgehen.
In seinem Grußwort wies Martin Germer, Pfarrer an der Gedächtniskirche, auf die symbolische Kraft der 1961 eingeweihten neuen Kirche hin. Die Kirche sei von einem deutsche Architekten und einem französischen Künstler gestaltet worden und damit ein starkes Zeichen für Frieden und Versöhnung. Einen besonderen Akzent erhielt der Gottesdienst durch die offizielle Unterzeichnung einer Erklärung der Kirchengemeinschaft zwischen der EmK und der Vereinigten Kirche von Schweden, zu der sich 2011 Baptisten, Methodisten und die Missionskirche zusammengeschlossen hatten.

Für Einheit in Vielfalt aufstehen
Bischöfin Wenner zog eine positive Bilanz der ersten Sitzung des EmK-Bischofsrats in Deutschland. Vieles sei anders gewesen als bei früheren Treffen, »weil die meisten Bischöfe und Bischöfinnen in einem anderen Kontinent und einem fremden Sprachraum waren.« Besonders die Begegnungen mit Berliner Kirchengemeinden und ökumenischen Partnern seien »sehr bereichernd« gewesen, und die besondere Woche mit der Erinnerung an das Kriegsende vor 70 Jahren »hat uns an die Teilung Deutschlands, aber auch an gelungene Versöhnungsprozesse erinnert.« All dies habe dazu beigetragen, Veränderungen positiv mitzugestalten und sich entschieden gegen Rassismus und für Einheit in Vielfalt einzusetzen. »So kann unsere Kirche durch die Gemeinden in aller Welt Menschen in die Nachfolge Christi rufen und zu Veränderungen zum Guten beitragen.«

Brief des Bischofsrats als PDF

Quelle: Klaus Ulrich Ruof, emk.de
Im Bild: Eröffnungsgottesdienst des internationalen Bischofsrat der EmK, Berlin 2015