In der US-amerikanischen EmK hat die Debatte über den Umgang mit Homosexualität an Schärfe zugenommen. Zuletzt gab es Disziplinarverfahren gegen Pastoren, die homosexuelle Paare gesegnet haben. In der EmK in Deutschland hat sich eine "Initiative für mehr Respekt und gegen die Diskriminierung homosexueller, bisexueller und transsexueller Menschen" gebildet.

Stark angeheizt ist die Debatte über Homosexualität in den USA, wo die EmK über sieben Millionen bekennende Glieder hat. Das wird an einem Artikel deutlich, der am 11. März in der Online-Ausgabe des Magazins »The American Conservative« unter der Überschrift »The Coming Methodist Schism« (Die bevorstehende methodistische Kirchenspaltung) erschien. Auf die Frage, ob es eine Spaltung der EmK geben werde, gibt es eine lange Antwort, die eindeutig beginnt und auch dabei bleibt: »Ja. ...« Verhindert werden könne die Spaltung nicht, heißt es im Text, der von einer EmK-Pastorin oder einem EmK-Pastor geschrieben ist. Auf die Frage, ob es wünschenswert sei, eine Kirchenspaltung zu verhindern, kommt folgende Antwort: »Vor zwei Jahren hätte ich gesagt, unter allen Umständen. Jetzt denke ich nicht mehr, dass wir das verhindern sollten. Und in der Tat denke ich, je eher wir das hinter uns bringen, desto besser wird es für alle Beteiligten sein ...«

Standpunkte
Vereinfacht und pointiert sehen die Standpunkte etwa so aus: Den Progressiven geht es um ihr Verständnis von Gehorsam Gott und dem Evangelium gegenüber, der wichtiger sei als teilweise »unmoralisches, ungerechtes und diskriminierendes« Kirchenrecht, ein Kirchenrecht aber auch, das an anderer Stelle zum Dienst an allen Menschen auffordere. Die Konservativen weisen auf ihren biblischen Befund und das darauf aufbauende Kirchenrecht der EmK hin und werfen den Progressiven Bruch des Bundes zwischen den Geistlichen vor, weil sie das geltende Kirchenrecht übergehen. Wer dazwischen steht und vermitteln möchte, hat es schwer, wahrgenommen zu werden.

Wie kam es dazu?
Die Sozialen Grundsätze enthalten seit Jahrzehnten einen Passus, wonach praktizierte Homosexualität mit christlicher Lehre unvereinbar sei. Im Laufe der Jahre wurde das Kirchenrecht trotz gegenteiliger Bemühungen immer restriktiver. So wurden Anklage, Verhandlung und Strafen für Pastorinnen und Pastoren eingeführt. Das Scheitern vermittelnder Kräfte bei der Generalkonferenz 2012 und eine mehr und mehr sich wandelnde Gesetzgebung und Rechtsprechung in den US-Bundesstaaten zu Gunsten der Ermöglichung gleichgeschlechtlicher Ehen übte Druck auf die Progressiven aus, ihrem Standpunkt in Kirche und Öffentlichkeit mehr Gehör zu verschaffen und sich durchzusetzen. Immer mehr Geistliche, darunter ein Bischof aus der Bürgerrechtsbewegung, setzten sich über Bestimmungen der Kirchenordnung hinweg und trauten gleichgeschlechtliche Paare.

Neueste Entwicklungen
Im März war Termin für ein kirchliches Gericht, das über Pastor Dr. Thomas Ogletrees Trauung seines Sohnes mit einem anderen Mann zu befinden hatte. Das Gericht löste den Konflikt ohne Strafe. Bischof Martin McLee, der für die Jährliche Konferenz New York zuständig ist, erklärte: »Kirchliche Gerichtsverfahren führen nicht zu Gewinnern.« Die Jährliche Konferenz New York hatte im Juni 2013 ein Lob für die Geistlichen ausgesprochen, die gleichgeschlechtliche Paare getraut hatten.
Wie vom Bischofsrat beschlossen, haben dessen Präsidentin Rosemarie Wenner und Bischöfin Debra Wallace-Padgett, zuständig für die Jährliche Konferenz Nord-Alabama, formal Anklage gegen Bischof Melvin G. Talbert erhoben. Über die Anklage wird das Bischofskollegium der Westlichen Jurisdiktionalkonferenz beschließen.
Ihre Sicht auf die Homosexualitäts-Debatte legen acht Bischöfinnen und Bischöfe – darunter Bischöfin Rosemarie Wenner – in einem eben in den USA erschienenen Sammelband dar: Finding Our Way: Love & Law in The United Methodist Church (Abingdon Press). Dazu gibt es eine Online-Diskussionsplattform (englisch).

Initiative in Deutschland
In der EmK Deutschland hat sich unterdessen eine "Initiative für mehr Respekt und gegen die Diskriminierung homosexueller, bisexueller und transsexueller Menschen in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK)" gebildet. Die InitiatorInnen treten "für einen respektvollen Umgang mit homosexuellen, bisexuellen und transsexuellen Menschen in unserer Kirche ein. Wir treten zugleich gegen jegliche Diskriminierung homosexueller, bisexueller und transsexueller Menschen in unserer Kirche ein."

Auf dem Weg zu einer Kirche ohne Diskriminierungen setzen sich die Initiatoren für folgende Schritte ein:

- Die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland richtet eine Kontaktstelle für Menschen mit homosexueller, bisexueller oder transsexueller Identität und deren Angehörige ein. Hier sollen spezifische seelsorgerliche Angebote ebenso vermittelt werden können wie Kontakte und Informationen.

- Die Evangelisch-methodistische Kirche führt Bildungsveranstaltungen zum Thema Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität durch.

- Die Jährlichen Konferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland entwickeln Anträge an die Generalkonferenz mit dem Ziel der Änderung der Verfassung, Lehre und Ordnung im Sinne der Abschaffung jeglicher Diskriminierung von Homosexualität.

Die Initiative wird auch vom "Forum sozialdiakonische Ethik der Zentralkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland" mitgetragen und von vielen EmK-Pastorinnen und Pastoren unterstützt.

Quellen: www.emk.de (Reinhold Parrinello) und www.emk-bildung.de

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