Ruth Armeanu berichtet von der Fortbildung für Laien, Modul Neues Testament, die von 22.-23.11.2013 unter der Leitung von Prof. Dr. Roland Gebauer und Pastorin Esther Handschin in Salzburg stattgefunden hat:

"Die Anzahl, intensive Vorbereitung und Präsenz der Teilnehmer war für mich fast ebenso wunderbar wie das Gleichnis von der Speisung einer großen Menschenmenge, das wir am ersten Abend aus verschiedenen Blickwinkeln betrachteten, denn es waren 13 theologisch Interessierte aus fast allen Methodisten-Gemeinden in Österreich, die da keineswegs zankten, als es um den „Zankapfel Bibel“ (Ulrich Luz) ging. Ein sehr interessantes Buch, das am Gleichnis der Brotvermehrung verschiedene Zugänge zur Bibel zeigt, als da sind: historisch-kritisch, fundamentalistisch, evangelikal, feministisch, materialistisch und tiefenpsychologisch.

Statt zu „zanken“, fanden wir uns erst einmal selber wieder – und zwar bei einem oder mehreren der „Blickwinkel“. Dabei lernten wir uns gegenseitig auf eine ganz besondere Art kennen. Das galt auch für unseren Dozenten Prof. Dr. Roland Gebauer von der Theologischen Hochschule Reutlingen, bei dem sich für mich Kompetenz und persönliches Zeugnis zu einer berührenden Authentizität verbanden. Was da an uns ausgeteilt wurde, waren, abgesehen von neuem Wissen und Erkenntnissen, auch die Erfahrungen der anderen Teilnehmer. Ausgeteilt wurde aber auch köstliche Kürbissuppe – von Pastorin Esther Handschin, die nicht nur als Leiterin, sondern auch als hervorragend kochende Gastgeberin fungierte. „Und sie aßen alle und wurden satt!“

Am Samstag spannte sich der Bogen von den Paulusbriefen als den ältesten schriftlichen Zeugnissen bis hin zu den synoptischen Evangelien – und als abschließender Höhepunkt das Evangelium des Johannes. Aus der Hand Jesu sind keine Aufzeichnungen bekannt, von Paulus dagegen sind persönliche Schriften in Form seiner Briefe erhalten. Aufgeschrieben wurde aber nicht, um für spätere Generationen das Wirken Jesu festzuhalten, sondern es ging um die Stärkung des Glaubens. Im Römerbrief betont Paulus z.B.: Nicht mehr die Tora, das Befolgen der Gebote, ist der Heilsweg, sondern Christus, der Glaube an ihn. Das Entscheidende ist die Verbundenheit mit Christus. Und das gilt sowohl für die Juden wie auch für alle anderen Völker.

Die Synoptiker Matthäus, Markus und Lukas erzählen in ihren Evangelien, wer Jesus war. Im Johannes-Evangelium dagegen verkündigt Jesus sich selbst, ist derjenige, der sich den Menschen offenbart. Jesus ist damit sozusagen die „Sehhilfe“ Gottes. Deswegen die Bilder: Brot, Licht, Weg, Wahrheit... Und er sagt unmissverständlich: Alles, was ihr notwendig zum Leben braucht, das bin ich. Alles, was ihr braucht, um Gott zu erkennen, das bin ich. Ihr habt das ewige Leben schon jetzt! Ihr seid schon hineingestellt in die lebendige Gemeinschaft mit Gott. Hier wird in besonderer Weise klar, was Jesus für uns bedeutet, was wir an ihm haben: nämlich Gott selbst.

Es war eine Fülle an Stoff, auf den wir uns mit der „Einführung in das Neue Testament“ von Jürgen Roloff gut vorbereitet hatten und der eindrucksvoll vertieft wurde. Was mich betrifft, werde ich noch lange davon „zehren“. Genossen habe ich auch die Offenheit, mit der sich alle einbrachten, und den Humor von Dr. Gebauer, mit dem er seine Ausführungen würzte. Ich freue mich schon auf das nächste Modul im März, wenn es in Graz und mit Prof. Dr. Barthel um das Alte Testament geht.

Bild (c) Ruth Armeanu