Bei einem Selbstmordanschlag in Quetta sind mindestens acht Menschen getötet worden. Zwei Attentäter hatten versucht, einen Gottesdienst zu stürmen.

Wie aus verschiedenen Medienberichten hervorgeht, sind am gestrigen Sonntag bei einem Anschlag auf eine Kirche in Pakistan mindestens acht Menschen getötet worden. In neueren Berichten ist von neun Toten die Rede. Der Adventsgottesdienst fand in der Bethel Memorial Methodist Church in Quetta statt. Die Großstadt mit 900.000 Einwohnern liegt im Westen Pakistans rund 50 Kilometer von der Grenze zu Afghanistan entfernt. Medienberichten zufolge waren etwa 400 Menschen zum Gottesdienst versammelt. Es habe mindestens 30 Verletzte gegeben, darunter zehn Frauen und sieben Kinder. Laut Augenzeugenberichten hätten sich zwei bewaffnete Männer der Kirche genähert. Einer von ihnen wurde am Eingang der bewachten Kirche von Polizisten erschossen. Der andere wurde bei der Schießerei verletzt, zündete aber vor der Kirchentür seine Sprengstoffweste. Die Polizisten hätten durch ihr rechtzeitiges Eingreifen Schlimmeres verhindert, sagten übereinstimmend der Generalinspekteur der Polizei und der Innenminister der Provinz Belutschistan. Die Bethel Memorial Methodist Church war vor einigen Jahren schon einmal Ziel eines Anschlages. Danach waren die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden.

Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland, brachte in einem Schreiben an Bischof Samuel Robert Azariah »das tiefe Mitgefühl der Methodisten in Deutschland angesichts des schrecklichen Terroranschlags auf den Adventsgottesdienst in Quetta« zum Ausdruck. Das Entsetzen dieses Angriffs sei, so Rückert, »für uns kaum vorstellbar, da wir in einem Land leben dürfen, in dem wir unseren christlichen Glauben frei und ohne Bedrohung und Gefahr leben können«. Er versicherte Azariah, der als Bischof der aus verschiedenen Denominationen vereinigten »Kirche von Pakistan« vorsteht, »dass unsere Gebete mit allen von euch sind, besonders aber mit denen, die geliebte Menschen verloren haben oder körperlich oder geistig verwundet wurden«.

Aus der Methodistischen Kirche in Großbritannien meldeten sich die Präsidentin Loraine Mellor und die Vizepräsidentin Jill Baker zu Wort. Sie schreiben in einer Stellungnahme: »Die Christen in Pakistan leben in einem Klima des Argwohns und der Diskriminierung. Wir bewundern den Mut der mehreren Hundert Gottesdienstbesucher, die zu dieser Zeit in der Kirche waren, und die schnelle Reaktion derer, die dafür sorgten, dass der Angriff keine weit höhere Zahl an Todesopfern forderte.«

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, verurteilte den Anschlag ebenfalls. Er forderte die Christen auf, nicht zuzulassen, »dass diese verheerende Tat unseren Glauben, unsere Einheit und unsere gemeinsame Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt schwächt«. Paul Ueki, Vorsitzender der Asiatischen Evangelischen Allianz, beklagte, dass der Anschlag »kein Einzelfall« sei. In Pakistan wie überhaupt in Südasien gebe es häufige und ungerechtfertigte Angriffe gegenüber der christlichen Minderheit. Er forderte die pakistanische und auch die indische Regierung nachdrücklich dazu auf, »alles zu tun, um die Minderheiten des Landes zu schützen und sicherzustellen, dass Christen ihre grundlegenden Menschenrechte ausüben und ihren Glauben frei praktizieren können«.

In Pakistan hatte es in den letzten Jahren immer wieder Gewaltakte gegen religiöse Minderheiten wie Schiiten, Hindus und Christen gegeben. »Sicherheitsbehörden haben kläglich dabei versagt, normale Bürger, besonders Minderheiten zu schützen«, sagte Shamaun Alfred Gill, ein christlicher Politiker in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. »Wir haben von der Regierung gefordert, die Sicherheitsvorkehrungen für Kirchen überall im Land zu verstärken. Aber sie hat das nicht getan«, wird Gill in der Online-Ausgabe der New York Times zitiert.

Methodismus in Pakistan
Die damalige Bischöfliche Methodistenkirche begann in den 1870er Jahren ihre Arbeit unter englischen Soldaten in Karatschi, einer großen Hafenstadt im Süden Pakistans. Diese waren zeitweise auch in Quetta stationiert und trugen den Methodismus in diese Stadt. In den 1960er Jahren gründete die damalige Methodistenkirche die Provisorische Zentralkonferenz Pakistan aus der damals noch bestehenden Zentralkonferenz Südliches Asien. Am 1. November 1970 vereinigten sich in Pakistan Anglikaner, Lutheraner, die Schottischen Presbyterianer und die Zentralkonferenz Pakistan der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zur »Kirche von Pakistan« (The Church of Pakistan). Bei ihrer Gründung hatte diese Kirche 200.000 Glieder, darunter 60.000 Methodisten. Heute hat die Kirche von Pakistan rund 500.000 Mitglieder und ist die größte protestantische Kirche des Landes. Die eigenständige Methodistische Kirche Pakistans hat etwa 13.000 Glieder. – Ob die Bethel Memorial Church in Quetta zur »Kirche von Pakistan« oder zur eigenständigen Methodistischen Kirche Pakistans gehört, war zum Zeitpunkt der Endredaktion der Meldung noch nicht bekannt.

Foto: Übernahme von der Facebook-Seite der Bethel Memorial Church Quetta
Quelle: emk.de, Reinhold Parrinello und Klaus Ulrich Ruof