Religiöse Führungspersonen aus Russland und der Ukraine trafen sich vom 9. bis 11. September in Oslo zu einem Dialog über die Beziehungen beider Länder und die derzeitige Situation. An dem Treffen nahmen Christen, Juden und Muslime teil.

»Wir haben Sie nicht zu einer politischen Veranstaltung eingeladen, sondern zu einem Treffen religiöser Fachleute« betonte Bischof Tor Singsaas, der Vorsitzende der Norwegischen Bibelgesellschaft (NBG). Das von der NBG angestoßene Treffen war von der norwegischen Regierung unterstützt worden. Der Außenminister Norwegens, Hans Brattskar, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dieses Treffen religiöser Führer aus Russland und der Ukraine ein ernsthaftes Zeichen für die führenden Politiker beider Staaten sein möge, dass beide Völker Frieden wünschten.

»Wir haben uns hier versammelt als Bürger der beiden Länder. Aber es ist wichtig für uns, den Dialog nicht als Bürger unserer Staaten zu führen, sondern als Geistliche« unterstrich Patriarch Filaret, Oberhaupt des Kiewer Patriarchats der Ukrainisch-orthodoxen Kirche und Vorsitzender des Rates der Kirchen und religiösen Organisationen in der ganzen Ukraine. Er betonte außerdem, wie wichtig es sei, nicht aus der Perspektive und Position der Regierungen zu sprechen, »sondern in der Wahrheit Gottes als Gottes Diener.« Für die Evangelisch-methodistische Kirche nahm Eduard Khegay (im Bild rechts), der für Eurasien zuständige Bischof mit Dienstsitz in Moskau, an dem Treffen teil. Er stellte die Bedeutung friedenschaffender Bemühungen, von Vergebung und Versöhnung sowie den Wert menschlichen Lebens heraus. Dies habe er von Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika gelernt. »Wenn der Krieg in der Ukraine endet, haben die religiösen Führungspersonen eine besondere Rolle für die Versöhnung«, sagte Khegay. »Wir lehren die Menschen zu vergeben und keinen Groll zurückzubehalten, zu lieben und keine Rache zu üben, Gnade walten zu lassen und nicht zu richten.« Das sei ohne Gottes Hilfe nicht möglich. Christen seien deshalb in Zeiten der Verzweiflung und der Zerstörung Botschafter des Friedens und der Hoffnung.

Im Abschlussdokument des Treffens heißt es: »Auch wenn wir teils gleiche teils gegensätzliche Auffassungen haben über Ursachen, Ereignisse und Folgen der heutigen Krise, zielen wir mit diesem Dialog auf gegenseitiges Verständnis, indem wir erkennen, dass es unser Ziel ist, die Wahrheit zu bezeugen und die Erreichung des Friedens zu fördern.« Der Dialog soll fortgesetzt werden.

Quelle: www.umc-eurasia.ru
Übersetzung und Bearbeitung: Reinhold Parrinello