Eine Lange Nacht in Ried


In diesem Jahr hat die kleine methodistische Gemeinde in Ried im Innkreis es gewagt, zur Langen Nacht der Kirchen am 1. Juni in ihre Räume einzuladen.



Begonnen wurde die Lange Nacht in Ried mit einer gemeinsamen Eröffnungsvesper in der Kapuzinerkirche. Gerda Ransmayr erinnerte dabei an eine Geschichte, die der methodistische Pastor Ernst Nausner vor 42 Jahren beim ersten ökumenischen Gottesdienst in Ried erzählt hatte: Zwei Hunde bekläfften sich, getrennt durch einen Zaun. Sie liefen dem Zaun entlang bis sie ein Schlupfloch fanden. Erst mussten sie sich beschnuppern, fanden aber bald Gefallen daran miteinander zu spielen.

Dass sich über all die Jahre hinweg das ökumenische Klima in Ried sehr positiv entwickelt hat, davon zeugte der gute Besuch in der Methodistenkirche in der Kellergasse 15. Singstimmen aus den unterschiedlichen Kirchen vereinigten sich zu einem wohlklingenden Chor. Gemeinsam ließen sie sich in die Spiritualität des methodistischen Liedgutes einführen. Pastorin Esther Handschin gab einige Informationen zu Liedtexten von Charles Wesley, alten und neuen Kirchenliedmelodien sowie einigen neueren Liedern aus dem methodistischen Gesangbuch.

Die zweite Stunde der Langen Nacht war der Bibel gewidmet. Hannes Eichsteininger brachte einige Exponate seiner Bibelsammlung mit. In seiner Einleitung erläuterte er die Besonderheiten der Bibeldrucke vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Anhand einiger Merkmale konnte sich die Hörerschar dann selbst auf Entdeckungsreise begeben: Habe ich eine evangelische oder eine katholische Bibel vor mir? Wo sind die Einhörner zu finden? Was kann ich überhaupt entziffern?

Die letzte Stunde war einer Einführung über die Entstehung der methodistischen Kirche gewidmet. Mit Bildern ging es vom England des 18. Jahrhundert über Amerika im 19. Jahrhundert zurück nach Europa und Österreich im 20. Jahrhundert.

Der Abend wurde um 23.00 Uhr in der Stadtpfarrkirche beschlossen. Von allen Stationen des Abends kamen Personengruppen in die erleuchtete Hauptkirche und präsentierten Ausschnitte aus dem, was sie in dieser Nacht erlebt haben. Der gemeinsame Abschluss klang in einem Umtrunk aus.
 
Einige der Gäste nützten an diesem Abend eine der letzten Gelegenheiten, die Methodistenkirche in Ried von innen zu sehen. Am 24. Juni wird dort um 19.00 Uhr ein Dankgottesdienst gefeiert. Nach über 50 Jahren wurde das Gebäude verkauft. Viel Segen ging in all den Jahren von diesem Ort aus. Grund genug, Gott dafür zu danken. Die Gemeinde löst sich aber nicht auf, sondern zieht ins evangelische Gemeindezentrum in die Riedbergstr. 7 um. Zwei evangelische Gemeinden unter einem Dach – ein Ausdruck der Verbundenheit, der gegenseitigen Ermutigung und der Stärkung der evangelischen Präsenz im Innviertel.

Esther Handschin



Veröffentlicht am:
11:55:40 05.06.2012

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