Die christlichen Kirchen wollen sich weiter dafür einsetzen, dass auch in Österreich der 27. Jänner als offizieller Gedenktag für die Opfer des Holocaust anerkannt wird. Das betonte der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, Lothar Pöll. Sowohl die vereinten Nationen als auch gut ein Duzend europäischer Länder haben den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz zum Holocaust-Gedenktag erklärt.

Österreich gedenke zwar jährlich am 5. Mai der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen, würdigt der Ökumenische Rat die damit verbundene Bewusstseinsbildung für Menschenwürde und Demokratie. Dennoch wäre notwendig, so der ÖRKÖ, "auch in unserem Land den 27. Jänner als Tag der Buße und des Gedenkens zu begehen - im Hinblick darauf, dass der Name Auschwitz unauslöschlich mit den jüdischen Menschen, der größten Opfergruppe des menschenverachtenden NS-Regimes, verbunden ist."

Ein solcher Tag, so Lothar Pöll, habe eine wichtige Bedeutung für die Gegenwart, da aus dem Eingedenken Orientierung wachse; etwa im Blick auf die Menschenwürde, die Menschenrechte, die Rechte von Minderheiten, den Rechtsstaat oder die Demokratie. Der Ökumenische Rat sieht hier auch einen besonderen Auftrag an die Kirchen, jeglicher Politik von Abwertung, Ausgrenzung, Rassismus und Fremdenhass entgegenzutreten.

Israelische Kultusgemeinde (IKG) ruft zur Gedenkveranstaltung auf

Am Montag, den 27. Jänner 2014 jährt sich die Befreiung des NS-Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 69. Mal. Aus diesem Anlass ruft die IKG an diesem Tag um 17:00 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung am Heldenplatz in Wien auf. "Es gibt keinen Grund, sich in Sicherheit zu wiegen und zu glauben, dass sich Ausgrenzung, Hass und Menschenhatz nicht wiederholen können.", so im Wortlaut der IKG-Aussendung. "Der Antisemitismusbericht der europäischen Grundrechteagentur führt uns deutlich vor Augen, dass das Ausgrenzen, das Bedrohen und Verfolgen von Jüdinnen und Juden in diesem Europa nicht der Vergangenheit angehören. … Am 27. Jänner setzen wir gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus, Menschenhass und Ausgrenzung. Wir übernehmen Verantwortung für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft." Im Rahmen der Gedenkveranstaltung werden u.a. die Zeitzeugen Miriam Auerbach und Prof. Rudolf Sarközi und der IKG-Präsident Oskar Deutsch sprechen.

Quellen: Lothar Pöll; Martinus; IKG

Im Bild: Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau im Jahr 1945 (Bildquelle: de.wikipedia.org; Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA)