Der Europäische Rat methodistischer Kirchen tagte von 14.-17.9. unter dem Thema «Verantwortungsbewusste Nachfolge in einer Zeit wirtschaftlicher Herausforderungen» in Wuppertal (D). 

Annähernd alle Regionen Europas waren in den Beratungen vertreten und brachten die sehr unterschiedlichen Erfahrungen in der derzeitigen wirtschaftlichen Krise Europas zur Sprache. Ein besonderes Augenmerk galt der Jugendarbeitslosigkeit, die zurzeit fast flächendeckend grossen Teilen der Jugend Europas jegliche Perspektive für das eigene Leben nimmt. Sie liegt in den südeuropäischen Ländern derzeit teilweise bei fast 40%, in Spanien und Griechenland sogar noch deutlich höher. Aber auch die anderen europäischen Länder stehen mehr oder weniger ratlos vor diesem Problem. Die Wanderbewegung vor allem junger Menschen zu Ausbildungs- und Arbeitsplätzen erfasst mittlerweile ganz Europa. Der Rat vereinbarte, gezielt Hilfen zu entwickeln, um jungen Menschen Begleitung auf diesen schwierigen Wanderungen bieten. Vor allem sei aber den Vielen, die in ihrem Heimatland bleiben, eine Perspektive zu geben. Darin läge der eigentliche Auftrag der Kirche: den Menschen auch inmitten der verheerenden Krise den Wert ihres Lebens zu vermitteln und Räume der Hoffnung zu eröffnen.

Deutlich wurde in den Diskussionen auch, dass die Aufgabe der Kirche Jesu Christi nicht allein darin bestehen kann, die Not zu lindern. Vielmehr muss sie Gründe und heillose Strukturen beim Namen nennen. Ihr Bekenntnis zu Jesus Christus als Herrn der Welt müsse auch die Konsequenz der Verwerfung der Denk- und Handlungsmuster beinhalten, die das Leben der Menschen zerstörten. Dies wurde nicht zuletzt angeregt durch eine Begegnung in der Gemarker Kirche in Wuppertal Barmen, in der 1934 von der Bekennenden Kirche die Barmer Erklärung verabschiedet wurde. Die Verfasser der Barmer Erklärung fügten damals den Thesen des Bekenntnisses zu Jesus Christus zugleich auch Sätze hinzu, die mit den Worten «Wir verwerfen…» unmissverständliche Abgrenzungen formulierten.
Bischof Eduard Khegay (Russland) brachte in seiner Predigt über die Geschichte vom reichen Jüngling die Alternative zur Sprache. Nicht, was wir haben könnten, darf uns beschäftigen, sondern, was wir und unser Nächster zum Leben benötigen. Superintendent Oyvind Helliesen (Norwegen) beklagte die auf Sicherung und Steigerung des Lebensstandards fokussierten Wahlkämpfe in den reichen Ländern Europas. Das «Teilen» hat nach wie vor keine Lobby. Das Wort der Kirche Jesus Christi ist deshalb jenseits aller politischen Grabenkämpfe unverzichtbar. Die Vermehrung des Besitzes Weniger, die nach wie vor ungebremsten Mechanismen des Geldmarktes und ein Wirtschaftssystem, das mehr und mehr ganze Länder und Bevölkerungen ausgrenzt und damit ihre Entwürdigung in Kauf nimmt, dürfen nicht das letzte Wort sein.
Ziel der Arbeit des Europäischen Rates ist die Stärkung der Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und das Teilen von Ressourcen, um trotz teilweise geringer Mitgliederzahlen eine möglichst effektive missionarische und sozial engagierte kirchliche Arbeit in den verschiedenen Ländern und Regionen zu leisten. Die Vereinigte Kirche von Schweden wurde im Rat erstmals begrüsst. Sie war vorletztes Jahr entstanden, und zu ihr gehören auch Gemeinden, welche früher die EMK in Schweden bildeten. Die Vereinigte Kirche von Schweden ist zunächst Beobachterin; das Ziel ist aber klar, dass sie bald zur 11. Mitgliedskirche methodistischer Tradition des Europäischen Rates werden wird. Der Rat wird sich im September 2014 zu seiner nächsten Tagung in Dublin (Irland) versammeln.

Quelle: Superintendent Stephan Ringeis, EmK Deutschland
Bild: (vlnr) Donald Ker, Co-Präsident (Irish Methodist Church), Bischof Patrick Streiff, Co-Präsident (EMK in Mittel- und Südeuropa), Elaine Robinson, Sekretärin (Methodist Church in Britain)