Die Herbsttagung der EmK Österreich befasste sich am Wochenende vom 18. bis 20. Oktober mit den Menschenrechten. Anstoß dazu gab die Initiative der KEK (Konferenz Europäischer Kirchen), dieses Thema den Kirchen mehr ans Herz zu legen. Wenn es um Menschenrechte geht, dann spielt dabei immer auch die Vielfalt der Menschen, ihre Bedürfnisse, ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe und Kulturen eine Rolle. Um sich damit vertraut zu machen, erhielten die Teilnehmenden gleich am ersten Abend die Aufgabe sich zu begrüßen, aber in ganz verschiedener Weise. Das irritierte einerseits und machte andererseits bewusst, dass man den Umgang mit verschiedenen Kulturen einüben muss, um sich nicht voneinander zu entfremden. Vielfalt muss gewollt sein, gefördert und geschützt werden.

Dr. Josef Mautner von der Plattform für Menschenrechte Salzburg gab uns am Samstagvormittag Einblick in die Arbeitsform und die brennendsten Themen, die von dieser Basiseinrichtung seit bald fünfzehn Jahren bearbeitet werden. Es ist erstaunlich, was die bunt zusammengewürfelte Organisation alles erreicht hat: einen runden Tisch, eine Anlaufstelle für Diskriminierungsfälle, Salzburg als Menschenrechtsstadt, Erleichterungen im Asylwesen, den jährlichen Menschenrechtsbericht Salzburg und vor allem viel Öffentlichkeitsarbeit. Das lebendige Gespräche danach ermutigte, auch in kleinen Gemeinden das Anliegen der Mitmenschlichkeit zu leben.

Danach erzählte Dr. Barbara Jauk aus der Grazer Gemeinde, wie die Anliegen der Menschenrechte auf der Ebene der Volksanwaltschaft Österreich behandelt werden. Sie verwies auf die Arbeit von Pastor Markus Fellinger, der in einer der sechs Kommissionen tätig ist, die Einrichtungen besuchen, wo Menschen teils gegen ihren Willen festgehalten oder untergebracht sind, wie Gefängnisse, psychiatrische Kliniken, Einrichtungen der Jugendwohlfahrt usw. Sie selbst ist als Vertreterin der Gewaltschutzzentren im Menschenrechtsbeirat tätig, der grundlegende Fragen im Bereich der Menschenrechte für die Volksanwaltschaft klärt.

Besonders der Workshop zum Thema „Betteln – ein Grundrecht“ war herausfordernd, da er neue Einsichten in die Situation von Bettelmigranten gab, die zunehmend österreichische Städte aufsuchen.

Der Abend war der Arbeit der „General Commission on Religion and Race“ der weltweiten methodistischen Kirche gewidmet. Die Generalsekretärin Erin Hawkins erzählte einige Beispiele von Diskriminierung innerhalb der amerikanischen Methodistenkirche. Aufgrund der Geschichte ist hier noch viel Versöhnungsarbeit zu leisten. Diskriminierung findet nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf institutioneller und struktureller Ebene statt.

In ihrer Predigt beim abschließenden Gottesdienst am Sonntag gab Erin Hawkins dem Gleichnis von der bittenden Witwe eine ganz neue Wendung: Was ist, wenn Gott derjenige ist, der unablässig an die Tür unseres Herzens klopft, um uns zur Mitmenschlichkeit zu bewegen? Die Teilnehmenden der Herbsttagung zeigten mit ihrer Kollekte, dass die Türen ihrer Herzen offen stehen. Der Erlös kommt dem Projekt der methodistischen Gemeinde in Debnevo/Sevlievo, Bulgarien zugute, die damit ein Kinderprogramm in einer Dorfschule anbietet. Über 50% der Kinder kommen aus Roma-Familien.